Vom Unteroffizier zum Feldwebel- ein Soldat berichtet

Vom Unteroffizier zum Feldwebel- ein Soldat berichtet

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Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
4 MIN

Undurchlässiges Laufbahnprinzip? Von wegen! Wer Soldatin oder Soldat werden will, hat mit dem nötigen Fleiß und Engagement im Laufe seiner Karriere die Möglichkeit in eine höhere Laufbahn zu wechseln.

Wer sich für den Soldatenberuf interessiert, aber noch nicht im Detail weiß, wohin ihn dieser Weg führt, muss vor der Einplanung in eine Laufbahn nicht zurückschrecken. Denn das muss keine Einbahnstraße sein. Die Bundeswehr bietet attraktive Berufs- und Aufstiegschancen. So haben Angehörige der Mannschafts- und Unteroffizierslaufbahn unter gewissen Voraussetzungen die Chance aufzusteigen.

Der 27 Jahre alte Stabsunteroffizier und Feldwebelanwärter Kevin Schäfer hat sich dafür entschieden, aus der Laufbahn der Unteroffiziere in die nächsthöhere, die der Feldwebel, zu wechseln. 2015 kam der gebürtige Rheinländer zur Bundeswehr. Weil er nach seinem Realschulabschluss schon eine Ausbildung zum ITInformationstechnik-Systemkaufmann absolviert hatte, wurde er nicht als Mannschafter eingestellt, sondern erhielt direkt den Dienstgrad Stabsunteroffizier. Sein erster Dienstposten war im Stabsdienst des Heeres als Geschäftszimmersoldat in Kümmersbruck bei Amberg.

Mit dieser Tätigkeit konnte sich Schäfer jedoch nicht 100-prozentig identifizieren. „Ich wollte zurück in die ITInformationstechnik, weil es das ist, was mir wirklich liegt“, sagt er. Noch im selben Jahr ließ er sich auf einen Dienstposten als Webmaster beim Presse- und Informationszentrum Personal in Köln versetzen. Damit war der damals 24-Jährige seinem Zuhause zwar räumlich etwas nähergekommen, in beruflicher Hinsicht war die Endstation für ihn aber noch nicht erreicht.

„Ich wusste schon von Anfang an, dass es die Möglichkeit zum Laufbahnwechsel gibt“, sagt Schäfer. Bereits bei seinem Einstieg in die Bundeswehr wollte er in die Laufbahn der Feldwebel, was für ihn damals aber aufgrund mangelnder Erfahrung noch nicht möglich war.

Wie läuft der Wechsel ab?

So beantragte der Soldat über seinen Vorgesetzten den Wechsel in die Feldwebellaufbahn. Sein Personalsachbearbeiter beriet ihn und schlug ihm verschiedene Dienstposten vor. „Ich war sehr froh, dass ich zwischen mehreren Tätigkeiten wählen durfte“, sagt er. Das sei der Tatsache geschuldet, dass ITInformationstechnik-Fachpersonal derzeit sehr gesucht sei.

Unteroffizier Kevin Schäfer sitzt am Schreibtisch und bereitet sich auf seine Lehrgänge vor

Unteroffizier Kevin Schäfer bereitet sich auf verschiedene Lehrgänge vor

PIZ Personal / Bundeswehr

Die erste Hürde: Die Eignungsfeststellung

Die körperliche Eignung konnte Schäfer als aktiver Soldat bereits vorweisen. Deswegen musste er für das Eignungsfeststellungsverfahren nur noch den computergestützten Test und ein psychologisches Gespräch im Karrierecenter der Bundeswehr III in Düsseldorf bestehen. Neben Fragen, die speziell seine spätere Verwendung als ITInformationstechnik-Feldwebel betrafen, wurde er im psychologischen Test nach seiner Motivation befragt, die Herausforderung „Laufbahnwechsel“ auf sich nehmen zu wollen. Er beantwortete auch Fragen zu seiner Einsatzbereitschaft und es ging darum, ob seine Familie bei einem solchen Wechsel hinter ihm stehe.

Denn: „Man muss diese Entscheidung mit allen möglichen Folgen von vornherein zu Hause kommunizieren“, sagt der zweifache Familienvater deutlich. „Wenn man sich in der Familie über den Schritt nicht einig ist, dann funktioniert es nicht.“ Seine Frau wusste von Anfang an, dass er einen Wechsel ins Auge gefasst hatte und wurde von ihm auch über die damit einhergehenden Folgen aufgeklärt. „Man ist wieder oft auf Lehrgängen und kann in diesen Zeiträumen dann nur an den Wochenenden bei der Familie sein“, sagt Schäfer.

Kevin Schäfer steht mit Frau und Sohn im Flur seiner Wohnung

Den Schritt, die Laufbahn zu wechseln, hat Schäfer mit seiner Familie im Vorhinein abgesprochen

Copyright Bw

Warmlaufen: Die Allgemeinmilitärischen Lehrgänge

Nachdem bei ihm die Feldwebeleignung festgestellt wurde, begannen die Allgemeinmilitärischen Lehrgänge. Mit diesen Lehrgängen werde man als Soldat befähigt, Führung zu übernehmen und als militärischer Führer ausgebildet, erklärt der Stabsunteroffizier. „Man bekommt einen individuellen Lehrgangsplan. Das hängt von der jeweils geplanten Verwendung und von den mitgebrachten Qualifikationen ab.“

Zu den Lehrgängen, die Schäfer bereits absolviert hat, sagt er, dass sie auf jeden Fall machbar seien, wenn man sich hinsetzen und dafür lernen würde. Ein Lehrgangstag sei nicht zu vergleichen mit einem normalen Arbeitstag, an dem man um 16 Uhr Dienstschluss habe und dann auch tatsächlich in den Dienstschluss entlassen sei. „Meistens habe ich die Lernunterlagen nach dem Unterricht mitgenommen und abends ausgearbeitet, um den Lernstoff besser behalten zu können“, erzählt er.

Der Laufbahnwechsler wird dazu umfassend mit dem gesamten Unterrichtsmaterial versorgt. „Es wird sich absolut gekümmert“, sagt Schäfer. Außerdem sei die Arbeit an seinem Lehrgangsplatz durchaus machbar. Im Regionalzentrum West des Zentrums für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr in Köln-Wahn, wo er eingesetzt ist, werde die anstehende Arbeit frühzeitig auf Vertreter verteilt.

Oberstabsfeldwebel Gärtner steht neben Schäfer, der am Schreibtisch sitzt. Er erklärt wichtige Unterlagen.

Unterstützt wird Schäfer auch direkt am Arbeitsplatz von seinen Kameraden: Oberstabsfeldwebel Frank Manuel Gärtner steht mit Rat und Tat zur Seite

PIZ Personal / Bundeswehr

Ausdauer gefragt: Die Fachlehrgänge

Den Fachlehrgängen, die zum Teil noch auf Schäfer zukommen, sieht er sehr zuversichtlich entgegen. Unter anderem wird er dort als ITInformationstechnik-Administrator, Krypto-Verwalter und in einem Sprachlehrgang in Englisch ausgebildet.

Die Grundlagen sind aus seiner zivilen Ausbildung bereits vorhanden. „Da ist das Verständnis für bestimmte ITInformationstechnik-Systeme wahrscheinlich schon etwas größer, als für Teilnehmer, die diese Vorkenntnisse nicht haben. Aber wenn man sich für die Thematik interessiert und motiviert ist, klappt es auch ohne“, ist sich Schäfer sicher.  „Die nächsten Lehrgänge werden jetzt zeitlich dicht hintereinander stattfinden, was aber auch ganz gut ist“, sagt er, „weil man sie dann in einem Rutsch durchbekommt.“ Das sei ihm sehr recht so, da man dadurch zum einen gedanklich noch im Lernstoff sei und zum anderen alles zeitnah abgearbeitet habe.

Unteroffizier Kevin Schäfer steht vor dem Dienstgebäude

Der Feldwebel in spe ist glücklich, den Schritt gegangen zu sein

PIZ Personal / Bundeswehr

Auf der Zielgeraden: der letzte Lehrgang bis zur Beförderung

Sein wichtigster Lehrgang wird voraussichtlich im September 2019 stattfinden. Mit bestandener Abschlussprüfung kann er anschließend vom Stabsunteroffizier zum Feldwebel befördert werden. Schäfer freut sich auf seinen Dienstposten als ITInformationstechnik-Feldwebel im Sachgebiet „Prüfteams Krypto West“ im Zentrum für Cyber-Sicherheit, das er jetzt schon kennengelernt hat.

Auch wenn der Laufbahnwechsel zunächst wieder häufiges Reisen, Getrennt-Sein von der Familie und Lernen bedeutet, rät Schäfer denjenigen, die darüber nachdenken, diesen Schritt auch zu gehen: „Für mich war und ist es das Beste, was ich überhaupt machen konnte. Man macht es ja auch letztlich für sich selber, weil es einen persönlich voranbringt.“


von Carlotta Witt  E-Mail schreiben