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Mai 2020 – Verwundetenversorgung

Mai 2020 – Verwundetenversorgung

  • Landes- und Bündnisverteidigung
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Auf grauem Untergrund sind weiße Symbole gezeichnet. Der Schriftzug R1, also Roule 1, steht für Verwundetenversorgung.

Verwundetenversorgung bedeutet, bereits in der taktischen Gefechtsplanung die Versorgung Verwundeter mit einzuplanen.

Bundeswehr/PIZ Heer

8. Mai

Für Mittland gestalten sich die Kämpfe zäh und verlustreich. Das Verhältnis 4:1 gegen uns hat sich auch in der siebten Kriegswoche nicht grundlegend geändert. Wisweg steht tief in unserem Raum, behauptet gewonnene Geländeabschnitte und richtet sich zur Verteidigung ein. Unsere Division ist mittlerweile stark dezimiert und nur noch bei rund der Hälfte der Stärke. Wir schmelzen ab wie Butter in der Sonne.

10. Mai

Ein verwundeter Soldat liegt auf einem Behandlungstisch und drei Soldaten stehen darum herum.

Werden Verwundete an Sanitäter und Ärzte übergeben, ist der Bericht über die Art und das Zustandekommen der Verletzungen enorm wichtig.

Bundeswehr/Marco Dorow

Befehlsausgabe bei der Division. Brigade „Eulenschlag“ ist ab heute der Nachbardivision unterstellt. Die Einsatzlage ließ eine Aufteilung der Brigaden besser erscheinen als weitere Auffrischungen. Eine Offensive wird von der operativen Führung angedacht. Doch gibt es dazu noch keine weiteren Angaben.

11. Mai

Heute Meldung beim neuen Divisionskommandeur. Am Rande ein gutes Gespräch mit Generalstabsarzt Kellergarten. Er bestätigte den hohen Ausbildungstand unserer Selbst- und Kameradenhilfe im Gefecht.

Ein verwundeter Soldat liegt auf dem Boden. Zwei weitere kümmern sich um ihn und legen eine Venenverweilkanüle am Arm.

Gut ausgebildet: Werden Soldaten im Gefecht verletzt, sind sie zunächst auf sich allein gestellt. Mit besonderer Ausbildung sind sie sogar in der Lage, am Arm einen Zugang, zum Beispiel für eine Infusion, zu legen.

Bundeswehr/Carl Schulze

In anderen Armeen sterben rund 90 Prozent der im Gefecht verwundeten Soldaten, bevor sie eine medizinische Versorgungseinrichtung erreichen. Häufigste Gründe sind Blutungen, Atemwegsverlegung und Spannungspneumothorax, eine lebensgefährliche Art von Lungenverletzung.

Unsere Verletzten haben eine bessere Chance, gerettet zu werden. Kellergartens Statistik warf aus, dass 10 Prozent aufgrund schwerer Verwundungen gefallen sind und weitere 33 Prozent wegen mangelnder Versorgung. Fast zwei Drittel unserer Soldaten überleben also eine Verwundung auf dem Gefechtsfeld. Dazu tragen sicher die persönliche Sanitätsausstattung und die gründliche Ausbildung bei.

Ich erzählte Kellergarten von meinen frischen Erlebnissen. Wir konnten die Verwundeten zunächst nur notdürftig behandelt, denn Feuerkampf und Wirkung stehen immer im Vordergrund. Die Soldaten wissen das und versorgen sich oftmals zuerst selbst. Ich habe auch den Fall gehabt, dass ein Stabsunteroffizier den Blood Sweep, einen Ganzkörpercheck nach Verletzungen, schon bei sich selbst gemacht hatte.

Ein verwundeter Soldat liegt auf dem Boden. Zwei Sanitäter bereiten ihn zum Abtransport mit dem GTK Sanitätsboxer vor.

Jede Sekunde zählt in einer Rettungskette ­– von der Verwundung über die Erstversorgung bis zur finalen Behandlung durch einen Facharzt. Der Transport eines Verwundeten etwa mit dem GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Sanitätsboxer ist dabei ein wichtiger Zeitfaktor.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Auch unsere Schutzausrüstung kann sich sehen lassen. Die Körperoberflächen unserer abgesessenen Kräfte sind zu rund 50 Prozent gegen Beschuss und Splitter geschützt. Das hilft aber nicht gegen den Explosionsdruck oder Verbrennungen. Ein Drittel der Soldaten fällt aufgrund fehlender Versorgung. Das muss sich ändern. Die Rettungskette ist der Schlüssel hierzu.

von Christian  Grothaus

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