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So geht Stellungsbau im Hochgebirge

So geht Stellungsbau im Hochgebirge

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
4 MIN

Die Gebirgsjägerbrigade 23 ist für den Kampf im schwierigen bis extremen Gelände spezialisiert. Auf der Reiteralpe, einem Gebirgsübungsplatz und Tafelgebirge in den Berchtesgadener Alpen, zeigt sie ihre Arbeitsweise. Dazu gehört auch das Zusammenwirken der kämpfenden und kampfunterstützenden Truppe.

Generalleutnant Alfons Mais (r.) und Oberst Maik Keller genießen während eines Bergmarsches das prächtige Panorama.

Generalleutnant Alfons Mais (r.) und Oberst Maik Keller genießen während eines Bergmarsches das prächtige Panorama.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, hat sich über das besondere Fähigkeitsprofil der Gebirgstruppe sowie über aktuelle Aufträge, Ausbildungen und über die Ausstattung informiert. Bereits am Tor der Hochstaufen-Kaserne empfängt ihn Oberst Maik Keller, der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23. Nach der Begrüßung fährt der Inspekteur auf einem Gepanzerten Transportkraftfahrzeug (GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug) Boxer zur Seilbahnstation der Wehrtechnischen Dienststelle 52 nach Oberjettenberg. Als einziges Bataillon der Gebirgsjägerbrigade 23 ist das Gebirgsjägerbataillon 231 mit dem GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer ausgestattet. Damit ändert sich das Auftrags- und Aufgabenspektrum der 850 Soldatinnen und Soldaten des Bataillons jedoch nicht. Der infanteristische Einsatz zu Fuß bleibt ihr bestimmendes Merkmal.

An der Talstation geht es direkt via Seilbahn – natürlich mit Maske und Abstand – auf die Reiteralpe. Auf dem Hochplateau, wo schon zahlreiche Gefechtsübungen stattfanden, lassen sich die Fähigkeiten der Gebirgsjäger am besten unter Beweis stellen.

Jederzeit kampftauglich

Fünf Soldaten sitzen in einem kleinen Konferenzraum.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais (2.v.r.), erhält einen Lagevortrag über die Gebirgsjägerbrigade 23.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Der Brigadekommandeur vermittelt in einem Lagevortrag einen Überblick über aktuelle Themen der Brigade. Neben den personellen, einsatz- und ausrüstungsbezogenen Aspekten kommen insbesondere das Fähigkeitsprofil der Gebirgsjägerbrigade 23 zur Sprache. Als ein wesentlicher Punkt wird dabei die geplante Führerweiterbildung „Kampf aus Stellungen im Gebirge“ thematisiert. Seit Längerem gilt auch bei den Gebirgsjägern: Landes- und Bündnisverteidigung gehört wieder zu den Kernaufgaben. Daher wird auf Brigadeebene in einem entsprechenden Szenario geübt, um gegen einen ebenbürtigen Gegner bestehen zu können. So können die Gebirgsjäger ihre speziellen Fertigkeiten trainieren, um jederzeit kampftauglich zu sein.

Die Gebirgsjäger als kämpfende Truppe können die Erfüllung ihres Auftrags nur gewährleisten, wenn die Unterstützungsverbände der Brigade ihre Fähigkeiten mit der kämpfenden Truppe sinnvoll verknüpfen. Dazu zählen Gebirgspioniere, Gebirgsaufklärer, Gebirgsversorger und das Tragtierwesen. Deshalb üben Kampf- und Unterstützungstruppen innerhalb der Gebirgsjägerbrigade 23 regelmäßig gemeinsam. Dieses System wird Mais bei seinem Dienstaufsichtsbesuch in Auszügen dargestellt.

Das Know-how der Gebirgspioniere

Mehrere Soldaten stehen auf einem Gebirgsweg vor einem Kettenfahrzeug.

Generalleutnant Alfons Mais (l.) im Gespräch mit Oberst Maik Keller (hinten M.) und Oberstleutnant Dennis Jahn (vorne M.)

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Dazu geht es von der Bergstation mit einem Geländetransportfahrzeug BVBeschaffung und Vertragsangelegenheiten 206 S Hägglunds und im Marsch zu Fuß zur Station „Der Gebirgsjägerzug – Stellungen im Gebirge“. Dort spricht Major Christian Houben vom Gebirgsjägerbataillon 231 über Grundsätze des Stellungsbaus in verschiedenen taktischen Lagen im Gebirge. Die Wahl der Stellungen unterscheidet sich im Gebirge grundlegend von anderen Truppengattungen. „Die Gebirgstruppe kann aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht in den Boden graben. Folglich müssen die Stellungen auf dem Boden aufgesetzt und baulich geschützt werden. Das geht nur mit dem Know-how der Gebirgspioniere“, erläutert Oberstleutnant Dennis Jahn, Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 231.

18 Tonnen Steine verbaut

Mehrere Soldaten besichtigen einen Holzunterstand an einem Hang.

Generalleutnant Alfons Mais (r.) begutachtet eine durch Gebirgspioniere errichtete Stellung

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Anschließend werden dem Inspekteur an einem Gruppenunterstand die Möglichkeiten zur Erhöhung des baulichen Schutzes von Stellungen im Gebirge gegen Steil- und Flachfeuer erläutert. „An diesem Gruppenunterstand sind 18 Tonnen Steine in Drahtgestellkörben verbaut. Hierzu nutzen wir die natürlichen Gegebenheiten aus“, erläutert Oberleutnant Johannes Wühr vom Gebirgspionierbataillon 8. Kurz darauf wird dann der Aufbrechhammer auf 1.700 Meter Höhe über Normalnull angeschmissen und die Steine am Fels herausgebrochen.

Ein Vertreter der Wehrtechnischen Dienststelle 52 (WTDWehrtechnische Dienststelle) erläutert dem Inspekteur die beispielhafte Kooperation zwischen seiner Dienststelle und den Gebirgspionieren. Ende Juli wird die WTDWehrtechnische Dienststelle 52 bei einer Führerweiterbildung statische Ansprengversuche mit Mörser 120 mmMillimeter an verschiedenen Stellungen durchführen, die die Gebirgspioniere gebaut haben.

Vierbeinige Kameraden

Soldaten stehen mit einem Maultier vor dem Tragtiersteg.

Dem Inspekteur des Heeres (2.v.l.) wird der Aufbau eines Tragtierstegs erläutert. Damit werden kleine Bäche oder Schluchten überwunden, die die Tiere queren müssen.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Vorhaben im Gebirge benötigen vor allem logistische und baufachliche Expertise. Die Versorgung mit Wasser, Nahrung und Munition kann aufgrund der fehlenden Straßen nicht mit Fahrzeugen erfolgen. Hier kommt das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 mit seinen Haflingern und Maultieren im wahrsten Sinne des Wortes zum Tragen. Ihre Fähigkeiten, die Kampfkompanien mit den nötigen Materialien zu versorgen, präsentieren die Soldaten mit der Beladung eines Maultieres mit der Granatmaschinenwaffe. Aber besonders im Einsatzraum des Gebirgsjägers gibt es Geländeeinschnitte, wie Bäche oder kleine Schluchten, die durch die Tragtiere nicht einfach zu überwinden sind. Daher müssen die Gebirgspioniere einen Tragtiersteg bauen. Von einem solchen Tragtiersteg kann sich der Inspekteur selbst überzeugen, indem er das Muli Gundi darüberführt. „Wichtig beim Bau eines Tragtiersteges ist, dass die Tiere nicht ins Leere sehen. Der Boden und die Seiten müssen mit Planen abgehangen werden, sonst parken die Tiere, also gehen nicht weiter“, erklärt Oberfeldveterinär Heike Henseler.

Besonderes Material für besondere Aufgaben

Eine Soldatin steht vor zwei Schautafeln mit verschiedenen Ausrüstungsgegenständen.

Hauptfeldwebel Beatrice Soyter (r.) stellt Generalleutnant Alfons Mais einen Teil der Sonderausstattung der Gebirgstruppe vor.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Hauptfeldwebel Beatrice Soyter, die einzige aktive Heeresbergführerin, erklärt abschließend das Berggerät und die Ausrüstung der Gebirgsjäger. Neben dem Arktik-Satz, einer Sonderbekleidung für extreme Klimazonen, werden Mais unter anderem die Skier, die Bergrettungs- sowie Kletterausrüstung gezeigt. Bataillonskommandeur Jahn sagt: „Die Ausstattung ist zwar qualitativ gut, aber in der Quantität nicht ausreichend“. Abschließend zeigte sich Mais zufrieden mit dem Erlebten und resümierte, man merke der Gebirgstruppe den Stolz darauf an, was sie tut. „Zu Recht verfügt sie über ein großes Selbstvertrauen. Ich konnte von Ihren Fähigkeiten einen tollen Eindruck gewinnen.“

von Sarah Hofmann

Presslufthammer und Tragtiersteg

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