Heer

Waffeninstandsetzerin beim KSKKommando Spezialkräfte

Waffeninstandsetzerin beim KSKKommando Spezialkräfte

  • Kommando Spezialkräfte
  • Heer
Datum:
Ort:
Calw
Lesedauer:
5 MIN

Kommandosoldaten sind Meister des Schießens. Unter enormem Stress müssen sie sekundenschnell in einer unbekannten Umgebung das richtige Ziel millimetergenau treffen können. Ohne eine präzise, funktionierende Waffe sind sie in großer Gefahr. Stefanie M. arbeitet täglich an der Zuverlässigkeit und Präzision der Waffen des Kommandos Spezialkräfte (KSKKommando Spezialkräfte).

Eine Soldatin blickt durch das Visier eines sandfarbenen Maschinengewehrs.

Stefanie M. ist Waffeninstandsetzerin beim KSKKommando Spezialkräfte. Mit ihrer Arbeit trägt sie maßgeblich Verantwortung für die Treffsicherheit ihrer Kameraden.

Bundeswehr/Marco Dorow

Stefanie M. wird gerade zum Waffeninstandsetzungsunteroffizier ausgebildet. Seit einem halben Jahr arbeitet sie in der Waffen-Inst, wie Soldaten umgangssprachlich den Bereich Waffeninstandsetzung des KSKKommando Spezialkräfte nennen. In einer großen Halle stehen meterlange Werkbänke, in den Schubladen liegt präzises Werkzeug, oben eine große Flasche Waffenöl und an der Wand meterhohe Lagerregale mit Ersatzteilen. Weil in der Werkstatt täglich an Feinmechanik gearbeitet wird, muss alles sehr sauber sein. Hier lernt die junge Mannschaftssoldatin, in Zusammenarbeit mit ihren Kameraden, die Waffensysteme zu reparieren und zu überprüfen. Sie zerlegt Verschlüsse, überprüft das Griffstück oder tauscht defekte Bauteile. „Mein Kernauftrag ist es, die Soldaten so zu unterstützen, damit sie schnellstmöglich und bestmöglich ihren Auftrag fortsetzen können“, fasst sie ihre Aufgabe zusammen.

Bis ins letzte Detail – wie beim TÜV

Eine Soldatin zerlegt auf einem Metalltisch ein schwarzes Maschinengewehr.

Auch beim KSKKommando Spezialkräfte wird das Maschinengewehr MG3 noch eingesetzt. Es verfügt über Nieten, die genau überprüft werden müssen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Wie Autos zum TÜV müssen, so werden auch die Waffen regelmäßig einer gründlichen Inspektion unterzogen. Diese technische Materialprüfung beschreibt Stefanie M. so: „Wir prüfen die Funktion der Waffe, achten auf Sichtschäden und auf Sauberkeit. Dazu wird die Waffe zerlegt. Wir schauen nach dem Gesamtbild der Waffe, aber auch auf jedes Detail. Wir haben hier zum Beispiel das Maschinengewehr MG3. Hier achte ich besonders auf den Zustand der Nieten, die reißen gern mal oder auf scharfe Kanten. Die Soldaten sollen sich ja beim Schießen nicht verletzen. Ich schaue das Griffstück an, ob die Funktion gegeben ist, ob das Zweibein beschädigt ist. Bei anderen Waffen, der Pistole P30 zum Beispiel, schaue ich besonders, ob die Schlagbolzensicherung funktionsfähig ist.“ Es gäbe bei jeder Waffe Besonderheiten.

Hohe Schussbelastung, hoher Verschleiß

Eine Soldatin zerlegt auf einem dunklen Metalltisch ein sandfarbenes Maschinengewehr.

Das Maschinengewehr MG5 wird in seine Einzelteile zerlegt, damit es morgen wieder einsatzbereit ist.

Bundeswehr/Marco Dorow

Mit ihrem Werkzeug können die Instandsetzer die meisten Schäden gleich direkt reparieren. Manchmal ist nur ein Feinschliff nötig, andere Waffen brauchen Ersatzteile: „Bei dieser Waffe ist die Warze des Verschlusskopfs gerissen. Wir haben hier einen kleinen Handvorrat an Ersatzteilen in unserer Umschlagstaffel permanent da“, erklärt die junge Soldatin. Wenn ein Ersatzteil nicht vorhanden ist, fordern die Instandsetzer es an und es wird innerhalb von wenigen Tagen geliefert. „Normalerweise sind die Soldaten wegen ihrer engen Zeitplanung immer nur kurz in der Werkstatt und geben ihre Waffen ab. Wegen der hohen Schussbelastung und der vielen Schießtrainings geht ab und zu auch etwas kaputt, unterliegt einem hohen Verschleiß. Manchmal kommen die Soldaten mitten in der Ausbildung zu uns und da ist es wichtig, dass wir sehr schnell und zuverlässig arbeiten, teilweise über Nacht. So können die Kameraden ihren Auftrag erfolgreich fortsetzen“, sagt die Hauptgefreite.

Vom Auto zum Maschinengewehr

Eine Soldatin zerlegt auf dem grauen Tisch ein schwarzes Maschinengewehr.

Vor ihrem Dienst beim KSKKommando Spezialkräfte hat Stefanie M. in ihrer Freizeit an Autos geschraubt. Ihr Interesse an Technik ist auch an der Waffe gefragt.

Bundeswehr/Marco Dorow

Eigentlich wollte Stefanie M. schon immer KfzKraftfahrzeug-Mechatronikerin werden: „Ich habe vorher privat an Autos geschraubt und hatte immer schon das Interesse an Technik. Ich wollte später einen Beruf haben, der Spaß macht, der mich auch im Alltag motiviert“, erzählt Stefanie. Dann entschied sie sich für eine Ausbildung als Mechanikerin bei der Bundeswehr. „Ich bin vom Karrierecenter direkt beim KSKKommando Spezialkräfte eingeplant worden. Auch beim KSKKommando Spezialkräfte gibt es einen Instandsetzungsbereich für Kraftfahrzeuge, Rad/Kette genannt.“ Später, als sie schon in Calw war, wechselte die junge Soldatin die Laufbahn und ist jetzt Unteroffizieranwärterin. „In einem dreiwöchigen Praktikum durfte ich mir beide Seiten anschauen, einmal Rad/Kette und die Waffeninstandsetzung. Am Ende habe ich mich für die Waffen entschieden.“ Seit März absolviert Stefanie M. für fast zwei Jahre die Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung zur Feinwerkmechanikerin. Danach wird sie waffenspezifische Lehrgänge besuchen, ist dann Waffeninstandsetzerin und kann sich zusätzlich auf bestimmte Waffen spezialisieren.

Mit den Herstellern im Gespräch

Eine Soldatin hält eine schwarze Pistole in der Hand und repetiert eine messingfarbene Patrone heraus.

Die Waffeninstandsetzer sehen sich als Unterstützer der Kommandosoldaten. Ihr Schraubenschlüssel ist ihr Waffensystem.

Bundeswehr/Marco Dorow

Wir machen mit Stefanie M. einen Rundgang durch die Werkstatt. Auf langen Tischen liegen die Waffen, jeder Instandsetzer hat seine Aufgabe. Neben einer Waffenkammer gibt es einen 3D-Drucker für kleine Sonderaufträge. „Natürlich stellen wir hier keine Waffenteile selbst her, das ist absolut untersagt. Nur die Hersteller sind dafür zertifiziert.“ Man arbeite aber mit den Herstellern zusammen und mache Vorschläge im stetigen Verbesserungsprozess.

Doch die Waffenmechaniker sind nicht nur in der Werkstatt, sondern auch im Gelände zu finden, der Instandsetzungstrupp begleitet verschiedene Übungsvorhaben. Als Unteroffizierin möchte Stefanie M. nach der Ausbildung in einem solchen Trupp selbstständig vor Ort arbeiten und sie fügt hinzu. „Wir Instandsetzer gehen auch in den Auslandseinsatz.“

Selbst schießen, um die Waffen zu kennen

Eine Soldatin sortiert ein Maschinengewehr in den gefüllten Waffenständer in der Werkstatt.

Nicht nur in der ordentlichen Werkstatt, sondern auch draußen auf Übungen und im Einsatz muss der Instandsetzungstrupp arbeiten können.

Bundeswehr/Marco Dorow

Und was sollte man mitbringen, wenn man Waffeninstandsetzer werden will? „Man sollte technisches Verständnis haben, lern- und begeisterungsfähig sein und auch zur Selbstaufopferung bereit sein.“ Die Ausbildung und der Dienst hier seien sehr intensiv und kein Nine-to-five-Job. Doch in erster Linie ist Stefanie M. immer noch Soldatin, wie sie betont. „Ich habe quasi zwei Berufe, bin Soldatin und Technikerin. Wir sind keine Kommandosoldaten. Was aber für den Kommandosoldaten die Waffe ist, ist für uns das Werkzeug zum Schrauben.“ Neben dem Fachlichen muss auch sie, wie jeder Soldat und jede Soldatin, jedes Jahr Leistungsnachweise, wie sportliche Tests, Erste-Hilfe- und ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Ausbildung und Schießleistungen erbringen. Und hier schließt sich der Kreis: „Man muss die Waffen als Waffeninstandsetzerin ja nicht nur auseinandernehmen und reparieren können, sondern sie auch geschossen haben. Nur so kann man den Aufbau und die Funktion der Waffe richtig verstehen.“

Die Spezialkräfte verfügen immer über die neuesten Waffen, um dem Gegner immer einen Schritt voraus zu sein. Aus diesem Grund arbeitet der Bereich Waffeninstandsetzung nicht nur an den älteren bekannten Modellen, wie dem Maschinengewehr MG3, sondern auch an den neuesten Waffensystemen, wie dem G95K, dem neuen Sturmgewehr der Spezialkräfte. Oft sind KSKKommando Spezialkräfte-Soldaten die ersten Soldaten in den Streitkräften, die bestimmte Waffensysteme nutzen. Die Waffenmechaniker müssen deshalb immer auf dem neuesten Stand sein.

von Peter Müller