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Fragen und Antworten zur COVID-19Coronavirus Disease 2019-Impfung

Fragen und Antworten zur COVID-19Coronavirus Disease 2019-Impfung

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Schon Anfang Dezember wurde die 90-jährige Britin Margaret Keenan als erster Mensch gegen Sars-CoV2 geimpft. Und auch in Deutschland haben die Impfungen für Risikogruppen begonnen. Die wichtigsten Informationen rund um die Impfungen und die Auswirkungen auf die Bundeswehr haben wir im folgenden FAQFrequently Asked Questions zusammengestellt.

Eine Soldatin und ein Soldat im Gespräch am Schreibtisch mit Sicherheitsabstand und Coronamasken.

Vor der Impfung findet ein ärztliches Aufklärungsgespräch statt, um mögliche Kontraindikationen zu erkennen.

Bundeswehr/Markus Dittrich

Impfstoffsicherheit

Sind die Impfstoffe trotz der schnellen Zulassung sicher?

Ja, alle zugelassenen Impfstoffe sind sicher. Um eine schnelle Zulassung der Impfstoffe zu erreichen, werden beispielsweise die Sicherheitsbewertungen durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) parallel zu den laufenden Studienphasen vorgenommen. Die Studienphasen selbst können hinsichtlich Umfang und Zeit nicht verkürzt werden.

Dennoch ist es wahrscheinlich, dass auch in Deutschland ähnlich wie in anderen Staaten die Zulassung mit Auflagen verbunden sein wird, wie beispielsweise der Durchführung zusätzlicher Studien oder dem Nachreichen weiterer Daten aus laufenden Studien. Wichtig ist hier, dass fortlaufend ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis nachgewiesen wird.

Welche Arten von Impfstoffen gegen COVID-19Coronavirus Disease 2019 gibt es?

Derzeit gibt es rund 210 verschiedene Projekte zur Impfstoffentwicklung, die auf unterschiedlichen Ansätzen beruhen. Am weitesten im Entwicklungs- und Zulassungsprozess fortgeschritten sind aktuell die folgenden Impfstoffklassen, sodass für diese die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zulassung in Deutschland am höchsten ist:

mRNA-Impfstoffe: Bei diesen neuartigen Impfstoffen, die bereits als Impfstoffe gegen Krebserkrankungen in der Entwicklung sind, wird eine messenger RNA (mRNA), also Boten-Ribonukleinsäure (ein Teil der genetischen Information des Virus) eingeschlossen in winzig kleine Fett-Tröpfchen (Liposomen) in einige Körperzellen des Menschen eingeschleust. In den Zellen der geimpften Person wird dann anhand dieses „Bauplans“ ein Teil des Oberflächenproteins des Virus nachgebaut. Hier sind es die charakteristischen Spikes, die sicher jeder von den Abbildungen des Virus kennt. Darauf reagiert wiederum das Immunsystem mit der Bildung von Abwehrstoffen. Ein Vorteil der mRNA-Impfstoffe ist, dass diese schnell in großen Mengen hergestellt werden können, was natürlich ein großer Vorteil in der weltweiten COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie darstellt.

Vektor-Impfstoffe: Vektor-Impfstoffe enthalten Teile des Erbmaterials des SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2-Virus. Allerdings erfolgt die Einschleusung in die menschliche Zelle bei diesen Impfstoffen über ein ungefährliches, abgeschwächtes anderes Virus, in das die entsprechende genetische Information eingebaut wurde. Bei den Vektor-Viren kann es sich zum Beispiel um das bereits bekannte Impf-Masernvirus handeln.

Damit ähneln diese Impfstoffe den sogenannten Lebend-Impfstoffen, das heißt, dass Immunsystem des Menschen wird durch die Bildung von Bestandteilen des Virus (Antigen) aktiviert und erstellt selbst die erforderlichen Abwehrstoffe (zum Beispiel Antikörper). Wichtig zu wissen in diesem Zusammenhang: Es werden keine vollständigen und vermehrungsfähigen SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2 durch die menschlichen Zellen gebildet, weil die „Baupläne“ jeweils nur die Informationen für einzelne und genau definierte Bestandteile dieses Virus liefern.

Vektor-Impfstoffe zur Anwendung am Menschen wie beispielsweise der Impfstoff gegen Ebola sind bereits zugelassen.

Rekombinante Impfstoffe: Eine dritte Gruppe befindet sich aktuell ebenfalls in der Entwicklung, wird aber vermutlich nicht vor Mitte 2021 zur Verfügung stehen. Hierbei handelt es sich um rekombinante Impfstoffe. Bei der Entwicklung dieser Impfstoffe kommen Oberflächenproteine des SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2-Virus, vor allem das Spike-Protein, zur Anwendung. Diese Proteine werden rekombinant, das heißt, mit Hilfe eines Bakteriums hergestellt und anschließend in Kombination mit einem Hilfsstoff (Adjuvans) als Impfstoff eingesetzt.

Alle Impfstoffvarianten sind wissenschaftlich umfangreich getestet und sicher, auch da eine Empfehlung zur Anwendung in Deutschland erst nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung durch die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (STIKO), einer unabhängigen wissenschaftlichen Expertenkommission, erfolgen wird.

Kann die eingeschleuste RNA mein Erbgut verändern?

Durch die eingeschleuste mRNA kann es nicht zu Veränderungen des menschlichen Erbguts kommen, da das menschliche Erbgut im Zellkern der Körperzellen vorliegt, in den die mRNA nicht gelangt. Außerdem sind die Informationen des menschlichen Erbguts in Form von DNA, also mit einer anderen chemischen Struktur, gespeichert, die sich von der RNA des Virus-Erbguts deutlich unterscheidet. Darüber hinaus wird die mRNA innerhalb kurzer Zeit (wenige Tage) abgebaut und verbleibt nicht dauerhaft in den menschlichen Zellen.

Sind schon Nebenwirkungen einer Impfung bekannt?

Eine Hand hält eine Injektionnadel an den Oberarm einer zu impfenden Person

Wie nach jeder Impfung kann es durch die Injektion beziehungsweise durch die Aktivierung des Immunsystems zu Impfreaktionen kommen.

Bundeswehr/Michael Laymann

Wie bei jeder Impfung, kann es durch die Injektion beziehungsweise durch die Aktivierung des Immunsystems zu einer Schwellung an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, erhöhter Temperatur oder Muskelschmerzen kommen.
Zusätzlich können auch im allergische Reaktionen auftreten. Dies betrifft Menschen, die auch schon vorher von massiven allergischen Reaktionen betroffen waren und daher zum Teil bereits mit einem Notfallset zur Selbstbehandlung solch massiver allergischen Reaktionen ausgestattet waren. Nichtsdestotrotz ist es bei einer COVID19-Impfung wichtig, die Impfärztin, beziehungsweise den Impfarzt darauf hinzuweisen, wenn bereits allergische Reaktionen nach einer Impfung oder in einem anderen Zusammenhang aufgetreten sind.

Seit Beginn der Testphasen mit dem COVID19-Impfstoff sind rund neun Monate vergangen. In dieser Zeit sind andere schwerwiegende Nebenwirkungen, mit deren Auftreten man zu einem frühen Zeitpunkt nach der Impfung rechnen würde, wie bei beispielsweise neurologischen Ausfällen, in den Testgruppen nicht aufgetreten.

Auch seit Beginn der laufenden Impfkampagne sind bisher keine schwerwiegenden oder unerwarteteten Nebenwirkungen aufgetreten, die durch die Impfung ausgelöst wurden. Akute notfallmedizinische Maßnahmen nach einer Impfung, wie sie beispielsweise in einigen Impfzentren vorkamen, sind auf die Grunderkrankung der älteren Menschen zurückzuführen.

Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht fortlaufend Sicherheitsberichte zur den Nebenwirkungen der Impfung. Diese lassen sich hier abrufen.

Wie viele Impfungen sind für einen umfassenden Impfschutz notwendig?

Bei den Impfstoffen, die derzeit in Deutschland zugelassen sind, sind zwei Impfungen im Abstand erforderlich. Die Gabe der 2. Impfstoffdosis soll innerhalb des durch die Zulassungsstudien abgedeckten Zeitraumes, derzeit maximal 42 Tage, erfolgen. Sollte der empfohlene Abstand zwischen der 1. und 2. Impfstoffdosis überschritten worden sein, kann die Impfserie jedoch fortgesetzt werden und muss nicht neu begonnen werden. Allgemein ist zu beachten, dass die zweite Impfung mit dem gleichen Impfstoff wie die erste Impfung erfolgen muss.

Bin ich mit einer Impfung gegen eine Erkrankung mit COVID-19Coronavirus Disease 2019 geschützt?

Nach dem derzeitigen Wissensstand schützt die Impfung vor einer symptomatischen Infektion und vor einem schweren Verlauf. Ob die Impfung auch davor schützt, selbst für andere Personen infektiös zu werden, ist anhand der aktuell bekannten Daten noch nicht sicher zu beurteilen. Daher sind auch nach einer Impfung die AHA-Regeln weiter anzuwenden.

Welche Impfstoffe verwendet die Bundeswehr?

Diese Frage kann derzeit noch nicht beantwortet werden. Es ist aber davon auszugehen, dass es zur parallelen Verwendung verschiedener Impfstofftypen kommen wird, da die Verfügbarkeit der einzelnen Impfstoffe begrenzt sein wird.

Impfungen

Wann werden die Angehörigen der Bundeswehr geimpft?

Angehörige der Bundeswehr werden nach den Vorgaben der Ständigen Impfkommission und damit nach den gleichen Regeln wie die deutsche Bevölkerung geimpft. Innerhalb der Streitkräfte wird daher voraussichtlich medizinisches Personal beispielsweise an den Bundeswehrkrankenhäusern oder auch die sogenannten Helfenden Hände, die in den Alten- und Pflegeheimen eingesetzt sind, als erstes geimpft. Die genaue Reihenfolge der Impfungen wird durch die Bundeswehr zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Dienstweg kommuniziert.

Muss ich nach einer Impfung noch Alltagsmasken tragen?

Ja, dies ist weiter erforderlich, da die aktuell vorliegenden Daten noch nicht ausreichen, um beurteilen zu können, ob Geimpfte trotz Impfung andere Personen infizieren können.

Wünschenswert wäre es, dass durch die Impfung eine sogenannte sterile Immunität erreicht wird. Ob dies tatsächlich der Fall ist, ist derzeit aber noch unklar.

Durch wen werden Soldatinnen und Soldaten und die zivilen Angehörigen der Bundeswehr geimpft?

Dies befindet sich derzeit in Klärung. Denkbar sind verschiedene Möglichkeiten, die auch von der Menge des verfügbaren Impfstoffs abhängen.

Wie werden Angehörige der Bundeswehr im Ausland, beispielsweise Botschaftspersonal, geimpft?

Auch dies befindet sich derzeit in Klärung, allein schon deshalb, weil es nicht trivial ist, einen Impfstoff, der bei -70 Grad Celsius gelagert werden muss, in teilweise entlegenen Regionen dieser Welt zu bringen.

Wie werden Angehörige der Bundeswehr geimpft, die sich nicht täglich im Dienst und beispielsweise in einer ZAW-Maßnahme oder in Elternzeit befinden?

Dies befindet sich derzeit in Klärung. Denkbar sind verschiedene Möglichkeiten, die auch von der Menge des verfügbaren Impfstoffs abhängen.

Können auch Familienmitglieder durch die Bundeswehr geimpft werden?

Dies befindet sich derzeit in Klärung. Denkbar sind verschiedene Möglichkeiten, die auch von der Menge des verfügbaren Impfstoffs abhängen. Primär unterliegen Angehörige aber dem zivilen Gesundheitssystem.

Einsatz

Werden Soldatinnen und Soldaten auch in den Einsatzländern geimpft?

Dies befindet sich derzeit in Klärung. Denkbar sind verschiedene Möglichkeiten, die auch von der Menge des verfügbaren Impfstoffs abhängen. Ziel sollte jedoch sein, diese Impfung im Rahmen der Einsatzvorbereitung durchzuführen.

Werden Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der Einsatzvorbereitung geimpft?

siehe oben

Müssen geimpfte Soldaten die zweiwöchige Absonderung vor einem Einsatz absolvieren?

Da es sein kann, dass man trotz Impfung für andere ansteckend ist, ist auch dies ein Aspekt, der noch nicht abschließend beantwortet werden kann. Hinzu kommt, dass die isolierte Unterbringung vor der Einreise in das Einsatzland beziehungsweise das Einsatzkontingent zum Teil auch Forderungen der Gastländer beziehungsweise der entsendenden Organisationen wie beispielsweise den Vereinten Nationen entsprechen, sodass die Bundeswehr auch von diesen externen Vorgaben abhängig ist.


von Abteilung A Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr