Freiwillig im Krankenhaus: Helfen in der Coronakrise

Freiwillig im Krankenhaus: Helfen in der Coronakrise

  • Coronavirus
  • Personal
Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
3 MIN

Eigentlich hätte sie am 1. April ihren Dienst als Redakteurin im Presse- und Informationszentrum (PIZ) Personal in Köln angetreten, doch das muss warten. Es kam anders. Oberleutnant zur See Katharina Knauth hat sich spontan entschlossen, während der Corona-Krise im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz auszuhelfen. Ein Job der ihr vieles abverlangt, ihr aber auch ein gewisses Gefühl von Glück vermittelt.

Eine Soldatin in weiß mit Mundschutz neben dem Schild des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz

Oberleutnant zur See Katharina Knauth hat sich freiwillig gemeldet, um im Bundeswehrzentralkrankenhaus zu helfen

Bundeswehr


Ausgestattet mit Mundschutz, Schutzkleidung und Schutzbrille arbeitet Oberleutnant zur See Katharina Knauth aktuell im Zentrallabor des Bundeswehrzentralkrankenhauses in Koblenz. Die Marinesoldatin ist dort in der Labordiagnostik eingesetzt. Sie führt die laboratoriumsmedizinische Untersuchungen durch, die von den Ärztinnen und Ärzten für die Krankheitserkennung, Krankheitsbehandlung und Krankheitsvorsorge benötigt werden. Sie analysiert Körperflüssigkeiten wie Blut und Urin, bereitet Proben menschlichen Gewebes für die Untersuchung vor, bestimmt Krankheitserreger und testet die Wirksamkeit von Antibiotika. „Das ist schon eine verantwortungsvolle Aufgabe. Für mich ein besonderer Umstand, dass ich hier unterstützen kann“, sagt sie. Dass sie diesen Job erst seit gut vier Wochen macht, merkt man der 32-jährigen nicht an, denn die Materie ist der ausgebildeten medizinisch-technischen Laborassistentin nicht fremd.

Helfer entlasten Klinik

Wie sechs andere Kameradinnen und Kameraden hat sich Katharina Knauth freiwillig gemeldet. Sie helfen im Krankenhaus an der vordersten Front im Kampf gegen das Coronavirus. Für das Krankenhaus sind die freiwilligen Helferinnen und Helfer in Zeiten der Corona-Pandemie besonders wichtig, um zum reibungslosen Betrieb beizutragen. Katharina Knauth zeigt in der Krise großen persönlichen Einsatz und hilft nachhaltig.

Eine Frau in weißem Kittel ist von der Seite zu sehen. Sie hat Röhrchen mit Flüssigkeiten in der Hand

Die Blutprobe dient als erster Schritt zur Diagnose (Beispielbild)

Pixabay

Keine Angst vor einer Corona-Infektion

Die Nachtschicht geht von 22 bis 7 Uhr. Ein völlig ungewohnter Umstand. Als Redakteurin ist Schichtbetrieb ein Fremdwort. In einem Krankenhaus ist dies aber Gang und Gäbe. Knauth bestimmt Blutproben im Minutentakt, auch nachts. Angst vor einer Infizierung hat sie keine. „Dadurch, dass ich hauptsächlich hier im Zentrallabor tätig bin, komme ich in keinerlei Kontakt zu den Patienten.“ Allein das wiederholte Auftreten bestimmter Blutproben verriete ihr die Anwesenheit bestimmter Patientinnen und Patienten. „Es ist schon ein komischer Umstand, dass das Gesicht eines Patienten bei mir aus einem Röhrchen gefüllt mit Blut besteht.“

Hilfe für italienische COVID-19Coronavirus Disease 2019-Patienten

Wegen der dramatischen Notlage norditalienischer Krankenhäuser hatte die Bundeswehr im März Patienten zur Behandlung nach Deutschland gebracht. Mit dem Airbus A310 MedEvacMedical Evacuation, der fliegenden Intensivstation der Luftwaffe, wurden sechs beatmete Menschen von Bergamo nach Köln geflogen. Die schwerkranken Menschen stammten aus den besonders betroffenen Regionen Lombardei und Piemont. Drei dieser Patienten wurden im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt und konnten gerettet werden. „Das war schon ein besonderes Gefühl der Freude. Zwar erschöpft vom täglichen Dienst, aber mit einem Gefühl des Glücks dann schlafen zu gehen, das hat mich sehr erfüllt.“

Eine Soldatin in weißer Uniform.

Aufgrund ihrer Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Laborassistentin ist Knauth eine große Hilfe im Bundeswehrzentralkrankenhaus

Bundeswehr


Weiss statt Grün

Ihr erster Arbeitstag begann übrigens an einem sonnigen Montag, erinnert sie sich. Als Erstes musste sie eingekleidet werden. Die Uniform wich einem Mundschutz, einer weißen Hose und einem weißen Laborkittel. Was ihr besonders auffiel: Im Foyer des Krankenhauses herrschte eine gespenstische Leere. Besucher und Patientinnen suchte man hier vergebens. Die Klinik wurde nahezu abgeriegelt, es gibt nur wenige Ausnahmen. Die Akribie, mit der man das Krankenhaus auf die Coronafälle vorbereitet habe, beruhige sie, sagt Knauth. Die Stationen wurden nahezu leer geräumt, um einem plötzlichen Patientenaufkommen gerüstet zu sein.

Nach zwei Monaten wird ihre Zeit im Bundeswehrzentralkrankenhaus allerdings zu Ende gehen, denn dann endet ihre Kommandierung nach Koblenz. „Ich freue mich jetzt auf meine neue Tätigkeit als Redakteurin im PIZ Personal. Die Diagnostik von Artikeltexten ist bestimmt sicherer, als die von Blutproben“, scherzt sie.

von Jörg Dilthey  E-Mail schreiben

Lesen Sie mehr: