Heer

„Bei den Spähaufklärern gleicht kein Tag dem anderen“

„Bei den Spähaufklärern gleicht kein Tag dem anderen“

  • Aufklärung
  • Heer
Datum:
Ort:
Lüneburg
Lesedauer:
6 MIN

Oberfeldwebel Jan Ostendorf ist als Spähfeldwebel in der 2. Kompanie des Aufklärungslehrbataillons 3 „Lüneburg“ eingesetzt. Als Ausbilder in der Dienstpostenausbildung trägt er eine besondere Verantwortung: Gemeinsam mit seinen Kameraden des sechsten Zuges bildet er den Soldatennachwuchs des Bataillons auf dem Spähwagen Fennek aus.

Zwei Soldaten hocken im Wald nebeneinander, einer weist mit dem Arm nach vorn.

Spähzugführer Oberleutnant Arne Hüners (l.) weist Oberfeldwebel Jan Ostendorf (r.) in den Spähauftrag ein.

Bundeswehr/Timo Radke

Wir haben mit Ostendorf über seinen Werdegang im Heer, das besondere Aufgabenspektrum des Spähfeldwebels und seine beruflichen Ziele gesprochen.

Jan, warum hast Du Dich bereits in jungen Jahren dafür entschieden, eine Laufbahn als Spähfeldwebel in der Heeresaufklärungstruppe einzuschlagen?

Meine Kindheit war durch meinen Vater, der ein großer Befürworter der Bundeswehr ist, geprägt. Mir war als Schüler schon bewusst, dass ich Soldat werden möchte. Durch die bildhaften Erzählungen, Beschreibungen sowie die Artikel und Fachbücher, die ich später gelesen habe, bin ich auf den Bereich Heeresaufklärung gestoßen. Das interessante und herausfordernde Tätigkeitsspektrum des Aufklärers hat mich in meinem Ziel, Soldat und Spähfeldwebel zu werden, nochmals deutlich bestärkt. 

Mein Wunsch war es zwar, seit meiner Kindheit Soldat zu werden, ich hatte aber nie dieses „Rambo-Denken“. Ich wollte schon immer etwas machen, was ausgefallen, schwierig und alleinstellend ist. Meine künftige Tätigkeit sollte meinen persönlichen Einstellungen und Anforderungen entsprechen. Also fing ich sehr früh an, auch während meiner zivilen Ausbildung, mich körperlich und geistig auf meinen Traumberuf vorzubereiten.

Wie verlief Dein persönlicher und dienstlicher Werdegang hin zum Spähfeldwebel?

Ein Soldat salutiert aus der Luke eines Spähwagens Fennek.

Oberfeldwebel Jan Ostendorf hat 2017 die Ausbildung zum Spähfeldwebel mit Bestnote abgeschlossen. Er ist somit befähigt, einen Spähwagen Fennek als Kommandant zu führen.

Bundeswehr/Timo Radke

Mir taten die davorliegenden Jahre der zivilen Ausbildung gut. Hier konnte ich noch ein Stück mehr in meiner Persönlichkeit reifen und somit fiel mir der Einstieg ins militärische Gefüge nicht so schwer. Sowohl auf den Lehrgängen an den Truppenschulen als auch während der Aufenthalte in meinem Bataillon eignete ich mir Fachwissen an und sammelte Erfahrungen in Ausbildungen und Übungen. Vieles habe ich mir dabei von meinen militärischen Vorbildern abschauen können. Aufklärer sein bedeutet immer auch, den Blick ins Ungewisse wagen. Dabei passieren zwangsläufig auch Fehler. Ich habe durch das viele Ausprobieren oft Fehler gemacht, die mir dann von meinen Vorgesetzten, aber auch von erfahrenen Untergebenen, aufgezeigt wurden. Dadurch konnte ich sehr viel lernen und besser werden. Um gut in seinem Job zu werden, muss man hinfallen, aufstehen, sich den Dreck abklopfen und weitermachen. Nur wer Fehler macht, kennt am Ende seine Möglichkeiten und kann Lösungen präsentieren.

Von Beginn an hatte ich das Glück, bei erfahrenen Spähtruppführern zu lernen. Der Ton war immer sehr direkt, aber ich wusste, dass meine Vorgesetzten nur das Beste für mich wollten. Manchmal tat die Kritik weh, aber im Endeffekt bin ich froh über die harte Erziehung. Ich verstand schnell, worauf es ankommt, um ein guter militärischer Führer zu werden. Am Ende meiner Ausbildung zum Feldwebel habe ich gemerkt, dass es gut war, sich im Vorfeld über den Beruf der Aufklärer zu erkundigen. Allerdings habe ich während meiner dreijährigen Ausbildung schnell festgestellt, dass all die Vorbereitungen bei Weitem nicht das Spektrum abgedeckten, was mich damals erwartete und auch weiterhin erwarten wird. 

Was macht Deinen aktuellen Auftrag als Ausbilder auf dem Spähwagen Fennek so besonders?

Zwei Soldaten stehen hinter einem Maschinengewehr, das auf einem Spähwagen Fennek montiert ist.

Oberfeldwebel Jan Ostendorf (r.) gibt sein Wissen als Ausbilder an die Trainingsteilnehmer der Dienstpostenausbildung weiter.

Bundeswehr/Timo Radke

Ich persönlich finde es spannend, dass ich die Soldatinnen und Soldaten nach den Maßstäben des Zugführers, aber auch nach meinen Vorstellungen, ausbilden darf. Tagtäglich bin ich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Angefangen bei dem Einmaleins des Soldaten: Ich muss morgens pünktlich sein, rasiert und gepflegt auftreten und dies auch durchsetzen. Ich bin meinen unterstellten Soldaten ein Vorbild. Gleichzeitig gebe ich mein Wissen in Form von Ausbildungen weiter und kümmere mich natürlich auch um die Sorgen und Nöte meiner Kameraden.

Die Vielfalt, die der Beruf des Spähfeldwebels mit sich bringt, füllt ein ganzes Buch. Dank der technischen Unterstützung sind wir nicht zwangsläufig darauf angewiesen, mit Sack und Pack in den Auftrag zu marschieren. Dabei spreche ich besonders den Spähwagen Fennek und die Aufklärungssensoren an, dank denen wir individuell auf jede Art von Auftrag reagieren können. Wir sind nicht nur schnell im Spähtrupp unterwegs, sondern können unsere Sensoren auch so einsetzen, dass wir gleichzeitig aus dem erkundeten und bezogenen Versteck heraus ein Gebiet beobachten können. Zusätzlich sind die Aufklärer befähigt, eine Straße auf Fahrzeug- und Personenbewegungen mit der Boden-Sensor-Ausstattung zu überwachen. Aus der Luft können wir mit der Aufklärungsdrohne ALADIN das Aufklärungsgebiet überfliegen. Zusammengefasst: Unser Tätigkeitsspektrum ist unglaublich vielschichtig – kein Auftrag ist wie der vorherige.

Welche körperlichen Voraussetzungen muss ein Spähfeldwebel mitbringen?

Ein Soldat macht Sport mit einem TRX-Band.

Um auch unter körperlicher Höchstbelastung seinen Auftrag jederzeit erfüllen zu können, absolviert Oberfeldwebel Jan Ostendorf wöchentlich ein umfassendes Sportprogramm.

Bundeswehr/Timo Radke

Neben der ganzen Technik, die uns das Arbeiten sehr erleichtert, stellt man doch immer wieder fest, dass auch diese Möglichkeiten ihre Grenzen haben und man auf das Können eines „Wald- und Wiesensoldaten“ angewiesen ist. Denn öfter als gedacht, ist der abgesessene Part, also die Erkundung zu Fuß, in der Aufklärung gefragt. Hier muss man zwangsläufig an seine körperlichen und geistigen Grenzen gehen. Solch ein Unterfangen steigert das Stresslevel im ganzen Spähtrupp ungemein. Man verlässt seine Komfortzone und den Schutz des Aufklärungsfahrzeuges. In der Regel verlässt der Spähtrupp sein Versteck nicht, außer er wird aufgeklärt, rausgelöst oder der Auftrag ist beendet. Gerade hierbei kommt es auf die hohe Professionalität und Wachsamkeit aller Kameraden an. Die abgesessenen Soldaten müssen dann ohne den Schutz des gepanzerten Fahrzeuges ihren Auftrag erfüllen, während die in Stellung gebliebenen Aufklärer die Verbindung zur übergeordneten Führung halten.

Damit ich in stressigen Situationen funktioniere und vom Kopf her freier bin, halte ich mich durch regelmäßigen Ausdauer- und Kraftsport fit. Durch den Sport und eine ausgewogene Ernährung bin ich definitiv robuster dem Wetter gegenüber geworden. Man darf nicht vergessen, dass wir im Ernstfall mehrere Tage unter freiem Himmel arbeiten. Das Wetter können wir nicht beherrschen, uns selbst aber schon.

Welchen geistigen Herausforderungen muss sich ein Spähfeldwebel stellen?

Ein Spähwagen Fennek wirft in einem bewaldeten Gebiet Nebel.

Üben für den Ernstfall: Oberfeldwebel Jan Ostendorf und seine Besatzung sind auf überlegenen Feind gestoßen und müssen unter Einsatz von Nebel ausweichen.

Bundeswehr/Andy Meier

Der Auftrag bringt ganz klar Gefahren mit sich, die wir nicht verharmlosen dürfen. Umso wichtiger ist es, dass jeder Soldat in einem Spähzug versucht, immer besser zu werden, das betrifft die körperliche Fitness, aber auch das technische Verständnis für die Geräte und Waffen. Er muss bestimmte Abläufe verinnerlichen. Unter Belastung müssen die Aufklärer ihre Fähigkeiten jederzeit drillmäßig abrufen können. Als Feldwebel muss ich definitiv bereit sein, über den Tellerrand zu schauen und mir Wissen aus anderen Bereichen anzueignen, denn oft hilft es nicht, nach dem Lehrbuch zu arbeiten. Abstrakte, aber auch teilweise zunächst konfuse Ideen und Ansätze, können zu guten Möglichkeiten des eigenen Handelns führen. Schlussendlich gibt der Erfolg uns recht und ein bisschen Einfallsreichtum hat noch niemandem geschadet. Wer denkt, dass in der bodengebundenen Spähaufklärung ein Tag dem anderen gleicht, irrt. Aber auch wenn der Beruf eines Spähfeldwebels körperlich und geistig sehr fordernd ist, macht er mir immer noch genauso viel Spaß, wie am ersten Tag. Und selbst wenn man manchmal an seine Grenzen stößt und nicht weiterweiß, gibt es immer noch Kameraden rechts und links neben einem. Sie arbeiten genauso tatkräftig an dem Ziel der Auftragserfüllung, stehen immer mit Rat und Tat zur Seite und stärken einem den Rücken, wenn man sich selbst zu hart in die Kritik nimmt.

Was sind Deine weiteren beruflichen Ziele?

Ein Soldat springt über ein Holzhindernis auf der Hindernisbahn.

Oberfeldwebel Jan Ostendorf will hoch hinaus und arbeitet darauf hin, einmal seinen eigenen Spähzug zu führen.

Bundeswehr/Timo Radke

An oberster Stelle steht natürlich die Erweiterung meines Wissens- und Erfahrungsschatzes. Nur wenn ich viel weiß und kann, bin ich eine Hilfe für meine Kameraden. Ich wünsche mir für die Zukunft, die Chance zu bekommen, einen Spähzug zu führen. Diesen würde ich nach meinen Werten und Normen formen, mein Wissen weitergeben und jüngere Kameraden erziehen und ausbilden. Der Beruf des Spähfeldwebels macht mir großen Spaß und ich hoffe ihn noch möglichst lange ausüben zu können.


von Timo Radke

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