Vom Zeitsoldaten zum Erfinder und Unternehmer (Teil 2)

Vom Zeitsoldaten zum Erfinder und Unternehmer (Teil 2)

  • Berufsförderungsdienst
  • Personal
Datum:
Ort:
Magdeburg
Lesedauer:
4 MIN
Mit ihrer Firma Inflotec produzieren Martin Drewes und Martina Findling Systeme für saueres Wasser

Martin Drewes und seine Geschäftspartnerin Martina Findling. Gemeinsam haben sie die Firma Inflotec gegründet.

Bundeswehr / Darius Retzlaff

Schon als kleiner Junge fasziniert Martin Drewes alles Technische, er tüftelt, repariert und probiert aus. Später wird er Pionier bei der Bundeswehr und gefragter Spezialist. In seinen Auslandseinsätzen lernt er die Not der Menschen kennen. Nach seinem Studium bringt Drewes das alles zusammen – und entwickelt Systeme für sauberes Trinkwasser. Dabei hilft ihm sein Studium über den Berufsförderungsdienst (BFDBerufsförderungsdienst der Bundeswehr) der Bundeswehr – und das Weltraumklo im Space Shuttle!

Bereits während seiner Bundeswehrzeit hat Drewes immer wieder Ausbildungen absolviert, sich ständig weiterentwickelt und zusätzliche Qualifikationen erworben. „Das war Teil unseres Denkens als Pioniere, dass man breites Wissen hat und für alle möglichen Aufgaben eingesetzt werden kann“, erinnert sich Drewes. „Als Zugführer war ich auch selbst dafür verantwortlich, dieses Wissen an meine Leute weiterzugeben.“

Pioniere verlegen eine Wasserleitung in einem Fedlager

Als Pionier im Auslandseinsatz beschäftigt sich Drewes zum ersten Mal intensiv mit Wasseraufbereitung.

SKA/IMZBw

Das sei eine schöne Herausforderung und ständige Abwechslung gewesen, die er später in zivilen Berufen vermisst habe. „Nach meiner Ausbildung zum KfZ-Meister habe ich in einem Bergbauunternehmen gearbeitet“, aber schon bald habe er sich dort etwas „eingeengt“ gefühlt, schmunzelt Drewes. „Nicht wegen der Arbeit unter Tage, sondern weil mir diese Vielfalt an Aufgaben gefehlt hat.“

Auf der Suche nach neuen Perspektiven hilft wieder der BFDBerufsförderungsdienst der Bundeswehr. Sein „Konto“ für Bildungsmaßnahmen ist noch nicht ausgeschöpft. Sogar jetzt, rund zwei Jahre nachdem er aus der Bundeswehr ausgeschieden ist und bereits eine Meisterausbildung geschafft hat, ist sein Berater weiter für ihn da. Er berät ihn bei der Frage, wie die ihm noch zustehenden Ansprüche verwendet werden können. Schnell sind sie sich einig – und das Ingenieurstudium kommt ins Spiel.

Studium als Aufsteiger

Sichtlich stolz ist Drewes darauf, sein Studium als „Aufsteiger“ zu beginnen. Als einziger seines Jahrgangs studiert er auf dem zweiten Bildungsweg. Seine Studienberechtigung hat er über seine Meisterqualifikation erworben. Schnell erwirbt sich der versierte Praktiker den Respekt seines Umfelds, wird wissenschaftliche Hilfskraft, später Assistent seines Professors.

Martin Drewes erklärt eine Planzeichnung

Als versierter Techniker ist Drewes ganz in seinem Element, wenn er die Technik seiner Erfindungen erklärt.

Bundeswehr / Darius Retzlaff

Hier erwirbt er nicht nur Wissen und akademische Weihen. Aus seinen Projektarbeiten über Wasserräder schöpft er neue Ideen für seine Erfindungen. Als Drewes die technischen Details beschreibt, ist er ganz in seinem Element - und für einen Moment glaubt man wieder den kleinen Jungen zu erkennen, der in der Garage an seiner „Schwalbe“ schraubt.

Bei den Schaufelrädern geht es vor allem darum, Materialverschleiß zu mindern und die Wasserkraft optimal zu nutzen. Wenn sich ein Wasserrad mit der Strömung dreht, schiebt es an seiner Vorderseite eine kleine Bugwelle vor sich her. Diese Bugwelle bremst und reduziert so die erzeugte Kraft. Das mindert die Effizienz und wirkt langfristig auch ermüdend auf das eingesetzte Material.

Mit einem Blatt Papier erklärt Ingenieur Martin Drewes, welche Kräfte auf ein Wasserrad wirken

Der Biegungsgrad der Wasserräder ist ein entscheidender Faktor, bestimmt Energieausbeute und Materialermüdung.

Bundeswehr / Darius Retzlaff

“Schwimmende Pumpe“ für sauberes Trinkwasser

Sein Wasserrad ist daher leicht gebogen. Welcher Biegungsgrad den besten Ertrag bringt, kann berechnet werden. Genau darum ging es in Drewes Projektarbeit an der Universität Magdeburg. Und jetzt dienen perfekt gebogene Schaufelräder dazu, einen gleichmäßigen Wasserstrom auf die Filter seiner Maschinen zu heben, wobei allein die Wasserkraft die Pumpen antreibt.

Es muss immer genau die richtige Menge Wasser auf die Filter gelangen. Die Konstruktion als „schwimmende Pumpe“ stellt das sicher. Schwankende Wasserstände, etwa während Regenzeiten oder nach einer Flutkatastrophe, gleicht das kleine Boot in einem fließenden Gewässer von selber aus. Ein wichtiger Vorteil gegenüber einer festen Installation.

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Das System besteht aus zwei Schwimmkörpern und ist auf einem Fluss vertäut. Dazwischen befindet sich ein Wasserad.

Das kleine Boot mit Schaufelrad ist so konstruiert, dass es ganz von alleine einen gleichmäßigen Zufluss auf die Filter ermöglicht.

Firma Inflotec
Auf der Rückseite des kleinen Bootes sind die Filters angebracht. Hier kann man eine Leitung für das Trinkwasser anschließen.

Das Filtersystem funktioniert ohne Elektrizität und ständigen Wartungsaufwand. Es kann rund 30 Personen pro Tag mit Trinkwasser versorgen.

Firma Inflotec

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Inspirationsquelle Weltraumklo

Inspirationen für sein Projekt kamen aber nicht nur aus seinem Studium oder seiner Zeit bei der Bundeswehr. Mindestens genauso wichtig war eine Fernsehsendung für Kinder mit einem berühmten Nagetier. Es ging um eine Weltraumtoilette in einem Space Shuttle. „Die Kunst besteht nicht immer darin, etwas komplett Neues zu erfinden, sondern bereits Bestehendes neu zu kombinieren. Und in der Sendung habe ich zum ersten Mal vom Weltraumklo gehört“, lacht Drewes.

Das sei nicht nur für Kinder hochspannend, sondern auch für alle, die sich professionell mit den technischen Feinheiten von Wasserkreisläufen befassen. Ihm hatten es vor allem die Filtersysteme angetan – und das Glück war auf seiner Seite! „Gerade zu dieser Zeit ist das Patent abgelaufen und nach einem Anruf bei der NASA konnte ich die Pläne für die Spezialfilter im Internet herunterladen.“

Einfach, zuverlässig – soldatensicher!

Einfache und kostengünstige Lösungen, die zuverlässig auch unter schwierigen Umweltbedingungen funktionieren, nicht störanfällig sind und auch von Personen bedient werden können, die keine Spezialisten sind. Dies seien, grob zusammengefasst, auch die Anforderungen, die das Technische Hilfswerk (THW) an solche Wasseraufbereitungsgeräte stellt. Daraufhin habe er eine solche „soldatensichere Lösung“ entwickelt, meint Drewes. Ein zuverlässiges Produkt, das hohe Qualität auch unter schwierigsten Bedingungen garantiert und dabei sicher und einfach zu bedienen ist.

Im Vordergrund steht eine Flasche mit Trinkwasser, dahinter der Erfinder. Symbol für die Produkte der Firma.

Sauberes Trinkwasser, wo es am dringendsten gebraucht wird. Die Produkte von Inflotec sollen auch unter schwierigsten Bedingungen funktionieren.

Bundeswehr / Darius Retzlaff

Außerdem sollte alles so konstruiert sein, dass es ohne Hilfe von Fachkräften gewartet und zusammengesetzt werden kann. „Dazu habe ich ein System genutzt, dass ich in ähnlicher Form aus dem Einsatz kannte“, erläutert Drewes. Farbliche Markierungen zeigen auch Laien, welche Teile zusammengehören. Ein einfaches Stecksystem ermöglicht dann das Zusammensetzen ohne Spezialwerkzeug.

Das richtige Umfeld für eine gute Idee

Aber technisches Know-How alleine reicht nicht, wenn aus einer guten Idee ein gutes Produkt werden soll. Es braucht auch einen Businessplan, Produktdesign und ein Umfeld, das alles zur richtigen Zeit zusammenbringt. An der Hochschule Magdeburg-Stendal hat er dieses Umfeld gefunden und mit seiner Geschäftspartnerin Martina Findling eine Helferin auf dem gemeinsamen Weg zum eigenen Unternehmen. Und nicht zuletzt halfen ihm seine Erfahrungen als Soldat und sein Studium über den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr.

von Ulrich Veen  E-Mail schreiben

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