Marine

Impfstoffe und Testverfahren gegen COVID-19Coronavirus Disease 2019

Wirkungsweise und mögliche Nebenwirkungen der Impfstoffe gegen den Coronavirus, Impfreihenfolge und zwei Arten von Tests einfach erklärt.

Mehrere Schälchen mit Impfspritze, Tupfer, Pflaster und Chargennummernaufkleber stehen auf einem Tisch.
Bundeswehr/Florian Sorge

Einführung

„Die Pandemielage in Deutschland entwickelt sich weiter dynamisch.“ Dies ist wohl der meist verwendete Satz des vergangenen Jahres, auch in vielen Weisungen und Befehlen der Bundeswehr. Und auch wenn wir ihn vermutlich alle nicht mehr hören können, behält er unverändert seine Gültigkeit. Auch wenn sich alle wünschen, wieder ein weniger reglementiertes Leben zu führen – dürfen wir gerade jetzt nicht in unseren Bemühungen nachlassen, der Pandemie mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzutreten. Auch an Bord von Marineeinheiten sind mittlerweile erste SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2 Infektionen aufgetreten. Auch wenn das Infektionsgeschehen relativ schnell eingedämmt werden konnte, hat es doch wieder gezeigt, wie vulnerabel grade unsere seegehenden Einheiten für Infektionsausbrüche sind.

Das Prinzip AHA+C+L – vor allem der Abstand und die Einhaltung der Hygieneregeln – ist und bleibt das wirksamste Mittel gegen die Pandemie. Auch wenn durch die Impfung ein weiteres Werkzeug hinzukommt, werden wir auch weiterhin auf die Einhaltung dieser Regeln achten müssen, um das Infektionsgeschehen erfolgreich einzudämmen. Durch die sich schnell ausbreitenden Virusmutationen, die mittlerweile auch in Deutschland in mehreren Regionen auftreten, sind neue Risiken hinzugekommen, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind.

Welche Impfung ist die richtige?

Die flächendeckende Impfung der Bevölkerung wird die entscheidende Rolle in der mittelfristigen Bewältigung der Pandemie spielen. Aber die Unterschiede in der Art der Impfstoffe führen bei vielen zu Unsicherheit und Fragen: Welches ist der richtige Impfstoff für mich? Wie soll man bei den unterschiedlichen Arten von Impfstoffen noch den Überblick behalten? Dies alles sind berechtigte Fragen.

Mehrere Spritzen in einer Plastiktüte.

Amtshilfe der Bundeswehr: In vielen Corona-Impfzentren unterstützen die Streitkräfte die zivilen Gesundheitsbehörden.

Bundeswehr/Florian Sorge

Mittlerweile sind in Deutschland Impfstoffe von unterschiedlichen Herstellern zugelassen. Zwei davon sind Impfstoffe, die auf Messegner-RNA, kurz mRNA, basieren. Das mRNA ist ein Eiweiß-Bote, der im Zuge der Impfung gegen das SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2-Virus den Bauplan für den Bau der Spike-Proteine des Virus übermittelt.

Bei diesem relativ neuen Impfprinzip werden kleine RNA-Abschnitte des SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2-Virus, die selber keine Infektion auslösen können, gespritzt. Diese neue Art des Impfstoffes verspricht sehr wirksam zu sein, ist aber leider sehr empfindlich, was die Logistik und den Transport dieses Vakzins erheblich erschwert. Beide Varianten müssen bei minus 20 beziehungsweise minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Aus diesem Grund kann die Impfung nicht in allen Arztpraxen oder Sanitätsbereichen durchgeführt werden.

Wie wirkt die Impfung?

Diese Impfstoffe regen körpereigene Zellen dazu an, über einen kurzen Zeitraum Oberflächenproteine des Coronavirus zu produzieren. Diese Proteine werden von den menschlichen Abwehrzellen als fremd erkannt und die Abwehrzellen produzieren nun Antikörper gegen das Virus. Die mRNA wird dabei nicht in die DNA der Zellen integriert. Das Erbgut der geimpften Person wird also nicht verändert.

Daneben sind weitere Impfstoffe zugelassen, die auf dem sogenannten Vektoren- oder herkömmlichen Wirkprinzip beruhen. So unterschiedlich die Produktionsweise dieser Impfstoffe auch ist, das Grundprinzip ist bei allen sehr ähnlich. Sie haben Oberflächenstrukturen, die sogenannten Antigene des Virus, die das körpereigene Immunsystem anregen. Das trainiert daraufhin Abwehrzellen darauf, Antikörper gegen SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2 zu bilden.

Bei keinem der Impfstoffe kann durch die Impfung eine COVID-19Coronavirus Disease 2019-Erkrankung entstehen, da bei keinem das Virus selbst verimpft wird. Das Ziel ist dabei immer dasselbe. Insofern gibt es also keinen richtigen oder falschen Impfstoff.

Welche Sorgen gibt es wegen Impfnebenwirkungen?

Medien berichteten vereinzelt von allergischen Reaktionen nach COVID-19Coronavirus Disease 2019-Impfungen. Hierzu ist zu sagen, dass bei allen Impfungen, auch gegen andere Erkrankungen in sehr seltenen Fällen – 1 Fall auf 100.000 bis 1 Million Impfungen – allergische Reaktionen auftreten können. Bei den Personen, die bisher auf die COVID-19Coronavirus Disease 2019-Impfung stark allergisch reagiert haben, handelte es sich in den überwiegenden Fällen um Menschen, bei denen schwere Allergien bereits bekannt waren.

Personen bei denen in der Vergangenheit bereits eine anaphylaktische Reaktion, insbesondere nach einer Impfung aufgetreten ist, sollte dies vor der Impfung gegen COVID-19Coronavirus Disease 2019 mit ihrem Arzt oder Ärztin besprechen.

In den letzten Tagen haben verschiedene Medien verstärkt auch über andere Beschwerden nach einer Impfung berichtet. Dabei stand in der Berichterstattung mal der eine, mal ein anderer Hersteller im Fokus. Nach dem, was bisher auch in Fachkreisen bekannt ist, handelt es sich in den überwiegenden Fällen um Beschwerden, die als etwas ausgeprägter, aber noch normale Impfreaktionen zu werten sind. Genau genommen wäre es sogar falsch, hier von Nebenwirkungen zu sprechen, da die Immunantwort des Körpers ja bewusst provoziert wird.

Diese Reaktionen können auch bei Impfungen gegen andere Krankheiten auftreten. Es hat den Anschein, dass sie bei den aktuellen COVID-19Coronavirus Disease 2019-Impfstoffen etwas häufiger und ausgeprägter auftreten, als wir das von anderen Impfstoffen bislang gewohnt sind. In der Regel halten die Impfreaktionen jedoch nur für wenige Tage an. Sie sind immer noch deutlich harmloser als die Beschwerden und eventuellen Spätfolgen einer schweren COVID-19Coronavirus Disease 2019-Erkrankung.

Wann wird in der Marine geimpft?

Aus produktionstechnischen Gründen stehen die COVID-19Coronavirus Disease 2019-Impfstoffe in der Anfangsphase nur in einem sehr begrenzten Umfang zur Verfügung. Aus diesem Grunde wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit, auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut eine Priorisierung mit mehreren Prioritätsstufen für die Bevölkerung festgelegt.

Mit der höchsten Priorität werden zurzeit die Gruppen geimpft, die das höchste Risiko tragen, einen schweren Verlauf der Krankheit zu erleiden oder daran zu versterben. Sie bedürfen am dringendsten Schutz: in erster Linie sehr alte und pflegebedürftige Menschen sowie Personen, die sie betreuen. In der zweiten Phase werden das medizinische Personal und Personen in der unmittelbaren Betreuung von COVID-19Coronavirus Disease 2019-Erkrankten geimpft.

Soldatinnen und Soldaten haben kein erhöhtes Infektionsrisiko

Je nach Auslegung fallen Soldatinnen und Soldaten ohne schwere Vorerkrankungen, die nicht in der Patientenversorgung oder Unterstützung der Impfmaßnahmen eingebunden sind, in eine spätere Prioritätsstufe. Sie tragen gegenüber der Normalbevölkerung kein erhöhtes Infektionsrisiko.

Es werden daher der Bundeswehr für die Immunisierung der eigenen Kräfte derzeit nur sehr geringe Impfstoffkontingente zur Verfügung gestellt. Es ist aber zu erwarten, dass sich dies in nächster Zeit ändert. Aus diesem Grunde wird derzeit auch innerhalb der Marine eine Priorisierung festgelegt, da der Impfstoff über einen längeren Zeitraum verteilt zufließen wird.

Ein Marinesoldat in Flecktarnuniform schiebt eine Frau in einem Rollstuhl.

Marinesoldaten unterstützen nicht nur an der Küste, sondern auch im Binnenland. Hier im Corona-Impfzentrum in Berlin-Treptow

Bundeswehr/Florian Sorge

Auch die ersten Soldatinnen und Soldaten der Marine wurden bereits geimpft. Gemäß der festgelegten Reihenfolge sind dies aber zunächst die Soldatinnen und Soldaten die im Rahmen der „Helfenden Hände“ eingesetzt werden, Einsatzkräfte zunächst für Einsätze mit erhöhtem Infektionsrisiko und medizinisches Personal in der Betreuung von infizierten Patienen.

Es ist aber zu betonen, dass die Festlegung einer Priorisierung keine Aussage über die Wichtigkeit einer Tätigkeit oder gar einer Person trifft. Sie erfolgt allein unter dem Aspekt, wer wie dringend durch eine Impfung geschützt werden muss, wenn andere Schutzmaßnahmen nicht zu 100 Prozent umgesetzt werden können, oder bei wem eine besondere Gefährdung einer Infektion besteht.

Man sollte sich nicht dazu hinreißen lassen, hier die Systemrelevanz des Tätigkeitsbereiches interpretieren zu wollen. Jeder ist auf seinem Posten wichtig. Aber nicht jeder ist durch seine Tätigkeit gleich stark gefährdet. Bei allen Diskussionen, die im Zusammenhang mit der Impfpriorisierung entstehen, ist dies nicht zu vergessen.

Welche Grenzen haben Antigen-Schnelltest?

Es sind derzeit zwei unterschiedliche Testverfahren in Gebrauch. Beiden Verfahren ist gemein, dass nur gezielt nach bestimmten Erregern gesucht werden kann; im aktuellen Fall natürlich nach SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2. Für beide gilt, dass die Aussagekraft des Ergebnisses ganz entscheidend davon abhängt, ob die Proben korrekt abgenommen worden sind. Daher nimmt bisher nur medizinisches oder speziell eingewiesenes Personal die Testung vor.

Beim PCRPolymerase-Ketten-Reaktion-Test wird aus einem Abstrich im Rachen über ein spezielles Laborverfahren eventuell vorhandene RNA des Erregers soweit vervielfältigt, bis man sie nachweisen kann. Aus der Anzahl der dafür nötigen Durchläufe lassen sich Rückschlüsse auf die Menge der Viren im Rachen des Patienten ziehen. Dieses Verfahren ist technisch sehr aufwendig, und daher ebenso zeit- und materialaufwendig. Es gilt aber nach wie vor als Goldstandard der unterschiedlichen Testverfahren.

Immer deutlicher treten die Antigen-Schnelltests auf den Plan. Die bisher zugelassenen Tests benötigen in der Regel auch ein Abstrich aus dem tiefen Nasen-Rachen-Bereich. Daher dürfen bisher auch nur Fachpersonal und speziell eingewiesene Personen sie vornehmen.

Die Schnelltests werden vor allem in Bereichen eingesetzt, in denen entweder eine erhöhte Gefahr für das Auftreten von Infektionsfällen besteht, wie zum Beispiel im Krankenhaus oder in Sanitätsbereichen. Oder in Fällen, in denen besonders gefährdete Personen zu schützen sind, wie zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen.

Schnelltest geben Orientierung nur für den Moment

Bei ihnen gilt aber, dass sie nur eine Aussage für den Moment geben können, und auch nur, ob zum Zeitpunkt des Abstriches schon so viele Viren im Rachen zu finden sind, dass der Test positiv anschlagen könnte und die getestete Person vermutlich die Krankheit übertragen würde. Ist die Infektion noch in einem sehr frühen Stadium oder wird nicht an der richtigen Stelle abgestrichen, kann der Test negativ ausfallen, die Person kann aber im weiteren Verlauf trotzdem die Krankheit übertragen. Es kann damit mit einem Test also keine zuverlässige Aussage über mehrere Tage getroffen werden, sondern nur orientierend und begrenzt für den Moment. Wie gut der Aussagewert eines Testergebnisses einzuschätzen ist, hängt auch sehr davon ab, ob es um eine gezielte Testung im spezifischen Fall oder um ein ungezieltes Screening geht.

Jeder positive Schnelltest muss durch eine PCRPolymerase-Ketten-Reaktion-Testung nachkontrolliert werden. Die betroffene Person ist – mit allen Konsequenzen der Isolation, auch von Kontaktpersonen, und der Schutzmaßnahmen bis zum Beweis des Gegenteils – als positiv getestet zu betrachten. Das hat ganz erhebliche Auswirkungen auf den täglichen Dienstbetrieb und die Aufrechterhaltung der Einsatzfähigkeit der Marine. Bezogen auf die Zahlen des Robert-Koch-Instituts ergibt sich, dass bei regelmäßiger Schnelltestung aller rund 15.000 Marineangehörigen rein statistisch an jedem Testtag bei circa 200 bis 300 Personen ein falsch positives Testergebnis zu erwarten wäre.

Das ist der Grund, warum die Marine, wie die anderen Teilstreitkräfte, in der flächendeckenden Anwendung von Schnelltesten sehr zurückhaltend ist. Sie setzt sie bisher nur in den spezifischen Bereichen ein, wo ein klar erkennbarer Nutzen besteht.

Es steht zu erwarten, dass demnächst die Bundeswehr ihre Teststrategie neu anpasst. Dennoch wird in Zukunft unverändert gelten: Auch nach einem Schnelltest, selbst mit negativem Ergebnis, muss jeder und jede die Hygienemaßnahmen, insbesondere die Abstandsregeln und das Tragen der Masken, konsequent weiter beachten.

von Presse- und Informationszentrum Marine   E-Mail schreiben

Mehr zum Thema

Computer-Illustration eines Coronavirus: ein grauer Ball mit rauher Oberfläche und roten Zapfen, die daraus hervorragen.

Coronavirus: Update Marine

Die Teilstreitkraft Marine informiert hier laufend über ihre spezifischen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2.

Aktuelles