Der durchs Feuer geht: Ausbilder bei der Bundeswehrfeuerwehr

Der durchs Feuer geht: Ausbilder bei der Bundeswehrfeuerwehr

  • Brandschutz
  • Personal
Datum:
Ort:
Stetten am kalten Markt
Lesedauer:
4 MIN

18 Monate dauert die Ausbildung der Beamtenanwärterinnen und Beamtenanwärter zum Brandschützer der Bundeswehr. Dabei ist die Ausbildung im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst in mehrere Abschnitte gegliedert. Oberbrandmeister (OBM) Jens Frey, Ausbilder an der zentralen Ausbildungsstätte der Bundeswehr in Stetten am kalten Markt, ist für Teile der praktischen Ausbildung verantwortlich.

Bevor Beamte im mittleren feuerwehrtechnischen Verwaltungsdienst auf den Feuerwachen der Bundeswehr ihren Dienst als Brandmeister aufnehmen können, müssen sie erst gründlich ausgebildet werden. Schließlich zählen zu ihren späteren Aufgaben lebensrettende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Rettung von Menschen aus Gefahrensituationen nach einem Verkehrsunfall oder bei einem Gebäudebrand.

Oberbrandmeister Jens Fey steht am geöffneten Heck des Feuerlöschfahrzeuges und erklärt zwei Auszubildenden die Pumpentechnik.

Oberbrandmeister Jens Frey erklärt die Pumpentechnik des Feuerwehrfahrzeugs

PIZ Personal/Tobias Kliesing

Einsatzmöglichkeiten und Ausbildung

Ebenso gehören der vorbeugende und abwehrende Brandschutz in Bundeswehrliegenschaften zu ihren späteren Aufgaben. Zudem können sie zur Bekämpfung von Bränden in Marinestützpunkten und deren Schiffen oder zur Sicherung der Starts und Landungen auf militärischen Flughäfen eingesetzt werden. 

Die Ausbildung der Brandmeisteranwärter startet mit dem Dienstführerschein in den Klassen B und C, also für Lastkraftwagen. Diesen benötigen die angehenden Feuerwehrleute, damit sie ein Feuerwehrfahrzeug fahren dürfen. Danach beginnen sie mit dem feuerwehrtechnischen Grundlehrgang an der zentralen Ausbildungsstätte für den Brandschutz der Bundeswehr in Stetten am kalten Markt, einer der modernsten Anlagen zur Ausbildung in der Brandbekämpfung Europas.

Zwei Auszubildende üben den Einsatz mit Strahlrohr.

Die Wasserabgabe mit einem Strahlrohr bei der Brandbekämpfung muss geübt werden.

PIZ Personal/Tobias Kliesing

Gut aufgehoben bei der Bundeswehrfeuerwehr

Einer der Ausbilder dort ist (Oberbrandmeister) OBM Jens Frey. Der 33-Jährige bildet seit 2018 Anwärter und Soldaten bei ihren praktischen Brandschutzübungen aus. „Nach meinem Abschlusslehrgang zum Brandmeister war ich etwa fünf Jahre bei der Bundeswehrfeuerwehr. 2013 wollte ich eine neue Herausforderung und wieder näher zu meinem Heimatort. Daher habe ich die Bundeswehr verlassen und eine Stelle bei der kommunalen Feuerwehr angenommen“, berichtet Frey. Doch rund fünf Jahre später war er wieder zurück. „Bei der Bundeswehr verdiene ich mehr und ich kann hier an den modernsten Anlagen Europas ausbilden. Außerdem kann ich mich persönlich vielfältig weiterbilden und habe sehr gute Karrierechancen.“ 

Die Übung beginnt

Auf dem weitläufigen Gelände der Ausbildungsstätte stehen mehrere Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht. Dort finden die Einsatzübungen der Feuerwehr statt. OBM Jens Frey ist Stationsausbilder im Bereich Brandbekämpfung. Er bildet zivile Beamtenanwärter, aber auch Soldaten aus. Wenn sie üben, dann bilden zwei Auszubildende einen Einsatztrupp: Einer als Truppmann, der andere als Truppführer.

Die Auszubildenden, der Angriffstrupp und ein Ausbilder bei einem Innenangriff, bei dem ein Brand in einem Gebäude gelöscht wird

Der Angriffstrupp übt das Vorgehen beim Innenangriff.

PIZ Personal/Tobias Kliesing

Einsatzübung unter realen Bedingungen

Frey beobachtet die Übung genau. Aus einem brennenden Gebäude dringt dichter Rauch heraus. Davor der Angriffstrupp und ein Ausbilder, geschützt durch feuerfeste Anzüge, Handschuhe und Schutzhelm. „Hier üben wir den Innenangriff. Dabei soll der Trupp den Brand bekämpfen, der sich hinter einer verschlossenen Tür im Inneren des Gebäudes befindet“, erklärt der Oberbrandmeister. „Bei dieser Übung ist es wichtig, dass die Tür erst geöffnet wird, nachdem von außen die Temperatur überprüft wurde. Schließlich können hinter der Tür aufgrund der Brandeinwirkung mehrere hundert Grad herrschen.“ 

Der Truppführer öffnet die Tür. Sofort tritt dunkler Rauch heraus. Die Sicht im Inneren ist gleich Null. Sekundenschnell öffnet der Truppmann das Ventil des Strahlrohres und zielt mit dem Wasserstrahl durch die offene Tür. „Der Brandrauch muss mit Wasser gekühlt werden, bis der Brandraum begehbar ist. Erst dann können beide weiter vordringen“, erklärt Frey. Da die oberen Luftschichten noch sehr heiß sind, bewegt sich der Trupp in gebückter Haltung ins Innere und nähert sich dem Brandherd. Dann löschen sie das Feuer und melden ‚Feuer aus‘, die Übung ist beendet.

Vier Auszubildende bei der Leiterkunde.

Teilnehmer des Lehrgangs bei der Leiterkunde

PIZ Personal/Tobias Kliesing

Weitere praktische Übungen

Parallel zur Einsatzübung im Brandhaus lernen andere Teilnehmer Grundtätigkeiten, also das Handwerk der Feuerwehr. „Hier befassen wir uns mit den Basics. Dazu gehört das Aufstellen der Steckleiter und der Umgang mit dem Strahlrohr, aber auch Knotenkunde, Fahrzeugkunde und die Bedienung der Löschwasserpumpen“, so der OBM. „Natürlich üben wir mit den Leitern auch verschiedene Steigtechniken, um sicher herauf und runter zu kommen“, ergänzt Frey.

Oberbrandmeister Jens Frey bei der Besprechung mit den Auszubildenden nach dem praktischen Übungteil.

Nach den Übungen erfolgt durch OBM Jens Frey eine Nachbesprechung .

PIZ Personal/Tobias Kliesing

Theorie und Praxis

Neben der Brandbekämpfung in Gebäuden üben die Teilnehmer auch das Löschen brennender Fahrzeuge oder Flugzeuge. Dabei müssen die Brandmeisteranwärter die Technik kennen, die in den brennenden Objekten verbaut ist. Dazu lernen die Auszubildenden im theoretischen Unterricht Fahrzeugtechnik, aber auch Physik und Chemie. „Ein weiteres Ausbildungsgebiet, neben der Brandbekämpfung, sind Übungen in der technischen Hilfeleistung. Das brauchen Brandschützer beim Retten von eingeklemmten Personen, beispielsweise nach einem schweren Verkehrsunfall“, ergänzt Frey. Daher lernen die Teilnehmer unter anderem den Umgang mit hydraulischen Schneidwerkzeugen oder anderen Rettungsgeräten.  

Ein weiterer Teil der praktischen Feuerwehrausbildung ist der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Bereich. Hier lernen die Brandmeisteranwärter den Umgang mit atomaren, biologischen und chemischen Gefahrgütern kennen. „Jeder Teilnehmer muss schließlich wissen, was bei einem Unfall mit Gefahrgut und freigesetzten Chemikalien beachtet werden muss. Um notwendige, unter Umständen lebensrettende Maßnahmen, einzuleiten“, erklärt OBM Jens Frey am Ende der Übungen.

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von Tobias Kliesing  E-Mail schreiben