Heer
Berufung nicht nur Beruf

45 Jahre Truppenfriseur am Lagerberg

45 Jahre Truppenfriseur am Lagerberg

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Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
2 MIN

13 Generale, 45 Jahre Lagerberg und eine Mission: Soldatinnen und Soldaten eine ordentliche Frisur verpassen. Der Truppenfriseurladen der Saaleck-Kaserne wird im Dezember nächsten Jahres schließen und sein Leiter Stefan Zufraß in den Ruhestand gehen. Damit endet eine Institution für Bundeswehr-Generationen.

Ein Mann in hellem Kittel steht hinter eine zweiten Mann, der vor ihm sitzt und einen dunkelblauen Umhang trägt.

Brigadegeneral Michael Matz, Kommandeur der Infanterieschule, und Stefan Zufraß schätzen einander sehr. In Zeiten vor Corona war der Friseurtermin noch etwas bequemer ohne Maske.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Fast jeder Angehörige des Standorts Hammelburg und die meisten der Trainingsteilnehmer kennen den markanten, unverwechselbaren Geruch und das Brennen des Rasierwassers des Truppenfriseurs in Hammelburg. Lange Schlangen bilden sich zu den gängigen Friseurzeiten, wenn die Arbeit es zulässt. Seit 1960 gibt es den Truppenfriseur am Lagerberg. Damals hatten sogar beide Kasernen des Lagerbergs, die Infanterieschule und die Saaleck-Kaserne, einen eigenen Friseur, heute ist es nur noch einer. Albert Tolz war damals der Betreiber und Georg Schuberth, der auch heute noch hier angestellt ist, arbeitete kurze Zeit später bereits dort.

Der Abschied fällt schwer

Auf einer Zeichnung schneidet ein Friseur einem General an den Schulterstücken die Fransen gerade.

Diese Karikatur erhielt der Truppenfriseur 1984 als Geschenk. Ihr Zeichner ist unbekannt. Sie zeigt jedoch die bereits lange bestehende Verbundenheit zwischen dem Truppenfriseur und der Führung der Infanterieschule.

Bundeswehr/privat

1976 kurz nach seiner Meisterprüfung stieß Stefan Zufraß, der heutige Chef des Friseursalons, hinzu. „Eigentlich hatte ich andere Pläne, ich wollte in die Schweiz oder auf ein Schiff. Aber wie es der Zufall wollte, schickte mich das Arbeitsamt auf den Lagerberg.“ Der ehemalige Betreiber wollte damals aufhören und Zufraß sollte übernehmen, die Übergangsphase zog sich jedoch etwas länger, nämlich ganze 10 Jahre. Wie der damalige Betreiber tut sich auch Stefan Zufraß schwer, loszulassen. Für ihn war es kein Beruf, sondern eine Berufung.

„Anfangs war es kompliziert für mich, da ich selbst ausgemustert wurde und keinen Zugang zu den Soldaten hatte. Heute ist das anders, denn wir gehören hier einfach dazu und es fällt mir wirklich schwer, über die Schließung nachzudenken“, erklärt er wehmütig. General Eckhart Afheldt war der erste General, dem er die Haare geschnitten habe, vor über 45 Jahren. „Er und alle zwölf Nachfolger saßen schon bei mir auf dem Stuhl“, sagt Zufraß stolz, als er sich das Haupt des heutigen Generals der Infanterie und Kommandeurs der Infanterieschule, Brigadegeneral Michael Matz, vornimmt.

Frisch frisiert für die Ministerin

Ein Mann in hellem Kittel hält einen Meisterbrief in die Kamera, neben ihm sitzt ein Soldat vor einem Spiegel.

Ein frischer Haarschnitt für den General und ein stolzer Friseurmeister

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Viele Geschichten hat er miterlebt: „Ich war Beichtvater, Seelenklempner und Gesprächspartner. Aber nicht nur für die Soldaten war ich eine Konstante. Die Arbeit hier hat mir auch immer geholfen, mich wieder aufzurappeln.“ Keine Minute habe er die damalige Entscheidung bereut, den Salon zu übernehmen.

Auch dem General fällt es schwer loszulassen, er habe aber einen Plan: „Ich habe gehört, hier in Hammelburg gibt es einen Privatshop, dort soll man sich genau wie hier die Haare schneiden lassen können“, verrät er mit einem Augenzwinkern. Nach der „Spiegelkontrolle“ zeigt sich Matz begeistert: „So kann ich heute vor die Ministerin treten. Wunderbar wie immer, Herr Zufraß.“

Manchmal etwas ruppig, aber immer herzlich und für die Soldaten da, so erlebten sie den Friseursalon am Lagerberg. Die Soldaten werden das Friseurteam vermissen. Macht's gut und auf Euch: „Ein dreifach kräftiges Horrido – Joho!“

von Thomas Heinl

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