Heer

Lüneburger Soldaten werden für die Zukunft gewappnet

Lüneburger Soldaten werden für die Zukunft gewappnet

  • Betreuung und Fürsorge
  • Heer
Datum:
Ort:
Lüneburg
Lesedauer:
2 MIN

Für jeden Zeitsoldaten endet irgendwann die Laufbahn bei der Bundeswehr. Zwar begleitet der Berufsförderungsdienst jede Soldatin und jeden Soldaten auf dem Weg ins zivile Berufsleben, doch noch besser ist es, wenn sich auch das eigene Bataillon kümmert – so wie Oberstabsfeldwebel Burkhard Cohrs vom Aufklärungslehrbataillon 3 „Lüneburg“.

Eine Flecktarn-Uniform auf einem Bügel hängt neben einem zivilen schwarz-weißem Oberteil.

Mit Ende der Dienstzeit warten neue berufliche Herausforderungen. Die Uniform wird dann durch zivile Kleidung ersetzt.

Bundeswehr/Timo Radke

Von vier bis zu 25 Jahren kann man sich für die Laufbahngruppe der Mannschaften als Zeitsoldat bei der Bundeswehr verpflichten. Der Großteil der Zeitsoldaten kehrt nach Dienstzeitende (DZE) in das zivile Berufsleben zurück und steht dann vor einem beruflichen Neuanfang. Um die Weichen für eine sichere Zukunft nach Ablauf der Dienstzeit zu stellen, begleitet der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFDBerufsförderungsdienst der Bundeswehr) die Soldaten vom Beginn ihrer militärischen Dienstzeit bis zur Eingliederung in den zivilen Arbeitsmarkt. Darüber hinaus sind auch die militärischen Vorgesetzten in der Pflicht, ihre unterstellten Soldaten für den zivilen Arbeitsmarkt zu wappnen und mögliche spätere Betätigungsfelder aufzuzeigen.



Win-win-Situation für alle Seiten

Ein Soldat steht vor einer gelben Fahne und lächelt in die Kamera.

Oberstabsfeldwebel Burkhard Cohrs möchte seinen Soldaten beim späteren Einstieg in das zivile Berufsleben bestmögliche Hilfestellungen geben.

Bundeswehr/Timo Radke

„Die Fürsorgepflicht gegenüber meinen Soldatinnen und Soldaten hört für mich nicht am Kasernenzaun oder nach Ablauf ihrer Dienstzeit auf“, erklärt Oberstabsfeldwebel Burkhard Cohrs, der als Kompaniefeldwebel der 3. Kompanie des Aufklärungslehrbataillons 3 „Lüneburg“ 60 Mannschaftsoldaten unter seinen Fittichen hat. Für seine Frauen und Männer bietet er einmal pro Halbjahr einen sogenannten Mannschafter-Tag an, bei denen die Soldaten mögliche spätere Berufsfelder kennenlernen können. Gleichzeitig besteht dabei für die Soldaten eine gute Möglichkeit, erste Kontakte mit potenziellen Arbeitgebern aus der Region zu knüpfen. Zuspruch und Unterstützung erhält der 46-jährige Kompaniefeldwebel, im Militärjargon kurz Spieß genannt, dabei auch von seinem Kompaniechef: „Die Idee ist einfach klasse und eine absolute Win-win-Situation. Sowohl für unsere Soldatinnen und Soldaten als auch für die beteiligten Unternehmen, die so die Möglichkeit haben, sich als potenzieller Arbeitgeber für die Zeit nach der Bundeswehr zu präsentieren“, fasst Kompaniechef Christian Ehret die Vorteile des aktiven Austausches zusammen.

Besichtigung einer Werft

Blick von oben auf den Werfthafen, in dem Schiffe anliegen und Kräne stehen.

Die Soldaten informieren sich auf der Hitzler Werft über mögliche zivile Berufe. Die Firma in Lauenburg gibt es seit 1885. Sie baut und repariert unter anderem Schlepper, Patrouillen-Boote und Frachtschiffe.

Bundeswehr/Kyle Mikolajczak

So war der Spieß gemeinsam mit seinen Mannschaftsoldaten im vergangenen Monat auf Stippvisite bei der Hitzler Werft in Lauenburg (Elbe), 20 Kilometer von Lüneburg entfernt. Das Unternehmen wurde bereits 1885 gegründet und erlangte durch die Entwicklung des Hitzler-Patentruders überregionale Bekanntheit. In der Hitzler Werft werden bis heute Binnenschiffe gebaut und repariert. Bei der Besichtigung des Unternehmens erhielten die Lüneburger Soldaten einen umfassenden Einblick in die Arbeitsprozesse. Gleichzeitig wurden ihnen mögliche spätere Berufsfelder in einer Werft aufgezeigt. Quintessenz: Vom Schlosser über Schweißer bis hin zum Schiffbauingenieur ist alles möglich.

Für das Frühjahr 2020 plant Cohrs bereits den nächsten Mannschafter-Tag. Dann werden er und seine Soldaten unter anderem dem Onlineversand-Riesen Amazon in Winsen an der Luhe und der „von Stern'schen Druckerei“ mit Sitz in Lüneburg einen Besuch abstatten.

von Timo Radke

Ein gutes Beispiel: Von der Zugschreiberin zur Bürokauffrau

Stabsgefreiter Jennifer Staffeld ist als Zugschreiberin sowie Fahrerin des Zugführers in einem Feldnachrichtenzug der 3. Kompanie des Aufklärungslehrbataillons 3 „Lüneburg“ eingesetzt. Der Zug ist im militärischen Bereich die Bezeichnung für eine Teileinheit von zwölf bis zu sechzig Soldaten. Wir haben mit ihr über ihren aktuellen Aufgabenbereich und ihre Pläne nach Ablauf der Dienstzeit bei der Bundeswehr gesprochen.

3 Fragen an Jennifer Staffeld

Lüneburg 3 (2)

Was sind Ihre Aufgaben als Zugschreiberin?

Als Zugschreiberin bin ich quasi die Büroleiterin des Zugführers und unterstütze bei jedweden administrativen Aufgaben. Dazu gehören die Erstellung von Materialanforderungen, Dienstliche Erklärungen oder Anforderungen von Ausbildungsstätten, Archivierung von Sportleistungen, Einhaltung von Fristen sowie die Arbeitszeiterfassung unserer Soldaten. Das Aufgabenspektrum ist sehr vielfältig und erfordert jederzeit höchste Sorgfalt sowie Konzentration. Würde mir etwas durch die Lappen gehen, hätte das unmittelbar negative Auswirkungen auf den Dienstbetrieb des gesamten Zuges. Insofern ist diese Aufgabe auch jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung und es macht mich auch ein wenig stolz, dass ich diesen verantwortungsvollen Posten übernehmen darf.

Lüneburg 3 (2)

Sie haben sich für acht Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet. Was wollen Sie danach machen?

Ich möchte gerne nach Abschluss meiner Dienstzeit eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolvieren. Mir liegen administrative Aufgaben sehr. Die Erfahrungen, die ich aktuell als Zugschreiber sammeln kann, werden mir auf jeden Fall helfen, um auch im zivilen Berufsleben schnell Verantwortung übernehmen zu können.

Lüneburg 3 (2)

Welchen Eindruck haben Sie von den Firmenbesuchen, die der Spieß organisiert?

Ich finde diesen Blick über den Tellerrand unglaublich wichtig und nehme das Angebot sehr gerne wahr. Es wäre aus meiner Sicht fatal, wenn man sich nicht bereits in der aktiven Dienstzeit darüber Gedanken macht, was vielleicht danach kommen kann. Die Unternehmensbesuche leisten ihren Beitrag dazu, dass man bereits jetzt erste Überlegungen anstellt, wo man vielleicht später seine zivilberufliche Zukunft finden könnte. Das Engagement unseres Kompaniefeldwebels zeigt, dass bei uns in der Kompanie keiner mit der komplizierten Fragestellung „Dienstzeitende – Was nun?“ alleine gelassen wird.

Lüneburg 3 (2)