Ehrenamt: Eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes hilft bei Auslandsadoptionen

Ehrenamt: Eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes hilft bei Auslandsadoptionen

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  • Personal
Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
3 MIN

Bea Garnier-Merz bietet den Angehörigen der Bundeswehr und ihren Familien Beratung und Betreuung in sozialen Angelegenheiten. Doch wenn in ihrem Büro das Licht ausgeht, bleibt das soziale Engagement nicht auf der Strecke. Denn dann engagiert sich die Mitarbeiterin des Sozialdienstes der Bundeswehr in Koblenz im Verein „Help a child e.V.eingetragener Verein“. Dieser Verein bietet Hilfe bei Auslandsadoptionen.

Garnier-Merz hält einen Jungen auf dem Arm und hilft ihm beim „Adieu“ sagen

Garnier-Merz hilft dem Jungen beim „Adieu“ sagen

Garnier-Merz privat

Noch ein wenig müde von der anstrengenden Reise lassen Bea Garnier-Merz und ihre Kollegin Angela Gönemann die vergangenen Tage Revue passieren. Die beiden Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes der Bundeswehr haben in kurzer Zeit rund 17.000 Flugkilometer überwunden. Der Grund: Sie holten zehn Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren aus Haiti nach Deutschland, um sie neuen Adoptiveltern zu übergeben. Beide Frauen engagieren sich bei der Adoptionsvermittlungsstelle „Help a child e.V.eingetragener Verein

Bea Garnier-Merz (links) und Angela Gönemann ind vor ihrer Reise nach Haiti beim Beladen des Wagens zu sehen

Bea Garnier-Merz (links) und Angela Gönemann bereiten sich auf ihre Reise nach Haiti vor

Garnier-Merz privat

Trotz der Corona-Pandemie konnte der Flug nach Haiti durchgeführt werden. Kurzerhand charterte der Verein ein Flugzeug mit Piloten und Flugbegleiterinnen. Knapp drei Tage war die Maschine unterwegs. In Brüssel gestartet, auf Guadeloupe übernachtet, dann weiter nach Port-au-Prince. Drei Stunden Aufenthalt und dann wieder zurück. Kosten: Rund 100.000 Euro. Einen großen Teil zahlten die neuen Eltern. Der Restbetrag ist für diesen Zweck gespendet worden. „Es ist ein ungeheurer Aufwand, aber wenn wir in die glücklichen Gesichter der Kinder schauen, wenn wir sie den neuen Mamas und Papas übergeben, dann entschädigt das für alles“, sagt Garnier-Merz.

Bea Garnier-Merz steht zwischen Kartons an der Ladeluke des Flugzeugs, um beim Beladen der Chartermaschine dabei zusein

Bea Garnier-Merz belädt die Chartermaschine mit Hilfsgütern

Garnier-Merz privat

Auf dem Rückflug war dann auch einiges los: Aufregung und Vorfreude auf das, was vor ihnen liegt.

 Viele der Kinder haben in ihrem Leben noch kein Flugzeug gesehen, geschweige denn selbst drin gesessen“,

berichtet Angela Gönemann. „Jetzt bringt sie dieses Flugzeug in eine neue Welt, in eine neue Umgebung, in eine neue Familie, in eine neue, bessere Zukunft.“ Viele der Kinder sind vertieft in die Videobotschaften und Fotoalben der neuen Eltern. „Diese kleinen Filmchen sind besonders wichtig, denn so bauen die Kinder bereits eine Beziehung zur neuen Familie auf. Einige streicheln hingebungsvoll den Bildschirm, weil sie es kaum erwarten können, die neuen Eltern wiederzusehen“, so Garnier-Merz. Das erste Kennenlernen mit den Kindern läge ja schon einige Zeit zurück, so Garnier-Merz weiter. Ein solches Projekt erfordert umfangreiche Hilfe. Die deutsche Botschaft auf Haiti leistet hier einen außerordentlich wichtigen Beitrag.

Ein Pilot hilft einem Adoptivkind beim Einsteigen ins Flugzeug

Für die Kinder ist dies der Einstieg in eine neue Zukunft

Garnier-Merz privat

Schicksal in fremden Händen

2003 hatte sich Garnier-Merz selbst um die Adoption eines haitianischen Kindes bemüht. Auf der damaligen Abholreise war vieles schief gelaufen. „Ich habe mich auf Haiti kurzfristig um Genehmigungen und Pässe kümmern müssen“, erinnert sie sich. Die Adoptionsvermittlungsstelle war vielen Aufgaben nicht nachgekommen, sodass Garnier-Merz „Nägel mit Köpfen“ machte und kurzerhand eine eigene Vermittlungsstelle gründete. Seit 2005 ist sie die ehrenamtliche Vorsitzende von „Help a child e.V.eingetragener Verein“, einer staatlich anerkannten Adoptionsvermittlungsstelle. Seitdem hat der Verein rund 750 Kinder vermittelt.

Gönemann betreut Zwillinge auf ihrem Schoß beim Rückflug

Gönemann betreut Zwillinge

Garnier-Merz privat

Der Verein informiert Adoptionswillige über alle notwendigen und formellen Voraussetzungen für die Durchführung einer Adoption. Garnier-Merz: „Wir beraten und helfen bei der Zusammenstellung aller notwendigen Papiere und der Versendung der Dokumente an die zuständigen Stellen der jeweiligen Behörden im Ausland. Im Anschluss an die Adoption bieten wir Hilfestellung bei der Integration der Kinder fremdländischer Herkunft in unsere Gesellschaft. Bis zu fünf Jahre begleiten wir die Familien. Zu vielen der Familien ist auch eine enge Freundschaft entstanden.“

Das Adoptivkind ist mit Mundschutz am Flughafen zu sehen

In Deutschland angekommen. Jetzt sind die neuen Eltern nicht mehr weit

Garnier-Merz privat

Garnier-Merz abschließend: „Wir sehen es als unsere Aufgabe, für adoptionsbedürftige, verlassene und verwaiste Kinder aus dem Ausland Eltern zu finden und ihnen so eine neue Familie und ein liebevolles Zuhause zu schenken. Unser Hauptziel ist dabei das Wohl des Kindes.''

von Jörg Dilthey  E-Mail schreiben