Offizierlaufbahn: Erfolgreich sind nur die Besten (Teil 3)

Offizierlaufbahn: Erfolgreich sind nur die Besten (Teil 3)

  • Assessment
  • Personal
Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
4 MIN

Wer Offizier werden will, bewirbt sich beim Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr in der Kölner Mudra-Kaserne. Doch nicht jeder ist geeignet. Wer es schafft, erhält ein attraktives, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtetes Angebot zu einer militärischen Karrriere. Hier erfahren Sie, wie das das Gruppensituationsverfahren aussieht.

Der erste Prüfungstag des Assessmentverfahrens in der Kölner Mudra-Kaserne läuft. Drei Prüfungen haben die fünf Offizierbewerber und eine Offizierbewerberinnen geschafft. Nun steht das Gruppensituationsverfahren bevor. Gegen neun Uhr morgens sitzt Offizierbewerber Roland Vad im Warteraum. Er nutzt die Zeit, um sich mit anderen Offizierbewerbern auszutauschen. In den vergangenen drei Stunden war er auch schon gefordert: Um sechs Uhr hat er einen Aufsatz geschrieben, danach diverse Tests am Computer absolviert, und zuletzt wurde er durch den Ärztlichen Dienst auf seine Tauglichkeit zum Offizier untersucht. „Der Aufsatz verlief sehr gut. Auch mit dem Test am Computer bin ich zufrieden. Nur der Mathetest hat mir ein bisschen Probleme bereitet“, erzählt der Abiturient aus München. „Ich warte jetzt auf das Gruppensituationsverfahren und das Interview. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt. Danach werde ich wissen: Offizier, ja oder nein.“

Der Personalberater vom Dienst, Stabsfeldwebel Bernd Schlatter, informiert Offizierbewerber Roland Vad.

Der Personalberater vom Dienst, Stabsfeldwebel Bernd Schlatter, informiert Offizierbewerber Roland Vad.

PIZ Personal/Emily Langer

Die Spinne im Netz

Gleich gegenüber vom Warteraum befindet sich das Büro des Personalberaters vom Dienst (PvD). Dort sitzt Stabsfeldwebel Bernd Schlatter. Für die Teilnehmenden kein neues Gesicht. Sie haben ihn bereits am Vortag bei der Infoveranstaltung kennengelernt. Da übernahm Schlatter die Begrüßung und erklärte den Ablauf sowie die Organisation des Auswahlverfahrens.


Schlatter ist seit 2007 Personalfeldwebel im Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr. Der 52-Jährige erklärt seinen Job: „Der PvD ist in erster Linie der zentrale Anlaufpunkt während des ersten Prüftages. Ich bin die sogenannte Spinne im Netz und immer ansprechbar, wenn es irgendwo klemmt oder noch eine Prüfung fehlt. Dann steuere ich nach und zeige den Bewerberinnen und Bewerbern, wo sie als nächstes hin müssen.“

Damit dies auch reibungslos funktioniert, geben die Offizierbewerberinnen und Offizierbewerber nach jeder Prüfung ihre Unterlagen beim PvD ab. In einer Liste notiert Schlatter jede absolvierte Prüfung. So behält er stets den Überblick. „Wenn alle vorgesehenen Prüfungen erledigt sind, übergebe ich die Unterlagen an die Auswahlkommission“, erklärt Schlatter und ergänzt: „Auch Morgen werde ich bei den Teilnehmenden sein. Dann legen sie ihre Sportprüfung ab.“

Gruppensituationsverfahren

Immer wieder kommen andere Bewerberinnen und Bewerber bei Schlatter vorbei, geben ihre Unterlagen ab und setzen sich in den Warteraum. Alle warten gespannt auf ihre nächste Prüfung. Jetzt geht es für Roland Gedig und Uwe Kuehn weiter. Sie werden von Hauptmann Sebastian Ritter abgeholt und gehen gemeinsam zum Prüfungsraum. Gleich beginnt das Gruppensituationsverfahren. Bei diesem Verfahren wird das Verhalten der Offizierbewerberinnen und Offizierbewerber in der Gruppe getestet. Dafür konfrontiert Prüfoffizier Ritter sie mit verschiedenen Situationen. Er will sehen, wie sie sich in der Gruppe schlagen und ob sie als Team funktionieren. 

Vier Bewerber sitzen an einem Tisch und werden im Gruppensituationsverfahren geprüft. Im Hintergrund: die Prüfungskommission.

Hauptman Sebastian Ritter (Mitte) erklärt Offizierbewerberin Sophie Colnar (2. von links) ihre Aufgabe. Oberstleutnant Norbert Berger und eine Psychologin beobachten im Hintergrund.

PIZ Personal/Emily Langer

Hauptmann Ritter ist nicht allein. Neben einer Psychologin ist auch der Leiter der Prüfkommission, Oberstleutnant Norbert Berger, dabei. Die beiden sitzen abseits und beobachten die Offizierbewerberien und -bewerber während des Verfahrens. Ritter sagt: „Zunächst erkläre ich allen die individuellen Aufgaben. Dann warten wir ab, wie sich die Gruppe verhält. Wir beobachten ganz genau. Entscheidend beim Gruppensituationsverfahren ist das Interagieren der Offizierbewerberinnen und Offizierbewerber, also wie sie sich untereinander und miteinander verhalten.“

Ritter erzählt weiter: „Ich arbeite seit 2015 als Prüfoffizier. In der Prüfungskommission lerne ich täglich neue Menschen kennen, die unterschiedliche Lebensgeschichten mitbringen. Junge Abiturientinnen und Abiturienten, gestandene Soldatinnen und Soldaten, aber auch bereits ausgebildete Akademikerinnen und Akademiker. Meine Arbeit ist absolut spannend, denn ich muss mir zu jeder Person ein Urteil bilden und wähle so die zukünftigen Führungskräfte der Bundeswehr aus.“

Interview

Ist das Gruppensituationsverfahren geschafft, folgt das Interview. Selbst wenn bisher gute Ergebnisse erzielt wurden: hier wird die Spreu vom Weizen getrennt. Im Vorstellungsgespräch zeigt sich, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber tatsächlich zum Offizier geeignet ist.


„Es ist unglaublich spannend, jeden Tag Menschen vor sich sitzen zu haben, die den Beruf des Offiziers ergreifen wollen. Sie sind zwischen 17 bis Mitte 40 und haben unterschiedliche Beweggründe, zur Bundeswehr zu kommen. Um sie näher kennen zu lernen, stellen wir natürlich viele Fragen, unter anderem auch zu ihrer Biografie“, so Oberstleutnant Norbert Berger. Was erhoffen sich die Bewerberinnen und Bewerber, was wünschen sie sich und was sind sie bereit, einzubringen? Nur einige Fragen, um zu erklären, worum es hier geht. Die Prüfkommission will sehr genau wissen, wen sie vor sich hat, bevor sie ihre Zusage für eine Einstellung gibt. Offiziere sind Vorbilder und präsentieren die Bundeswehr. Daher geht es im Interview auch um Leidenschaft und Respekt.

Roland Gedig macht sich auf den Weg zum Interview.

Roland Gedig macht sich auf den Weg zum Interview.

PIZ Personal/Emily Langer

Wie gut die Menschen vor ihnen die Bundeswehr und das dazugehörige Aufgabenspektrum kennen, will die Prüfkommission auch erfahren. Daher stellen sie Fragen zur gewünschten Verwendung und wollen zudem wissen, wie gut die Prüflinge sich mit dem Berufsbild des Offiziers beschäftigt haben. Im Interview haben insbesondere diejenigen schlechte Karten, die sich nicht gut vorbereitet haben.

Erste Ergebnisse

Sophie Colnar aus Moers kommt erleichtert aus dem Interview und strahlt: „Ich habe bestanden. Obwohl der Tag sehr anstrengend war, muss ich sagen, dass das Assessmentverfahren fair und machbar ist. Nur meine kleine Matheschwäche hat mich zweifeln lassen.“ Der erste Prüfungstag ist vorüber. Morgen folgt die Sportprüfung, für einige der Bewerberinnen und Bewerber die Studienberatung und zuletzt die Einplanung. Lesen Sie mehr dazu im vierten und fünften Teil der Serie.


Weitere Informationen zur Offizierslaufbahn und anderen Karriereoptionen finden Sie auf den  Karriereseiten der Bundeswehr.

von Tobias Kliesing  E-Mail schreiben