Sanitätsdienst

Einsatzersthelfer Bravo: Ausbildung zum Lebensretter

Einsatzersthelfer Bravo: Ausbildung zum Lebensretter

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  • Sanitätsdienst
Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
4 MIN

Ein Versorgungskonvoi der Vereinten Nationen fährt auf einer Straße Richtung Norden. Plötzlich wird einer der LKWLastkraftwagen angesprengt und Schüsse fallen. Die Besatzung des Fahrzeuges ist schwer verwundet. Die Sicherungsgruppe erwidert das Feuer des Feindes. Jetzt gilt es die Verwundeten schnellstmöglich zu versorgen, um weiteren Schaden abzuwenden.

Zwei Soldaten versorgen die Halswunde der Simulationspuppe mit einem Notverband

Mit einem Notverband wird die kritische Halswunde des CAESAR versorgt

Bundeswehr/Michael Laymann

Genau solche Situationen trainieren die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer am Ausbildungs- und Simulationszentrum des Sanitätsregiments 2 in Koblenz. Sie befinden sich in der Ausbildung zum Einsatzersthelfer Bravo, einem zweiwöchigen Lehrgang, bei dem sie lernen, Leben im Einsatz zu retten.

„Um das Leben der Kameradinnen und Kameraden zu retten, müssen Verletzungen auf dem Gefechtsfeld schnell versorgt werden“, erklärt Hauptfeldwebel Daniel Wittgen. Er ist Notfallsanitäter im Sanitätsdienst der Bundeswehr und einer der Ausbilder auf dem Lehrgang. „Die Bundeswehr hat erkannt, dass bei Feindkontakt oder anderen Bedrohungen, eine sofortige Versorgung durch medizinisches Fachpersonal nicht immer möglich ist.“ Um die Zeitspanne bis zu einer ersten qualifizierten Versorgung durch Sanitätskräfte zu überbrücken, werden Soldatinnen und Soldaten der Kampftruppe und der Kampfunterstützer umfangreich in der notfallmedizinischen Erstbehandlung ausgebildet.

Im Ausbildungs- und Simulationszentrum

Ein Soldat kniet vor einem Verletzten und übt die Untersuchung

Alle Dienstgrade der Bundeswehr sind auf dem Lehrgang zu finden, sie alle lernen die gleichen Behandlungsmethoden

Bundeswehr/Michael Laymann

Zu Beginn des Lehrgangs erfolgt die Ausgabe der Sanitätsrucksäcke an die Teilnehmenden. In ihnen finden die Auszubildenden alles, was Sie für lebensrettende Notfallmaßnahmen brauchen. Doch bevor es in die Praxis geht, steht theoretischer Unterricht auf dem Programm. Hier werden von den Ausbildern die medizinischen Grundlagen vermittelt, um Vorgehensweisen in der Notfallmedizin besser zu verstehen. Dabei betont Ausbilder Wittgen: „Taktische Medizin ist Handarbeit und nur die Praxis hilft beim Erlernen.“

Schon am zweiten Tag geht es für die Soldatinnen und Soldaten daher in die Simulationshalle des Zentrums. In den Räumlichkeiten sind Alltagssituationen der Bundeswehr im Einsatz dargestellt: ein Checkpoint, ein Marktplatz und noch andere Szenarien. Der Checkpoint ähnelt einer Einfahrt in ein Feldlager. Um den realistischen Eindruck zu verstärken, befindet sich ein Fahrzeug mit Einschusslöchern im Raum. Durch diesen hohen Detailgrad der Gestaltung werden die angehenden Einsatzersthelfer Bravo in die Situation eines Auslandseinsatzes versetzt. Am Anfang es Lehrgangs wird vor allem das cABCDE-Schema geübt. Dieses Verfahren dient dazu, schnellstmöglich alle Verletzungen eines Verwundeten zu erfassen. Es handelt sich dabei um einen militärisch als auch zivil angewendeten internationalen Standard.

Die Ausbildung zum Einsatzersthelfer Bravo und der Notwendigkeit von Algorithmen in Stresssituationen erklärt Hauptfeldwebel Daniel Wittgen

Nachdem die Lehrgangsteilnehmenden gewisse Handlungssicherheit aufgebaut haben, werden die Ausbildungssituationen immer komplexer. In den letzten Tagen des Lehrgangs üben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich die Behandlung von Verwundeten in taktischen Szenarien. Dabei sollen sie an einzelnen Übungsstationen ihr Erlerntes unter Beweis stellen. An einer der Stationen müssen sie Verwundete aus einem angesprengten LKWLastkraftwagen befreien. Dabei werden die Soldatinnen und Soldaten immer wieder beschossen. In einem anderen Abschnitt, das Retten von Verletzten aus einem Minenfeld trainiert.

An jeder Station erwarten die Ausbilder ein lageangepasstes militärisches Verhalten, da immer mit Beschuss gerechnet werden muss, und eine gute medizinische Versorgung der Verwundeten. Der stetige Wechsel von Kampfhandlungen und medizinischer Versorgung erhöht das Stresslevel der Lehrgangsteilnehmenden enorm. Eine hohe Bedeutung bei der Ausbildung kommt CAESAR zu – einer Simulationspuppe. Diese simuliert Atmung, Puls und spricht auch mit den Behandelnden. Um gefechtsbedingte Verletzungsmuster realistisch darstellen zu können, sind die Körperteile gegen verletzte Gliedmaßen austauschbar. Zudem hat die Puppe einen Kunstbluttank zur realistischen Darstellung von Wunden. Durch die eingebaute Sensorik des Simulators bekommen die Ausbilder ein genaues Feedback über die Qualität der angewendeten Versorgung. Somit können alle Behandlungsmethoden realitätsnah geübt werden und die Einsatzersthelfer Bravo gewinnen Vertrauen in ihre getroffenen Maßnahmen.

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Alle arbeiten gleich

Die Atemwege der Simulationspuppe werden mit einem Wendl-Tubus gesichert.

Mit dem Wendl-Tubus sichern die Ersthelfer Bravo die Atemwege des Verwundeten

Bundeswehr/Michael Laymann

„Kurz nach einer Verletzung sind die zu treffenden Maßnahmen immer gleich. Es egal ob ihr Ersthelfer Bravo, Notfallsanitäter oder Arzt seid“, erklärt Wittgen. „In der taktischen Medizin wird immer und egal durch wen zuerst das cABCDE-Schema angewendet.“ Das zeigt das hohe medizinische Niveau auf dem die Teilnehmenden ausgebildet werden. Sie müssen lernen, auch Maßnahmen durchzuführen, die in Deutschland nur von Ärzten oder anderem Fachpersonal angewendet werden dürfen. So üben die Lehrgangsteilnehmenden beispielsweise, wie sie die Atemwege mit einem Wendl-Tubus sichern können. Dazu wird ein Gummischlauch über die Nase des Patienten in die Luftröhre eingeführt. Dieser verhindert ein Verschließen der Atemwege durch die Zunge oder anschwellende Schleimhäute.

Ebenfalls trainieren sie den Umgang mit einer FAST. Dabei handelt es sich um eine Nadel, die in das Knochenmark des Brustbeins eingebracht wird. Über diesen Zugang kann eine Infusionslösung verabreicht werden. Eine notwendige Maßnahme, wenn die Patienten zu viel Blut verloren haben. Mit dieser Volumentherapie wird versucht, das Herz-Kreislaufsystem zu stabilisieren.

Als weitere lebensrettende Behandlung lernen die Soldatinnen und Soldaten die Entlastungspunktion. Dabei wird eine Nadel in den Brustkorb des Patienten gestochen. Dies kann bei einer Verletzung des Brustkorbes, bei der sich Luft zwischen Lunge und Rippenfell anstaut, notwendig werden. Diese Luft würde ansonsten die Atmung sowie den Herzschlag der Patienten beeinträchtigen und zum Tode führen.


von Maurice Menne

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