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Minenjagd: Der Sonar-Experte

Minenjagd: Der Sonar-Experte

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Datum:
Ort:
Kiel
Lesedauer:
5 MIN

Zuerst wollte der Wehrpflichtige Axel Dopitz gar nicht zur Marine. Vier Jahre ist das jetzt her. Der heutige Zeitsoldat kann sich mittlerweile nichts anderes mehr vorstellen. Als Sonar-Bediener des Minenjagdboots „Fulda“ hat er in seinem Job Erfüllung gefunden.

Ein Marinesoldat lächelt in die Kamera.

Axel Dopitz

Budeswehr/ Helge Adrians

Fragt man Marinesoldaten, warum sie sich dazu entschieden haben, in jener Teilstreitkraft zu dienen, hört man nicht selten, dass viele ursprünglich gar nicht zur Marine wollten. Ähnlich erging es Stabsgefreiten Axel Dopitz. Der mittlerweile 23-jährige war 2009 einer der letzten Wehrpflichtigen. Vor die Wahl gestellt, wo er seinen Grundwehrdienst ableisten wolle, kamen für ihn nur Heer und Luftwaffe infrage.

Die Vorstellung, auf einem Kriegsschiff zur See zu fahren und kein Land mehr in Sicht zu haben, war für ihn „pure Angst“. Jetzt ist Axel Dopitz Zeitsoldat und kann sich sogar vorstellen, Berufssoldat bei der Marine zu werden oder nach seiner Verpflichtungszeit in die zivile Schifffahrt einzusteigen. Wie kam es zu diesem Mentalitätswechsel?

Passionierter Wassersportler

Als passionierter Surfer und Sporttaucher hatte Axel Dopitz eigentlich nie etwas gegen das Element Wasser. Beunruhigend fand er hingehen die Vorstellung, sich an Bord eines Schiffes seelenallein auf dem Meer zu befinden. Es sei ihm einfach unheimlich gewesen, berichtet der Stabsgefreite heute lachend. Als „Binnenländer“ – Dopitz stammt aus der Nähe von Stendal, 200 Kilometer von der nächsten Küste, der Ostsee, entfernt – konnte er sich absolut nicht vorstellen, wie der Dienst bei der Marine aussehen würde.

Als es im Zuge seiner Musterung 2008 darum ging, in welcher Teilstreitkraft er den damals noch obligatorischen neunmonatigen Grundwehrdienst ableisten wollte, ließ Dopitz demonstrativ das Feld für die Marine offen und kreuzte dagegen die Kästchen für Heer und Luftwaffe an. Gebracht hat es ihm jedoch wenig: Gerade wegen seiner Hobbies wurde er für die Marine eingeplant. Ob das im Nachhinein Schicksal war?

Dienst im Unterwasseroperationsdienst

Mit gemischten Gefühlen trat Dopitz 2009 seinen Grundwehrdienst bei der Marine an. „Erst mal die neun Monate runterheißen“, motivierte er sich damals selbst. Die Allgemeine Grundausbildung durchlief er an der Marineoperationsschule in Bremerhaven. Dort lernte er nicht nur Marschieren, Schießen und Grüßen, sondern wurde gleichzeitig auf seine spätere Verwendung in der Flotte hin ausgebildet: Dem Unterwasseroperationsdienst.

Wie der Name es schon verrät, geht es beim Unterwasseroperationsdienst darum, den Raum zu kontrollieren, der sich unterhalb der Meeresoberfläche befindet. Mittel der Wahl, um etwa U-Boote zu lokalisieren oder Minen zu identifizieren, ist das Sonar. Unterwasseroperateure werden umgangssprachlich deshalb auch gerne „Sonaristen“ genannt.

Im Anschluss an die dreimonatige Grundausbildung wurde Axel Dopitz auf das Minenjagdboot „Herten“ versetzt. Schnell merkte er, dass das Leben an Bord doch nicht so schlecht sei, wie einst gedacht. Nach sechs Monaten verlängerte er seinen Wehrdienst auf 14 Monate, woraus schnell 23 wurden. Danach kam die Verpflichtung als Soldat auf Zeit für vier Jahre. Mittlerweile ist an Bord des Minenjagdbootes „Fulda“ stationiert. Als Sonar-Spezialist kommt es aber nicht selten vor, dass er von anderen Einheiten „ausgeliehen“ wird, also andere Besatzungen bei Manövern unterstützt.

Vielfältige Tätigkeiten als Sonar-Gast

Eine orange Drohne an Bord eines Bootes.

Die Minenjagddrohne Pinguin B3. Mittlerweile ist sie außer Dienst gestellt.

Bundeswehr/Helge Adrians

Die Tätigkeiten eines Sonargasten – wie Mannschaftsdienstgrade im Unterwasseroperationsdienst bei der Marine genannt werden – sind an Bord von Minenabwehreinheiten sehr vielfältig: Wer denkt, man würde in dieser Verwendung ständig nur in einer abgedunkelten Operationszentrale sitzen und auf einen Monitor starren, der lediglich verzerrte Bilder anzeigt, der täuscht sich gewaltig.

Die Arbeit von Sonargasten beginnt damit, das „Hauptkampfsystem“ eines Minenjagdbootes, die Minenjagddrohnen Pinguin B3, instand zu halten. Das wie ein knalloranges Mini-U-Boot aussehende ferngelenkte Unterwasserfahrzeug wird sowohl zur direkten Aufklärung von Seeminen als auch zu deren Bekämpfung eingesetzt. Dazu verfügt der Pinguin über eine Kamera sowie zwei Vorrichtungen zum Transport von Sprengmitteln. Diese kann die Drohne in der Nähe von Unterwasserminen oder anderen Kampfmitteln, zum Beispiel Torpedos, ablegen. Durch eine Fernzündung werden dann die gefundenen Objekte zerstört.

Zu den Aufgaben von Stabsgefreiter Dopitz gehören des Weiteren Tätigkeiten im seemännischen Dienst. So ist er vor jeder Minenjagd beispielsweise dafür zuständig, Wassermessungen durchzuführen. Einerseits geht es darum, die Temperatur sowie den Salzgehalt festzustellen, da beide Faktoren großen Einfluss auf das spätere Sonar-Bild haben. Andererseits wird überprüft, wie klar (oder unklar) die Wassersicht ist. Sprich: Ab welcher Tiefe kann man von Bord des Minenjagdbootes nichts mehr sehen. Dies ist wichtig, wenn es darum geht, den Pinguin ins Wasser zu lassen oder wieder zu bergen.

Wertvolle Expertise

Sobald die Minenjagddrohne erst einmal ausgesetzt worden ist, begibt sich Axel Dopitz zu seinem eigentlichen Arbeitsplatz, der Operationszentrale (OPZ) im Inneren eines jeden Minenjagdbootes. Als Sonar-Gast hat er die Aufgabe, den Sonar-Meister bei der Minenjagd zu unterstützen. Konkret sieht das so aus, dass er den Vorausbereich des gescannten Meeresgrunds nach irgendwelchen Besonderheiten absucht. „Wir haben hier wirklich schon alles gefunden: Toaster, Waschmaschinen oder einfach nur große Metallstangen, die aussehen wie Torpedos“, berichtet der Stabsgefreite.

Bis zu sechs Stunden sitzt Dopitz mitunter in der OPZ. An einem der beiden Griffe links und rechts seines Pultes findet man allerlei kleine Einkerbungen: Für jedes gefundene Kampfmittel, ob nun Seemine, Torpedo oder irgendetwas anderes, ein kleiner Ritz. „Man möchte natürlich schon ein paar Minen auf sein eigenes Konto nehmen.“ Gezählt hat der Stabsgefreite die Anzahl seiner gefundenen Objekte aber noch nicht.

„Mittlerweile bin ich echt froh, dass ich hier bin“, sagt Dopitz über seine anfänglichen Bedenken über den Dienst bei der Marine. „Es macht nicht nur Spaß, sondern ist auch absolut sinnvoll, Minen zu jagen und so die Ostsee sicherer zu machen.“ Dopitz plant nun, seine Verpflichtungszeit auf zwölf Jahre zu verlängern und die Laufbahn der Bootsleute einzuschlagen. Er will Sonar-Meister auf einem U-Boot werden. Parallel dazu holt er sein Abitur nach. Sollte es mit der Bundeswehr nicht klappen, käme für ihn auch eine Karriere in der zivilen Schifffahrt in Betracht. Durch seine Zeit bei der Marine bringt er dafür auf jeden Fall die nötige Expertise mit.

von Helge Adrians  E-Mail schreiben