Heer

Ein Soldatenleben für den guten Zweck

Ein Soldatenleben für den guten Zweck

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Datum:
Ort:
Münster
Lesedauer:
3 MIN

Er organisiert Benefizkonzerte, sammelt für die Kriegsgräberfürsorge und spendet seit 15 Jahren Blut. „Es ist einfach eine Herzenssache. Der Blick in die freudigen Gesichter ist immer wieder Antrieb weiterzumachen“, beschreibt Oberstabsfeldwebel Michael Kersting sein vielseitiges soziales Engagement. Der heute 60-Jährige diente lange als Soldat und ist jetzt Reservist beim I. Deutsch-Niederländischen Corps in Münster.

Ein Soldat liegt auf einer Liege, in seinem rechten Arm steck eine Kanüle, er spendet Blut und lächelt in die Kamera.

Egal, ob als aktiver Soldat oder danach als Reservist: Oberstabsfeldwebel Michael Kersting lebt Kameradschaft und Engagement. Er spendet regelmäßig Blut.

Bundewehr/Michael Kersting

Sein militärischer Lebenslauf beginnt im Januar 1982 mit der Grundausbildung im Fernmeldebataillon in Coesfeld. Für die Ausbildung vom Unteroffizier bis zum Feldwebel wechselt Kersting die Standorte Coesfeld und Münster mehrmals. Kurz vor seiner regulären Entlassung aus dem aktiven Dienst, im Jahr 2015, war er S3-Feldwebel im Stabsunterstützungsbataillon im Münster und damit zuständig für die Ausbildung und Einsatzplanung. Würdigungen wie Ehrenmedaille, Schützenschnüre, Leistungsabzeichen, 32 Sportabzeichen und Ehrenkreuze deuten darauf hin, dass dem Oberstabsfeldwebel vorbildliche Diensterfüllung schon immer wichtig war. Liest man weiter in seinem Lebenslauf, kommen Verdienstorden für soziale Tätigkeiten, Neujahrs- und Sommerfest mit dem Bundespräsidenten oder Bronze- und Silberorden des Regierungspräsidenten in Münster, für Verdienste um die Kriegsgräbersammlung dazu.

Herr Oberstabsfeldwebel, Ihre Vita spiegelt ein außerordentlich hohes Maß an Engagement, Fürsorge und Kameradschaft wider. Was treibt Sie an?

Zwei Ärzte in weißen Kitteln und ein Soldat mit Blumen und einer Urkunde in der Hand stehen vor einer Eingangstür.

Stets selbst vorn mit dabei: Das Universitätsklinikum Münster ehrt Oberstabsfeldwebel Michael Kersting (M.) für die Organisation von Blutspende-Aktionen mehr als 15 Jahren lang.

Bundewehr/Michael Kersting

Oberstabsfeldwebel Michael Kersting: Ich weiß nicht, es gab nicht den Startschuss. 1997 habe ich angefangen, mich um soziale Sachen zu kümmern und notleidenden Menschen zu helfen. Es ging weiter mit der alleinverantwortlichen Planung von drei Benefizkonzerten mit dem Luftwaffenmusikkorps III aus Münster. Auch ein Benefizfußballspiel mit Leverkusen gegen Duisburg war dabei. Mit dem Erlös und Spenden haben wir „Menschen in Not“ unterstützt.

Selbst im Auslandseinsatz waren Sie wohltätig aktiv.

Ja. Im ersten Halbjahr 2003 war ich Marketender-Feldwebel in Kabul in Afghanistan. Ich hatte damals in Coesfeld in Deutschland Spendenaufrufe an die Bevölkerung gestartet. Wir haben sehr eng mit den Feldjägern zusammengearbeitet. 15 große Kartons mit nützlichen Dingen, Anziehsachen oder auch Spielzeug kamen zusammen, die wir dann in Afghanistan an Kindergärten und Schulen verteilt haben.

Den Antrieb zur Hilfeleistung über Jahre aufrechtzuerhalten, verlangt Kraft. Gab es für besondere Schlüsselmomente?

Ja, das Engagement ist sehr kräftezehrend. Aber, wenn man sieht, wie viele Menschen leiden, vergisst man das ganz schnell wieder. 2004 bekam mein Neffe die Diagnose Hirntumor. Er lag im Uniklinik zu Münster und ist dort dann auch leider verstorben. Aber ich bekam einen Einblick in die Kinderkrebsstation der Klinik, das hat mein Leben so verändert und mich darin bestärkt, dass ich mehr machen muss. Wenn man dort Kinder sieht, die in ihren jungen Jahren schon mit dem Krebs kämpfen: Da konnte ich nicht anders, ich musste helfen. Das war für mich absolut unvergesslich.

Zivilisten und Soldaten stehen vor einem Eingang in einer Reihe und halten symbolische Schecks in den Händen.

6. Dezember, Nikolaustag: Michael Kersting (2.v.l.) und seine Kameraden übergeben Spendenschecks von je 1.100 Euro an die Vereine Herzkranke Kinder Münster, Kindertrauer-Sternenland und die Kinderschlaganfallhilfe.

Bundewehr/Michael Kersting

Wie steht Ihre Familie zu Ihrem Engagement?

Das ist leicht beantwortet: Ich bin seit 29 Jahren sehr glücklich verheiratet, habe einen 27-jährigen Sohn und eine 24 Jahre alte Tochter. Sie alle stehen voll und ganz hinter mir. Wir machen vieles gemeinsam, auch unseren Internetauftritt rund um unsere Aktionen gestalten wir im Team. www.michaelkersting46.de

In Ihrer Heimat gibt es verschiedene Spitznamen für Sie, etwa Mister Kriegsgräber oder Oberbürgermeister. Was hat es damit auf sich?

Zwei Zivilisten und drei Soldaten stehen vor einer großen Eingangstür und schauen freundlich.

Oberstabsfeldwebel Michael Kersting (l.) versteht es, Prominente für Aktionen zu gewinnen. Harry Wijnvoord (2.v.l.) („Der Preis ist heiß“) und Ex-Fußballer Olaf Thon (2.v.r.) helfen bei einer Registrierung von 120 Soldaten als Knochenmarkspender.

Bundewehr/Michael Kersting

Im Corps gab es Kriegsgräbersammlungen mit 500 Euro. Ich dachte mir, dass kann nicht alles sein. Ich habe mich dann echt reingehängt in die Organisation dieser Sammlungen. Von 2007 bis 2020 haben wir so über 100.000 Euro gesammelt. In unserem stärksten Jahr sind in vier Wochen 14.000 Euro zusammengekommen. Nicht nur in Münster, sondern im weiteren Umfeld vom Münsterland in zwölf verschiedenen Städten und Gemeinden waren wir unterwegs und pflegen auch heute noch viele Kontakte zu Gemeinden und Bürgermeistern.

Sie sind jetzt in ihrer 10. Reservistenübung und üben in der Regel sechs Monate. Auch aktuell vertreten Sie den Kompaniefeldwebel, eine Wunschverwendung von Ihnen. Was haben Sie für die Zukunft geplant?

Auch 2022 diene ich wieder sechs Monate als Kompaniefeldwebel der 1. Kompanie des Stabsunterstützungsbataillons. Blut spende ich regelmäßig, mehr als 110 Mal bereits. Erst kürzlich zum Nikolaus haben wir je 1.100 Euro an die Vereine Herzkranke Kinder Münster, Kindertrauer-Sternenland und die Kinderschlaganfallhilfe übergeben. Wir haben dafür Bundesligatrikots und Autogrammbälle versteigert. Am 15. Dezember werden wir nochmal 1.100 Euro an das Tierheim Coesfeld überweisen. In all den Jahren haben wir bereits über 70.000 Euro für notleidende Menschen und den guten Zweck gesammelt. Ja und ich kann einfach nicht aufhören.

von René Hinz
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