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Afghanistan 2010: Einsatz in „kriegsähnlichen Zuständen“

Afghanistan 2010: Einsatz in „kriegsähnlichen Zuständen“

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Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
1 MIN

Die QRF 5 war eine Schnelle Eingreiftruppe in Afghanistan. Ihr Kommandeur General Sembritzki blickt auf die Zeit vor zehn Jahren zurück.

QRF Aufklärung Takhar

Trügerische Stille. 2010 muss jeder Zeit mit einem Angriff der Taliban gerechnet werden.

Bundeswehr

2010 ist das Jahr mit den meisten Gefechten und Gefallenen der Bundeswehr. Die Lagemeldungen aus dem Einsatzführungskommando lesen sich so:

  • „Mörserangriff mit anschließendem Feuergefecht auf deutsche und weitere ISAFInternational Security Assistance Force-Kräfte im Raum Pul-i-Kumri“.
  • „Selbstmordanschlag auf ISAFInternational Security Assistance Force-Patrouille nördlich Pul-i-Kumri, mindestens sieben deutsche Verwundete“.

Wer die Bundeswehr heute verstehen will, muss auf das Jahr 2010 blicken. Im Mittelpunkt waren keine Panzerdivisionen und Artilleriebatterien in der norddeutschen Tiefebene, sondern Infanteristen in Patrouillenfahrzeugen am Hindukusch. Mittendrin ein Gefechtsverband, die QRF 5.

Die QRF 5, Quick Reaction Force, war das fünfte Kontingent der Schnellen Eingreiftruppe in Kundus im Norden von Afghanistan. Sie wurde dafür aufgestellt, um in einer Stabilisierungsmission als Feuerwehr vor Ort zu sein, wenn es knallt.

Die QRF 5 war der letzte Verband seiner Art. Im laufenden Jahr 2010 wurde erst in Kundus und später in Masar-i Scharif ein Ausbildungs- und Schutzbataillon aufgestellt.

Die Soldaten der QRF 5 kamen überwiegend aus dem Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall. Ihr Kommandeur war Oberstleutnant Jared Sembritzki. Er ist heute General und Chef des Stabes der U.S. Army Europe. Im Interview mit der Pressestelle des Deutschen Heeres erzählt er von seinen Erlebnissen vor zehn Jahren. Sechs Monate erlebte er fast täglich am eigenen Leib, was als „kriegsähnliche Zustände“ beschrieben wurde.

von Joachim Samse und Matthias Lehna

Kommandeur der Schnellen Eingreiftruppe 2010

Brigadegeneral Jared Sembritzki war Kommandeur der Quick Reaction Force 5 am Hindukusch. Im Interview zieht der Bundeswehrsoldat Bilanz.

Die Quick Reaktion Force Nummer 5 (QRF5) war 2010 die erste, die in der Größe eines Bataillons aufgestellt wurde. Vorher war die QRF wesentlich kleiner.

Der Einsatz des QRF-Verbandes konnte in einem breiten Einsatzspektrum erforderlich werden: von Aufklärungseinsätzen, Patrouillen oder Schutz von Konvois über Kontrolle gewaltbereiter Menschenmengen oder Evakuierungsmaßnahmen bis zur Bekämpfung militanter Kräfte. Der Verband bestand daher nicht nur aus Kampftruppen mit geschützten Radfahrzeugen und Schützenpanzern, auch Spezialisten gehörten zum Verband, um Kampfmittel wie Landminen oder Sprengfallen zu entschärfen, Hubschrauber einzuweisen oder die Einsätze von Kampfflugzeugen leiten zu können. Außerdem leistete der Verband Ausbildungsunterstützung und Unterstützung für die Afghan National Security Forces (ANSF). Mit ihr hatte der Regionalkommandeur im nördlichen Bereich der ISAFInternational Security Assistance Force (Regional Command North) die Möglichkeit, auf Lageentwicklungen zu reagieren und erstmalig auch eigene Operationen durchzuführen.

Insgesamt hatte die QRF 5 eine Stärke von etwa 600 Soldaten. Im Kern bestand sie aus drei Gebirgsjägerkompanien. In diesen Kompanien integriert waren unter anderem ein Mörserzug, also eine Steilfeuerkomponente, fünf Gebirgsjägerzüge, ein Panzergrenadierzug mit dem Schützenpanzer Marder, Elektronische Kampfführung (Eloka) und ein verstärkter Pionierzug sowie eine Aufklärungskompanie mit der Drohne LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung. Auch Sanitäter gehörten dazu.