ZAW-Notfallsanitäter: Ernstfall üben von zu Hause

ZAW-Notfallsanitäter: Ernstfall üben von zu Hause

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  • Personal
Datum:
Ort:
Schwerin
Lesedauer:
3 MIN

Wegen der Coronakrise hat der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr in Schwerin seine Ausbildung von ZAW-Notfallsanitätern kurzfristig umgestellt. Statt im Präsenzunterricht werden die theoretischen Kenntnisse per Internet vermittelt. Wie das so funktioniert, hat uns Obermaat Jan Strohdeicher erzählt.

Ein junger Mann mit dunklen Haaren sitzt vor seinem Laptop. Er blickt über die Schulter in die Kamera.

Obermaat Jan Strohdeicher: „E-Learning klappt ganz gut, trotzdem fehlt der persönliche Kontakt."

Jan Strohdeicher/privat

Für Obermaat Jan Strohdeicher hat endlich der praktische Anteil seiner Ausbildung zum Notfallsanitäter begonnen. In den vielen Wochen zuvor war E-Learning von zu Hause angesagt – über verschiedene Lernplattformen, E-Mails, Videokonferenzen und Chats. „Das hat den Umständen entsprechend sehr gut funktioniert“, sagt der Soldat auf Zeit. „Unsere Dozenten haben mit umfangreichen Aufgaben dafür gesorgt, dass wir ständig im Lernprozess waren.“ Aber E-Learning könne den Präsenzunterricht nie ganz ersetzen, sagt er weiter. Ihm fehle der Austausch unter seinen Mitschülern. „Unsere Ausbildung ist sehr praxisorientiert. Wir müssen unser gelerntes Wissen an verschiedenen praktischen Fallbeispielen üben und ausprobieren. Das fällt gerade komplett weg und das fehlt mir sehr. Ich hoffe, dass sich das in der Praxisphase jetzt nachholen lässt“.

Für den späteren Beruf der Auszubildenden sind methodische und soziale Kompetenzen unabdingbar, eine direkte Kommunikation und Interaktion im Unterricht zentral. „Daher freue ich mich jetzt umso mehr, dass ich nun in der Lehrwache des Deutschen Roten Kreuzes in Sternberg den vergangenen, von Isolation geprägten Home-Schooling-Part durch praxisbezogene Tätigkeiten vertiefen kann.“

ZAW: Was ist das?

Seit Anfang 2018 befindet sich der 22-jährige Marinesoldat in der zivilen Aus- und Weiterbildungsmaßnahme, kurz ZAW, zum Notfallsanitäter. Aktuell absolvieren insgesamt 15 weitere Auszubildende die Ausbildung in seiner Klasse. Diese wird vom Berufsförderungsdienst der Bundeswehr Schwerin, als fachlich zuständige Stelle, der Ecolea Neubrandenburg als ziviler Bildungsträger und der ZAW-Betreuungsstelle Neubrandenburg durchgeführt. Mit der Zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung bietet die Bundeswehr ihren Soldaten auf Zeit eine Berufsausbildung mit staatlich anerkanntem Abschluss. Die Abschlussprüfung wird beim Landesprüfungsamt abgelegt. Die Berufsausbildung für die Bundeswehr übernehmen dabei zivile Bildungsträger.

Ein junger Mann in der Uniform eines Sanitäters steht vor einem weiß-roten Krankenwagen mit der Aufschrift "Rettungsdienst"

Im Mai begann für Obermaat Jan Strohdeicher seine praktische Phase beim Deutschen Roten Kreuz

Jan Strohdeicher/privat


Praktischer Dienst in Zeiten von Corona

Notfallsanitäter sind die ersten Personen, die verletzte und kranke Menschen in Notfällen medizinisch versorgen. Sie entscheiden über die Notwendigkeit ärztlicher Unterstützung und leiten lebensrettende Sofortmaßnahmen ein. Sie assistieren bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten und führen eigenständig ärztlich veranlasste Schritte durch. Sie transportieren und betreuen Patientinnen und Patienten fachgerecht. Corona wird für Jan Strohdeicher in der nun folgenden Praxisphase eine besondere Herausforderung. „Wir müssen jede gemeldete Atemnot zunächst als COVID-19Coronavirus Disease 2019-Verdacht annehmen und vom Schlimmsten ausgehen“, sagt er. 

Schutzanzug, Atemschutzmaske, Schutzvisier und Haube wird nun zusätzlich sein Arbeitsoutfit erweitern. Denn Nähe zu Patientinnen und Patienten und Körperkontakt sind in Strohdeichers Beruf unvermeidlich und oft überlebenswichtig. Mit Abstand könne niemand gerettet und im Notfall keinem geholfen werden, sagt er. Nach Patientinnen und Patienten mit Corona-Verdacht muss der ganze Rettungswagen geputzt und desinfiziert werden. Auch die Sanitäter müssen sich umziehen und duschen. Das dauert bis zu einer Stunde. Zeit, in der Mannschaft und Wagen nicht einsatzbereit sind. Corona-Fälle seien für den Rettungsdienst wegen der hohen Infektionsgefahr besonders heikle Einsätze. „Dieser Umstand sorgt dafür, dass wir bereits in unserer Ausbildung sehr gebraucht werden und das ist ein tolles Gefühl“, sieht der Marinesoldat in der Krise auch etwas persönlich Positives.

Anfang Februar 2021 wird Obermaat Strohdeicher seine Ausbildung beenden. Dann wird er seine Abschlussprüfung unter Aufsicht des Landesprüfungsamtes ablegen. Anschließend warten noch neun Jahre Dienstzeit als Soldat der Bundeswehr auf ihn. „Ich hoffe, dass ich die restliche Dienstzeit als Schiffsmedizinischer Assistent eingesetzt werden kann“.

von Jörg Dilthey  E-Mail schreiben