Heer
Spezialgrundausbildung

Aus der Truppe - Für die Truppe

Aus der Truppe - Für die Truppe

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bad Salzungen
Lesedauer:
3 MIN

„Ich will Dienst für mein Land leisten“, sagt Gefreiter Mario Fleischmann. Er ist Reserveoffizieranwärter und durchläuft die neu konzipierte Offizierausbildung gemeinsam mit den normalen Offizieranwärtern und - anwärterinnen nah an der Truppe. Die Bindung an die eigene Truppengattung wird gestärkt und der Truppengattungsstolz gefördert. Im Panzergrenadierbataillon 391 in Bad Salzungen werden die dafür notwendigen Ausbildungsinhalte und soldatischen Tugenden vermittelt.

Ein Offizieranwärter führt den Feuerkampf aus einer Stellung. Ein weiterer liegt neben ihm.

Offizieranwärter im abgesessenen Kampf aus einer Stellung beim Abschluss der Spezialgrundausbildung auf dem Truppenübungsplatz Bergen

Bundeswehr/Panzergrenadierbataillon 391

Absicht der Spezialgrundausbildung der Offizieranwärter in der 4. Kompanie der „Salzunger Grenadiere“ ist es, den jungen Soldatinnen und Soldaten Bilder mitzugeben, die sie für den Rest ihres soldatischen Lebens begleiten und ihnen bewusstmachen, worauf es als militärischer Führer ihrer Truppengattung ankommt. Das Zusammenspiel zwischen auf- und abgesessener Kampfweise, also innerhalb oder außerhalb des Schützenpanzers, und die körperlich wie geistig harten Anforderungen an einen Führer der gepanzerten Kampftruppen sind dabei Schwerpunkte der Ausbildung. Die Offizieranwärter werden authentisch geprägt und an ihre Truppengattung gebunden. Aus der Truppe, für die Truppe, ist der Grundgedanke. Durch die Ausbildung wird den jungen Kameradinnen und Kameraden das nötige Rüstzeug gegeben, um den Berufsethos, als künftige Offiziere zu verinnerlichen.

Vom zivilen Studium zur Bundeswehr

Ein Soldat mit grünem Barett steht im Feldanzug vor einer hellen Häuserwand und schaut in die Kamera.

Gefreiter (ROA) Mario Fleischmann nimmt an der Spezialgrundausbildung für Offizieranwärter teil. Im Panzergrenadierbataillon 391 erfährt er, wie ein Grenadier kämpfen muss.

Bundeswehr/Panzergrenadierbataillon 391

Gefreiter Mario Fleischmann absolviert dieses neue Ausbildungskonzept und steht gerade in seiner Spezialgrundausbildung. Sie schließt sich unmittelbar an die Grundausbildung an und vermittelt spezifischen Wissen und Fähigkeiten je nach Truppengattung und Verwendung. Der 25-Jährige stammt aus Neumarkt in der Oberpfalz. Seit dem 1. Juni 2021 ist er bei der Bundeswehr und absolvierte seine Grundausbildung am Standort Frankenberg in Sachsen. „Ich habe zuvor International Business Administration in den Niederlanden studiert“, erklärt der junge Offizieranwärter. „Noch vor dem Masterstudium wollte ich persönliche Herausforderungen erleben und Führungsverantwortung tragen, die man selbst nach dem Masterabschluss nicht gleich innehat. Auch Idealismus hat mich bewegt – ich will Dienst für mein Land leisten“, beschreibt er seinen innerlichen Antrieb. Nun wird er als Soldat auf Zeit (SaZSoldatinnen und Soldaten auf Zeit) zum Offizier der Reserve ausgebildet.

„Erleben, was es heißt, Panzergrenadier zu sein“

Bewaffnete Soldaten liegen und hocken im Gelände hinter einem provisorischen kleinen Haus mit rotem Dach.

Während der Spezialgrundausbildung kämpfen die jungen Offizieranwärter gemeinsam mit anderen Soldaten

Bundeswehr/Panzergrenadierbataillon 391

„Die Schlagzahl war von Beginn an sehr hoch“, gibt Fleischmann zu. „Man lernt das Grenadiergeschäft von der Pike auf, an jeder Handwaffe seiner Truppengattung.“ Durch die praktischen Anteile und mithilfe der erfahrenen Ausbilder und Mannschaftssoldaten gelinge die Umstellung schnell und man erhalte authentische Bilder direkt aus der Truppe. Nach seinem schönsten Erlebnis gefragt, erzählt er stolz: „Der Abschluss der Spezialgrundausbildung auf dem Truppenübungsplatz Bergen war etwas Besonderes. Wir haben Handgranaten geworfen und Panzerfaust geschossen.“ Im Gespräch mit älteren Kameraden, die noch die Ausbildung in den Offizieranwärter-Bataillonen durchlaufen haben, würde auffallen, so Fleischmann, dass die Bindung an die Truppengattung jetzt besser gelingt. „Es war körperlich fordernd, doch mit der gelebten Kameradschaft geht man gemeinsam durch den Dreck und besteht die Herausforderung. Ganz nach dem Schlachtruf der Panzergrenadiere: Dran, Drauf, Drüber!“

Kameradschaft und klare Aufträge

Ein Schütze gibt einen scharfen Schuss mit der Panzerfaust ab, das Geschoss fliegt. Ein Rückstrahl mit Rauch entsteht.

Das Panzerfaustschießen mit Gefechtsmunition – ein unvergessliches Erlebnis

Bundeswehr/Panzergrenadierbataillon 391

Der Reserveoffizieranwärter blickt zurück: „Ich habe erlebt, wie man sich kameradschaftlich hilft und in eine vorhandene militärische Gemeinschaft integriert, wie man von erfahrenen Kameraden lernt und klar formulierte Aufträge erfüllt.“ Hauptmann Martin Holz ist der Bravo-Zugführer und Durchführender der Ausbildung in der 4. Kompanie. Auch er resümiert: „Die Soldaten kamen nach ihrer Grundausbildung zu uns und das Panzergrenadiergeschäft war ihnen völlig neu.“ Hoch motiviert und wissbegierig seien die Offizieranwärter gewesen, so Holz. „Ich halte die neue Ausbildung in der Truppe für absolut zweckmäßig. Die Kameraden erleben deutlich mehr und realistischere Bilder ihrer Truppengattung als vorher.“

Gefechtsbilder, die prägen

Zwei Panzer in Stellung bekämpfen Ziele im scharfen Schuss, im Hintergrund Explosion und Flammen

Der Schützenpanzer Marder im scharfen Schuss und beim Einsatz von Nebel auf dem Übungsgelände

Bundeswehr/Panzergrenadierbataillon 391

Das Schießen mit dem Maschinengewehr, der Granatpistole oder auch der Panzerfaust sowie das Schießen im engen Schulterschluss mit dem „feuerspeienden Drachen“ der Grenadiere, dem Schützenpanzer, schafft dabei wichtige Eindrücke. Diese Gefechtsbilder prägen die jungen Soldatinnen und Soldaten auf die Truppengattung für die weitere militärische Laufbahn. Der Kompaniechef der 4. Kompanie, Hauptmann Alexander Mühne, fasst zusammen: „Wir haben hier eine insgesamt sehr erfolgreiche, erlebnisorientierte Ausbildung unter schwierigen Bedingungen und ohne Fälle von Corona-Infektionen auf die Beine gestellt. Dies ist auch der Disziplin und Achtsamkeit der Offizieranwärter bei der Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu verdanken. Das neue Ausbildungskonzept funktioniert.“

von Erik Schweizer

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