Luftwaffe

COVID-19 – Schutzmasken und Hauswirtschaft, statt Karte und Kompass

COVID-19 – Schutzmasken und Hauswirtschaft, statt Karte und Kompass

  • Coronavirus
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
3 MIN

Bei der bundesweiten Amtshilfe während der Corona-Pandemie unterstützt die Unteroffizierschule der Luftwaffe das Personal in Hamburger Pflegeeinrichtungen.

Soldat mit einem Karton in den Händen.

Schutzmasken statt Ausbildung von Rekruten. Feldwebel Herfert verteilt jetzt unter anderem Masken an die Bewohner der Pflegeeinrichtung

Bundeswehr/LKdo HH

„Normalerweise bringe ich den neuen Rekruten bei, Soldat zu sein“, sagt Feldwebel Dominic Herfert – wobei die Betonung auf „normalerweise“ liegt. Seit 24.April unterstützt der Grundausbilder mit 13 weiteren Soldatinnen und Soldaten das Pflegepersonal in der Hamburger Pflegeeinrichtung Hospital zum Heiligen Geist. Eigentlich bildet er den Unteroffiziergrundlehrgang an der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Heide aus. Der Pflege-Einsatz ist Teil der Amtshilfe, die die Bundeswehr in insgesamt neun Pflegeeinrichtungen in Hamburg leistet. 

Zwei Soldaten stehen nebeneinander.

Noch bis Ende Juli unterstützen die „Helfenden Hände“ im Hospital zum Heiligen Geist

Bundeswehr/LKdo HH

15.000 helfende Hände bundesweit

Deutschlandweit stellt die Bundeswehr der Zivilgesellschaft 15.000 helfende Hände zur Verfügung. Die Hände der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen und Heide sind an mehreren Hamburger Pflegeeinrichtungen im Einsatz. Sie werden vom Regionalen Führungsstab Nord koordiniert. Dieser Stab setzt die Amtshilfeanträge in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg um. So ist Feldwebel Herfert bis Ende Mai 2020 weder Luftwaffensicherer noch Grundausbilder – er ist verantwortlich für die Ausgabe und Verteilung von Corona-Schutzausrüstung. 

Ausgabe von Schutzkleidung und Stullen schmieren

Täglich gilt es im Hospital zum Heiligen Geist rund 700 FFP2-Schutzmasken zu verteilen. Hinzu kommen große Mengen an Schutzkitteln, Handschuhen, Spritzschutzbrillen und Desinfektionsmittel. Andere Kameradinnen und Kameraden arbeiten in der Hauswirtschaft der Pflegeeinrichtung. Das ist ein Bereich, der seit dem Ausbruch der Corona-Krise besonders viel Personal braucht. Die Bewohner dürfen nicht mehr gemeinsam essen – sondern separat auf ihren Zimmern. Alles, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. 

Zwei Soldaten stehen in der Küche.

Vom Hörsaal in die Küche – Oberleutnant Knöfel tauscht momentan seinen Dienstposten als Hörsaalleiter, mit dem Messer zum Stullen schmieren

Bundeswehr/LKdo HH

Oberleutnant Philipp Knötel arbeitet dort. Er schmiert Stullen, bringt Mahlzeiten zu den Bewohnern und ist, wie er selbst sagt, „Mädchen für alles“. Sein bisheriger Werdegang bei der Bundeswehr brachte ihn zunächst zu den Pionieren beim Heer. Knötel wollte Heeresinfanterist werden. „Da gab es aber leider keine Stellen mehr. Ich habe einen Freund bei der Luftwaffe und er erzählte mir, was er so macht. Das alles kam meinem Bild eines Soldaten am nächsten. Deshalb habe ich mich entschieden, zur Luftwaffe zu wechseln“, sagt der 26-Jährige. Derzeit ist er Hörsaalleiter in der 8. Inspektion an der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Heide.

Freiwilliger Wehrdienst als helfende Hand

Obergefreiter Maylin Niemann ist seit Ende April 2020 ebenfalls in der Hauswirtschaft im Einsatz. Sie und Knötel sind ein eingespieltes Team. Normalerweise sitzt sie im Geschäftszimmer der Unteroffizierschule und hat vor Kurzem ihren Antrag auf 23 Monate freiwilligen Wehrdienst abgegeben. „Ich hoffe, dass er genehmigt wird und dann bin ich bis August 2021 auf jeden Fall fest in Heide eingeplant.“
 

Zwei Soldaten schieben Essenwagen.

Die „Helfenden Hände“ wachsen zu eingespielten Teams zusammen und die Ausgabe des Essens klappt reibungslos

Bundeswehr/LKdo HH

Die 17-Jährige schätzt die außergewöhnlich gute Kameradschaft innerhalb der Luftwaffe: „Man weiß, dass die Kameraden immer hinter einem stehen. Man fühlt sich einfach sicher.“ So lautet ihr Resümee nach den ersten sieben Monaten Dienst in Uniform. 

Mit ihrer aktuellen Tätigkeit kommen die Soldatinnen und Soldaten gut zurecht. Das Feedback der Bewohner und der Leitung der Pflegeeinrichtung ist überwältigend positiv. Geplant ist die Unterstützung der Bundeswehr in den Einrichtungen noch bis zum 31. Juli. 

Neue Erfahrung für alle Beteiligten

Die Umsetzung der Amtshilfe an Hamburger Pflegeeinrichtungen ist nur möglich, weil der Ausbildungsbetrieb wegen der Corona-Krise gekürzt wurde. An der Unteroffizierschule der Luftwaffe finden momentan nur Lehrgänge statt, die für Auslandseinsätze oder für die Laufbahnausbildung erforderlich sind. 
„Bei uns bringen die Ausbilder das Marschieren bei und die Lehrfeldwebel erklären, wie man mit Karte und Kompass umgeht. Das mit den ‚Helfenden Händen‘ ist für uns alle eine Erfahrung, die wir so noch nicht hatten. Aber aus meiner Erkenntnis und der Erfahrung, die wir jetzt nach zwei Wochen Einsatz gewinnen konnten, sind unsere Leute von dem, was sie tun, sehr positiv angetan“, sagt Oberst Uwe Roth, stellvertretender Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen und Heide. 


 


von Ulla Matthes