Sanitätsdienst

Grundausbildung: Corona-Digitalisierungsschub nutzen

Grundausbildung: Corona-Digitalisierungsschub nutzen

  • Ausbildung
  • Sanitätsdienst
Datum:
Ort:
Feldkirchen
Lesedauer:
4 MIN

Eine Grundausbildung in der aktuellen Corona-Pandemie stellt Ausbilderinnen und Ausbilder der Bundeswehr vor eine besondere Herausforderung. Bei der Corona-Grundausbildung der Sanitätsoffizieranwärterinnen und Sanitätsoffizieranwärter (SanOA) beim Sanitätslehrregiment in Feldkirchen werden die aktuellen Herausforderungen deutlich.

Von Krise ist in der Feldkirchener Gäubodenkaserne ist auf den ersten Blick nichts zu spüren. Das rund 90-köpfige Ausbildungsteam ist hochmotiviert. Trotz der aktuellen Hygieneauflagen wollen sie den 232 Teilnehmenden eine bestmögliche Ausbildung bieten. Lediglich sechs Wochen, anstatt der sonst üblichen zehn Wochen, stehen den Ausbilderinnen und Ausbildern der 6. Kompanie des Sanitätslehrregimentes zur Verfügung. Diese ist eine von drei Grundausbildungskompanien im Sanitätsdienst der Bundeswehr.

Infrastrukturelle Herausforderung

Portraitbild: Eine Frau steht vor ihrem Computer

Oberfeldarzt Dr. Carina Roos arbeitet an der Weiterentwicklung der Grundausbildung im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Insbesondere die digitale Ausbildung soll auch nach Corona eine stärkere Rolle in den Ausbildungskonzepten einnehmen.

Bundeswehr/Michael Laymann

Eine der größten Herausforderungen für die Umsetzung der aktuellen Hygieneauflagen sind die infrastrukturellen Voraussetzungen in Feldkirchen. „Es bei einer Grundausbildung so, dass viele Menschen auf wenig Raum untergebracht werden – das ist aktuell einfach nicht möglich“, erklärt Oberfeldarzt Dr. Carina Roos. Die 33-jährige ist im Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr (KdoKommando SanDstBwSanitätsdienst der Bundeswehr) unter anderem für die Weiterentwicklung der Grundausbildung des Organisationsbereiches zuständig. Vor wenigen Tagen hatte die Medizinerin die Möglichkeit, sich in Feldkirchen ein Bild von der Corona-Grundausbildung zu machen.

Für die Einhaltung der sogenannten AHA-Hygieneregeln, also Abstand, Hygiene und Alltagsmaske, musste die Unterkunftskapazität der 6. Kompanie quasi halbiert werden. Eine Sechs-Mann Stube wird nun mit nur drei Personen belegt. Damit alle 232 SanOAs eine Unterkunft bekommen konnten, musste der Ausbildungsbetrieb im gesamten Regiment heruntergefahren werden. So konnten zusätzliche Kapazitäten in den anderen Kompanien geschaffen werden. 

Hoher Ausbilder-Bedarf

Die Gesichter der angetretenen SanOAs sind müde. Die langen Ausbildungstage von 05.00 Uhr bis 23.00 Uhr zehren an den Kräften. Doch sie wirken auch nach über drei Wochen immer noch hochmotiviert. Gerade die langen Ausbildungstage scheinen die SanOAs fester als kleine Kampfgemeinschaft zusammengeschweißt zu haben.

Aber auch von den Ausbilderinnen und Ausbilder verlangt die auf sechs Wochen komprimierte Grundausbildung eine Menge ab.  Um ein Abbau von Überstunden zu ermöglichen, wurde nach drei Wochen das Ausbildungspersonal getauscht. Allerdings führte der Ausbilderwechsel nach drei Wochen auch zu einem Bruch: Die bekannten Gesichter und Charaktere wurden durch neue ersetzt. “Das haben viele SanOAs bedauert, auch wenn ein grundsätzliches Verständnis für die Belastung der Ausbilder da war“, betont Roos.

Für die Oberfeldärztin ist diese Grundausbildung ein einmaliger Ansatz, denn dieses Konzept kann keine Dauerlösung sein. „Aber auf der Kürze der Zeit und der bereits im März getätigten Zusagen für die SanOAs, war dieses Vorgehen alternativlos.“

Sicherheit geht vor

Roos und ihr Team im KdoKommando SanDstBwSanitätsdienst der Bundeswehr entwickeln gerade ein Konzept, wie die Grundausbildung durchhaltefähig gestaltet werden kann. Trotz aller Schwierigkeiten sieht Roos aber in der Corona-Krise auch eine große Chance, die Grundausbildung mit digitalen Ausbildungsinhalten zu modernisieren. „Das liegt sicherlich daran, dass ich zu der Generation gehöre, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist und diese Möglichkeiten schon während meines Studiums gerne genutzt habe.“

Soldaten stehen mit Helm und Maske im Wald. Sie hören einem Ausbilder zu.

Gefechtsausbildung mit Abstand und Maske

Bundeswewhr/Timo Rosenbohm

Dabei ist sich Roos bewusst, dass die Grundausbildung und die Digitalisierung von Ausbildungsinhalten sensible Themen sind. Doch eine Ausbildung mit PowerPoint-Folien ist nicht mehr zeitgemäß. „Es gibt nirgends eine so heterogene Gruppe wie in der Grundausbildung. Ich kann also nicht für jeden das gleiche Pakete schnüren.“

Künstliche Intelligenz der Lernprogramme nutzen

Jeder lernt anders. Gute Erfahrungen hat Roos bereits mit computergestützten, adaptierten Lernprogrammen gemacht, die derzeit schon auf dem Markt verfügbar sind. Ein Testmodul eines Herstellers erprobte sie mit einer kleinen Gruppe. „Der Lernerfolg hat mich überzeugt. Trotz unterschiedlicher Wissensstände konnten alle zu einem medizinischen Thema auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.“

Auch die Ausbildung der Ausbilder sollte laut Roos an die neuen Herausforderungen angepasst werden. “Schließlich kann ein Ausbilder nur so innovativ sein, wie er ausgebildet wurde.“

Flexibel auf die Corona-Krise reagiert

In den letzten Monaten haben die Ausbildungskompanien gezeigt, dass sie flexibel auf die neuen Rahmenbedingungen reagieren können. Mittlerweile tauschen die Ausbilderinnen und Ausbilder der unterschiedlichen Einheiten ihre Erfahrungen in Video-Konferenzen aus. “Wir sind während der Corona-Krise besser geworden“, bilanziert Roos zufrieden. Dank der Lern- und Kommunikationsplattform San-Netz konnten sich die Gruppen schon in der Fernlernphase finden und organisieren. Es werden virtuelle Klassenräume angelegt, Stundenpläne erstellt, Videokonferenzen abgehalten.

Trotz der psychischen Belastung durch die geschlossene Unterbringung in Kleingruppen und die langen Ausbildungstage ist Roos vor allem vom Engagement und Zusammenhalt der SanOAs beeindruckt. Für die Medizinerin gilt es jetzt, den Veränderungs- und Innovationsschwung zu nutzen. Sie selbst hat in Feldkirchen ihr Hausaufgabenpaket geschnürt. Nun wartet in Koblenz viel Arbeit auf die Medizinerin.






von Uwe Henning

Weitere Informationen