Kein Spaziergang: Ziviles Studium bei der Bundeswehr

Kein Spaziergang: Ziviles Studium bei der Bundeswehr

  • Studium
  • Personal
Datum:
Ort:
Mannheim
Lesedauer:
3 MIN

Der 35-jährige Hauptfeldwebel und Regierungsinspektor-Anwärter Daniel Lieb begann im April 2019 sein Studium „Bachelor of Public Administration“ an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Bundeswehrverwaltung, kurz HS BundHochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung - FB BWVFachbereich Bundeswehrverwaltung. Und das als „Spätstudent“ und Pionier. Denn diesen Studiengang hat es vorher nicht gegeben. Wie geht es ihm seitdem? Wir haben ihn gefragt.

Ein Mann mit sehr kurzen Haaren und Drei-Tage-Bart im schwarzen Polohemd. Er sitzt an einem Schreibtisch mit PC und Unterlagen.

Daniel Lieb: „Das Studium verlangt mir einiges ab!“

Daniel Lieb/Privat


Vor ziemlich genau einem Jahr wusste er noch nicht, was ihn erwartet. Wie wird es als Student sein? Vor allem als Mitte-Dreißig-Jähriger? Wie ist der Unterricht? Findet er nette Leute, die auch in seinem Alter sind? Wird er sich in Mannheim wohlfühlen? „Aus heutiger Perspektive kann ich sagen, dass meine Sorgen und Zweifel größtenteils unbegründet waren“, berichtet Daniel Lieb.

Der 35-Jährige hat mit dem Beginn des Studiums die Beamtenlaufbahn angetreten. Seine militärische Laufbahn endet in etwa einem Jahr und er ist bis dahin freigestellt, um sich in Vollzeit dem Studium zu widmen. Er hat somit im Moment noch einen Doppelstatus: Regierungsinspektor-Anwärter und Hauptfeldwebel.

Zwei Lerntypen

Seit seiner letzten Lernphase als Schüler hat er viel an Lebenserfahrung und Beobachtungsgabe hinzugewonnen. „Wenn sich der Hörsaal füllt und die Prüfung geschrieben werden müssen, fallen mir immer zwei Typen von Studierenden ins Auge.“ Auf der einen Seite seien es die Organisierten: „Sie haben schon vor Wochen angefangen zu lernen, legen ihre Utensilien zurecht wie ein Arzt vor einer Operation und unterhalten sich mit ihren Kommilitonen über Belangloses. Bloß nicht mehr an die Klausur denken, bevor es los geht“, erklärt Lieb. Auf der anderen Seite seien die Nachteulen, die noch 30 Minuten vor Prüfungsbeginn mit verquollenen Augen über ihren Notizen hocken und sich gegenseitig mit Fragen verrückt machen. Neben dem Wirrwarr an Notizzetteln stünde da ein extra großer Kaffeebecher, um die Müdigkeit zu vertreiben. Viel geschlafen hätten sie nicht, ihre Augen zeigten die Spuren der durchgelernten Nacht, führt Daniel Lieb fort.

Zu welcher Gruppe er denn nun gehöre? „Nun, ich gebe zu, dass ich mich im ersten Semester eher zu der zweiten Gruppe dazugehörig fühlte. Ich habe es etwas zu locker angehen lassen.“ Er habe für sich festgestellt, dass ihm das Lernen wesentlich schwerer falle, als noch vor ein paar Jahren. „Man rutscht wieder so in dieses altbekannte 'ökonomische Prinzip der Schüler': Mit dem geringsten Aufwand das größtmögliche erreichen zu wollen“, schmunzelt Lieb. Jetzt habe er aber einen guten Rhythmus gefunden und er komme recht gut mit. Seine Lieblingsfächer seien übrigens Personalwesen, Verwaltungs- und Zivilrecht.

Ein Mann mit wenig Haaren im dunkelblau-weiß gestreiften Polohemd. Er steht vor einer schwarzen Tür.

Lieb beginnt seine erste Praktikumsphase im Bundeswehr Dienstleistungszentrum Aachen

Daniel Lieb/Privat

Studieren in Zeiten von Corona

Die Situation an deutschen Hochschulen angesichts der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie und deren Auswirkungen auf Studium, Lehre und Forschung stellt Studierende und Lehrende vor große Herausforderungen. Auch die HS BundHochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung - FB BWVFachbereich Bundeswehrverwaltung. Hier arbeiten die Studierenden während des Studiums schon in ihren späteren Tätigkeiten bei der Bundeswehr. „Eigentlich sollte jetzt meine Praxisphase im Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in Aachen beginnen. Aber durch die Coronakrise wurde ich spontan zum Home-Office bzw. Selbststudium angehalten. Leider musste ich auch auf einen Ausbildungsabschnitt beim Karrierecenter der Bundeswehr in Dresden verzichten. Soweit ich weiß, wird es aber voraussichtlich recht bald in Aachen losgehen.“ Diese Praktikumsphase werde sechs Monate dauern und die Schwerpunkte „Personalwesen“ und „Facility Management“ beinhalten.

Seine Prüfungen waren glücklicherweise nicht von der Coronakrise betroffen. „Wir haben so gerade noch die Kurve gekriegt. Unsere Prüfungsphase für das zweite Semester war Mitte März beendet. Anschließend erst folgte der Lock-Down“, erinnert er sich.

Insgesamt haben von den anfänglich 100 Studierenden in der Zwischenzeit dreizehn „das Handtuch geworfen“. Die Gründe waren verschieden. Entweder wurden die Prüfungen nicht geschafft oder es gab familiäre Gründe für einen Abbruch. Daniel Lieb: „Ich bin aber guter Dinge. Meine neun Prüfungen und die Hausarbeit habe ich alle bestanden. Ich freue mich auf das Praktikum, um das theoretische Wissen nun praktisch anwenden zu können“.

Wir werden ihn weiterhin begleiten.

von Jörg Dilthey  E-Mail schreiben

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