Heer

März 2020 - Verzögerung

März 2020 - Verzögerung

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Lesedauer:
2 MIN
3Taktik-Karte-März

Verzögerung im Gefecht bedeutet, gezielt Raum aufgeben, um Zeit zu gewinnen. Der Feind wird gleichzeitig durch Feuer und Bewegung abgenutzt.

Bundeswehr/PIZ Mediendesign

20. März

Die Würfel sind gefallen. WISWEG hat uns heute den Krieg erklärt: höchste Anspannung. Es ist jetzt wichtig, dass die Führer bei ihren Leuten sind. Ich komme kaum noch aus dem Befehlsstand heraus. Die Stabsabteilungen funktionieren wie gut geölte Maschinen. Ich bin sehr zuversichtlich. Alle wissen, worauf es ankommt.

22. März

Die Luftaufklärung meldet, dass sich zwei Panzergrenadier-, eine Panzer- und eine motorisierte Jägerdivision von Norden auf uns zu bewegen. Im Divisionsrahmen vier zu eins gegen uns, das ist hart aber machbar. Der Operationsplan unserer Brigade zum Verzögerungsgefecht kann greifen. Wir werden zeitlich begrenzt verteidigen, den Feind lenken und in vorbereitete Sperren und Engen laufen lassen. Kämpfendes Ausweichen und Gegenstöße folgen. Ziel ist es, Zeit zu gewinnen und die WISWEGER weitestgehend abzunutzen.

23. März

18:00 Uhr: Meine Aufklärung hat nun direkte Fühlung mit den Spitzen des Feindes. Wenn die WISWEGISCHEN Angriffsachsen sich bestätigen, müssen wir noch nicht einmal die Koordinaten für die Wurfminensperren anpassen. Nun heißt es: Ruhe bewahren.

23:40 Uhr: Panzergrenadierbataillon 31, Mitte, hat die Aufklärung aufgenommen. Hauptmann Sichelschnitts Lagevortrag zeigte eine direkte Bewegung des Feindes in Richtung unserer Stellungen. Keine drei Kilometer mehr; eine, zwei Stunden noch bis zum Kontakt, so seine Prognose. Nachtangriff? Kommt nur!

24. März

Zwei Panzer setzen auf einer Straße umgeben von Schnee, weißer Rauch steigt auf.

Ein wesentliches Element des Verzögerungsgefechtes sind Minensperren. Hier ist gerade der Angreifer auf eine Minensperre aufgefahren. Unter Einsatz von Nebel weicht er aus.

Bundeswehr/Marco Dorow

04:17 Uhr: Der Zauber geht los. Die Spitzen der WISWEGER sind in die vordersten Sperren gefahren. Die Explosionen durchschneiden die Nacht.

04:30 Uhr: Die Lagemeldungen der Bataillone überschlagen sich. Was für ein Durcheinander, aber der G2 lässt sich nicht beirren, nimmt auf, sortiert und bewertet.

05:10 Uhr: Der Chef des Stabes hat alles im Griff. Bin vorn im beweglichen Gefechtsstand beim Panzerbataillon 30, links. Die Anspannung ist unerträglich. Die Chefs geben Feuer frei! Wie aus einem Rohr entlädt sich die Wut unserer Geschütze und Waffen fast gleichzeitig. Zahllose Leuchtspuren durchschneiden den Nachthimmel. Handwaffen und Puma bilden den Geräuschteppich. Die Leoparden klingen wie gedämpfte Paukenschläge und die Artilleriegeschosse trudeln zischend über die Köpfe.

07:00 Uhr: Es dämmert. Endlich. Zwei Zentimeter Schnee bei minus fünf Grad. Meine Brigade muss noch weitere sechs Stunden verzögern bis auf Höhe der Koordinationslinie zwei. Für die Abnutzung des Feindes sind wir Hammer und Amboss gleichermaßen – flexibel, unermüdlich und beweglich ist die Schmiedearbeit am Feind.

14:08 Uhr: Panzergrenadierbataillon 31, Mitte, war ausgewichen. Der Feind stieß nach. Panzerbataillon 32, rechts, empfing mit präzisen Gegenstößen in die Flanke: Bravo!

14:30 Uhr: G2 meldet, dass die feindlichen Kräfte mittlerweile auf die Hälfte geschrumpft sind. Unsere Verluste liegen derzeit bei einem Drittel. Wir schlagen uns hervorragend. Die Lage bei Panzerbataillon 30, links, ist immer noch verhältnismäßig ruhig.

15:10 Uhr: Habe dem Rest der Brigade befohlen, kämpfend auf Koordinationslinie zwei auszuweichen. Panzerbataillon 30, links und Panzerbataillon 32, rechts, hier Schwerpunkt, in tiefer Gefechtsgliederung. Panzerbataillon 34, Reserve, hält sich bereit für den geplanten Gegenangriff in die Flanke.

von Christian  Grothaus

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