Marine

Reservistenporträt

Für Stabsbootsmann Kay Elzner sind die See und das Zeichnen eine wahre Berufung. Seine Karriere begann aber mit einem Karriereknick.

Ein Marinesoldat in blauer Arbeitsuniform am Schreibtisch mit Tastatur und Monitor, im Hintergrund ein Regal mit Aktenordnern.
Bundeswehr/Marcus Mohr

Als Obermatrose-Maat-Anwärter hat er angefangen. Kay Elzner wurde noch im September 1989 bei der Volksmarine vereidigt. Zunächst wurde er für Spreng- und Sperrwaffen sowie Minenabwehr ausgebildet. Zu der Zeit war er am längsten auf dem Minensuchboot „Tangerhütte“.

Im Oktober 1990 hörte die Marine der DDRDeutsche Demokratische Republik auf zu existieren, für Elzner öffnete dieser Umbruch die Tür zur Bundesmarine. In einem „besonderen Dienstverhältnis“ stellte die vormals westdeutsche Marine ihn vorläufig ein, stufte ihn aber vom mittlerweile Obermaaten zum Obergefreiten herunter. Glücklich war er damit zunächst nicht.

Im Mai 1991 übernahm ihn die Deutsche Marine endgültig als Soldat auf Zeit für acht Jahre. 1993 nahm Elzner im ersten vom Bundestag mandatierten Auslandseinsatz der Marine „Sharp Guard“ teil. Im Hafen von Piräus, Griechenland, ging der damals 22-Jährige an Bord der Fregatte „Karlsruhe“. Ihre Aufgabe war, das VNVereinte Nationen-Waffenembargo während des Bürgerkriegs in Jugoslawien zu kontrollieren. Die „Karlsruhe“ patrouillierte dafür in der Straße von Otranto, zwischen Italien und Albanien, auf und ab.

Auf der Überholspur

Ein graues Schiff bewegt sich durch raue See, wärhrend weisses Spritzwasser vorne aufschlägt

Die mittlerweile außer Dienst gestelle Fregatte „Karlsruhe“.

Bundeswehr/Schneider

Durch seine guten Leistungen im Unteroffizierlehrgang danach konnte er früher als geplant seinen alten Dienstgrad wieder erreichen. Statt den üblichen sechs Monaten dauerte diese Ausbildung für Elzner nur fünf Monate.

Um dem noch einen drauf zu setzen, wurde er auch Bootsmann-Anwärter. Bei der Gelegenheit änderte auch Elzner seine Verwendungsreihe zum Versorger wegen des damaligen Mangels an solchen Fachleuten. 2001 wurde er, wieder auf der „Karlsruhe“, einer der Versorgungsmeister.

Kurz darauf endete seine aktive Dienstzeit und wechselte in seinen zivilen Beruf: Das Handwerk Zeichnen hat er über seine Ausbildung in Ornamentik und Restauration an der Fachschule Stendahl gelernt.

Seitdem ich als Kind einen Stift halten konnte, habe ich gezeichnet.“

Schon als kleiner Junge hatte der in Oschersleben bei Magdeburg an der Elbe Geborene angefangen zu zeichnen. „Mein Hauptmotiv war seit Tag eins Marineromantik: Schiffe, Boote, Sonnenuntergänge, Wappen und so weiter“, erzählt Elzner. „Meine Liebe zur Seefahrt entstand durch Familientradition. Gefühlt alle Männer sind zur See gefahren. Vom Lotsen bis zum Vizeadmiral ist in meiner Familie alles dabei.“ Mütterlicherseits ist Elzner mit Friedrich Ruge, dem ersten Inspekteur der Bundesmarine, verwandt.

Heute arbeitet Kay Elzner als freiberuflicher Zeichner beziehungsweise Illustrator. „Ein Illustrator arbeitet an Motiven, die über einen Verlag publiziert werden. Wohingegen der Zeichner einfach für sich oder Privatpersonen zeichnet“, umschreibt er die zwei Aspekte seines Berufs.

Er hat mittlerweile für unterschiedliche Verlage diverse Bücher und Magazine illustriert, auch in der Belletristik hat er Fuß gefasst. „Demnächst erscheint der Roman ‚Das glückhafte Schiff‘ von Henning Puvogel. Der ist zum Beispiel von mir illustriert. Auch im Kochbuch ‚Kochen wie die Halblinge‘ steckt meine Arbeit“, erzählt der Seefahrtromantiker.

25 Jahre auf der „Karlsruhe“

Die meiste Zeit arbeitet er für den Kosmos-Verlag im Bereich Naturkunde und Wissenschaft für Jugend- und Bildungsliteratur. Dafür hat Elzner zwei Mal den Kulturpreis der Landeskulturverbände erhalten.

Doch Elzners zweite große Liebe bleibt die See. Deshalb nimmt er sich jährlich die Zeit für eine mehrwöchige Reserveübung bei der Marine. Als aktiver Soldat und als Reservist war er während 25 Jahren auf der Fregatte „Karlsruhe“ verantwortlich für alles vom Schrankschlüssel übers Turbinenrad hin zu Munition und Treibstoff – „eben alles, was das Leben an Bord und das Schiff am Laufen hält – außer der Verpflegung“, fasst der 47-Jährige zusammen.

Nach Außerdienststellung der „Karlsruhe“ ging es zum Schwesterschiff, zur „Augsburg“, wo er heute noch als Versorgungsbootsmann dient. Was nach der anstehenden Außerdienststellung dieser Fregatte passiert, ist Elzner jetzt schon klar: „Mit etwas Glück komme ich auf ‚Augsburgs‘ Schwesterschiff ‚Lübeck‘.“

Ein Mann sprüht mit einer Spraydose auf einen weissen Hintergrund die Aufschrift „Augsburg“

Elzner ist auch im „Lexikon der Illustration im deutschsprachigen Raum seit 1945“ gelistet.

Bundeswehr/Marcus Mohr

Sieben Fragen an Kay Elzner

Wie verändern Sie sich, wenn Sie die Uniform (wieder) anziehen?
Ich bemühe mich, dass ich derselbe bleibe.

Warum sind Sie Reservist geworden?
Um meine Kameraden weiterhin unterstützen zu können. Und damals auch meinem Schiff treu zu bleiben.

Was bedeutet für Sie Marine?
Das ist die Seefahrt! Kameradschaft und Corpsgeist eben …

Welche Person bewundern Sie am meisten?
Meine Eltern, für das was sie mir ermöglichten und weiterhin tun. Und meine aktiven Kameraden, die trotz aller Erschwernisse vorbildlich ihren Dienst erfüllen.

Wozu können Sie nicht „nein“ sagen?
Eine Fahrt mit dem Schiff nach New York.

Wo möchten Sie am liebsten einmal leben?
In meiner Heimat bei Magdeburg, denn meine Heimat bleibt meine Heimat.

Was war das Verrückteste, was Sie jemals erlebt haben?
Eine Landung mit einem Bordhubschrauber nachts bei extrem schlechten Wetter auf der „Karlsruhe“.

von Paul Rein  E-Mail schreiben