Heer

Ramadan in der Kaserne

Ramadan in der Kaserne

  • Religion
  • Heer
Datum:
Ort:
Augustdorf
Lesedauer:
3 MIN

Adnan Alici und Rachid Birikh stammen aus dem Dortmunder Norden. Als Kinder verbrachten sie viele gemeinsame Stunden auf dem Bolzplatz. Vor fünf Jahren trafen sie sich bei der Bundeswehr in Augustdorf wieder. Doch nicht nur ihre Kinder- und Jugendzeit und ihr gemeinsamer Dienst bei der Bundeswehr verbinden die beiden Zeitsoldaten. Als gläubige Muslime begehen sie seit dem 13. April den Fastenmonat Ramadan. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verzichten sie auf Speisen und Getränke.

Zwei Soldaten in Uniform stehen draußen neben einem Wappen auf der grünen Wiese.

Rachid Birikh (l.) und Adnan Alici sind Panzergrenadiere und Muslime in Augustdorf. Spiritualität und Alltag lassen sich für beide gut vereinbaren.

Bundeswehr/Jens Wander

„Auch das Rauchen ist während des Fastens tabu“, erzählt Adnan Alici, der nach dem Hauptschulabschluss als Freiwillig Wehrdienstleistender ins Panzergrenadierbataillon 212 kam. Die ersten Tage sei ihm das Fasten sehr schwergefallen, berichtet der Oberstabsgefreite. „Aber der Körper gewöhnt sich schnell an das Fasten.“ Der Tag von Rachid Birikh beginnt wie bei Alici während des Ramadans noch vor Sonnenaufgang. Um halb vier stehen beide auf. Nach einem Gebet wird gegessen und getrunken, ehe bis zum Sonnenuntergang Verzicht angesagt ist. „Natürlich gibt es auch Ausnahmen“, erzählt Oberstabsgefreiter Birikh, dessen Familie aus Marokko stammt. An langen Tagen im Gelände wird der 25-Jährige oft als Hilfsausbilder in der Grundausbildung eingesetzt. „An diesen Tagen faste ich nicht, um leistungsfähig und belastbar zu bleiben“, so Birikh. Adnan Alici wird heute ebenfalls lange wach bleiben müssen: Er wird bei der Lehrvorführung „Hören und Sehen bei Nacht“ bis nach Mitternacht auf dem Standortübungsplatz gebraucht.

Ausnahmen sind erlaubt

Ein Soldat in Uniform telefoniert in seinem Dienstzimmer.

Kulturelle Botschafter: Adnans und Rachids Kameraden beobachten interessiert, wie die beiden den Dienstalltag trotz vieler Entbehrungen meistern.

Bundeswehr/Jens Wander

„Wir holen die Tage, an denen wir nicht fasten konnten, einfach nach“, erzählt Alici, dessen Großvater vor über 40 Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei ins Ruhrgebiet kam und als Rangierer viele Jahre für die Deutsche Bahn arbeitete. Eine ähnliche Vergangenheit hat die Familie von Rachid Birikh. Der Großvater kam aus Marokko nach Deutschland und verdiente als Bergmann auf den Steinkohlezechen sein Geld. Der Koran als heilige Schrift des Islams sieht Ausnahmen bei Belastung und schwerer Arbeit ausdrücklich vor. So sind auch Schwangere und Kinder oder erkrankte Gläubige von der Fastenpflicht ausgenommen.

Heimat und Glaube

Ein Soldat in Uniform kniet auf einer Wiese vor einem Gebäude.

An langen Tagen im Gelände wird der 25-jährige Oberstabsgefreite Rachid Birikh oft als Hilfsausbilder in der Grundausbildung eingesetzt.

Bundeswehr/Jens Wander

„Meine Heimat ist Dortmund“, stellt Alici klar. In die Türkei reist er als Tourist. „Der gemeinsame Glaube und nicht die Herkunft verbindet die Familie heute“, so der Zeitsoldat, der nach der Bundeswehr eine Laufbahn im öffentlichen Dienst anstrebt. Die Kameradinnen und Kameraden in der Kompanie zeigen sich am Ramadan und den Entbehrungen, die Alici und Birikh auf sich nehmen, sehr interessiert. „Viele fragen uns, wie wir das aushalten“, berichten beide mit einem Lächeln. Der Ramadan bringe sie wieder näher an ihren Glauben, davon sind beide Soldaten überzeugt. Mitte Mai begehen Muslime in aller Welt zum Abschluss des Fastenmonats das Zuckerfest. „Normalerweise kommen wir dann mit der ganzen Familie zusammen“, berichten die Dortmunder. Die Corona-Pandemie lässt die Feierlichkeiten in diesem Jahr jedoch nicht zu. Alici hat im Alter von 16 Jahren, Birkih bereits als 10-Jähriger, erstmals am Fasten teilgenommen. Für die Zukunft haben beide große Pläne. Sie wollen als Pilger einmal nach Mekka, in die heilige Stadt des Islam, reisen. Aber erst „wenn wir dafür bereit sind“, betonen die beiden Kameraden und Freunde, deren Nacht auch Morgen noch vor Sonnenaufgang zu Ende gehen wird. Soldatenalltag im Ramadan.

von Martin Waltemathe

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