Sanitätsdienst

Gut vorbereitet: Das SanRgtSanitätsregiment 1 unterstützt bei der Bewältigung der Corona-Krise

Gut vorbereitet: Das SanRgtSanitätsregiment 1 unterstützt bei der Bewältigung der Corona-Krise

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Datum:
Ort:
Weißenfels

Oberstarzt Dr. Stephanie Krause ist Kommandeurin des Sanitätsregiment 1. Ihr Regiment in Weißenfels unterstützt bei der Bewältigung der Corona-Krise mit unterschiedlichen Leistungen. So werden derzeit unter anderem Notfallbeatmungsgeräte zentral gesammelt, auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft und einsatzbereit gehalten.

Oberstarzt Dr. Krause im Portrait im Vordergrund. Hinter ihr kontrollieren Soldatinnen und Soldaten Notfallbeatmungsgeräte.

Oberstarzt Dr. Stephanie Krause ist Kommandeurin des Sanitätsregiments 1

Bundeswehr/Dr. Nadine Seumenicht

Für die Kommandeurin sind Krisen keine große Herausforderung. Bereits während ihrer vorherigen Tätigkeit im Bundesministerium der Verteidigung war sie als Referentin im Büro des Staatssekretärs Gerd Hoofe mit schnelllebigen Entscheidungen befasst. In dieser Zeit erlebte sie die Flüchtlingskrise und lernte, mit unbekannten Herausforderungen umzugehen und sie zu meistern.

von Michael Zacher und Dr. Nadine Seumenicht

8 Fragen an Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Frau Oberstarzt, wie agiert das Sanitätsregiment 1 im Rahmen der Unterstützung zur Bewältigung der Corona-Krise?

Das Sanitätsregiment 1 unterscheidet sich in der Vorbereitung und im Einnehmen der Schutzmaßnahmen nicht von zivilen Arbeitgebern: Auch wir haben, als sich die Lage in Deutschland zugespitzt hat, weisungsgemäß den Präsenzbetrieb heruntergefahren. Soldatinnen und Soldaten, die nicht unmittelbar zur Auftragserfüllung eingesetzt sind, befinden sich im Homeoffice. Wir versuchen, mobiles Arbeiten dort möglich zu machen, wo es Sinn ergibt. Das gilt für Führungspersonen bzw. Soldatinnen und Soldaten, die im täglichen Dienst am Rechner sitzen. Parallel dazu mussten wir sehr schnell Personal und Material bereitstellen, um die Bundeswehrkrankenhäuser zu unterstützen.

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Welches Personal und Material haben Sie bereitgestellt?

Wir sind auf die Zusammenarbeit mit dem Bundeswehrkrankenhaus Berlin angewiesen worden. Hier wird das Regionalitätsprinzip gewahrt. Durch unsere Dienststelle in Berlin, den Führungsbereich Berlin, stellen wir primär Material und Personal zur Verfügung; das ist bereits erfolgt. Von meinen Krankenpflegern, Intensivpflegern und Rettungssanitätern sind schon viele in Berlin eingewiesen worden. Querschnittspersonal unterstützt bei der administrativen Bewältigung des Patientenaufkommens.

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Was geschieht derzeit?

Wir bereiten jetzt das vor, was wir an Querschnittsmaterial haben: Dazu gehören die sogenannten „Hüllensysteme“. Das sind die grünen Container mit Rotem Kreuz, aus denen wir sonst Rettungszentren zusammenstellen. Diese bereiten wir so vor, dass sie abrufbar sind. Aktuell beschäftigt uns auch das hohe Aufkommen von Reservisten, die sich freiwillig gemeldet haben. Viele steuern wir über den Führungsbereich in Berlin ein. Die meisten werden ihren Dienst im Bundeswehrkrankenhaus Berlin leisten.

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Was ist weiterhin geplant?

Die Soldatinnen und Soldaten in Weißenfels warten das Material, das hier vor Ort lagert, und setzen es gegebenenfalls instand. Zudem bereiten sie sich auf die nächste Grundausbildung vor, denn unser Grundbetrieb läuft weiter. Für das nächste Quartal werden 125 Rekrutinnen und Rekruten erwartet. Wir starten voraussichtlich am 27. April mit der Ausbildung. Das muss geplant werden. Eine verkürzte Grundausbildung von sechs statt zwölf Wochen Dauer ist eine besondere Herausforderung für das Personal. Die zwei Grundausbildungseinheiten sind damit sehr beschäftigt. Ein Modul erhalten die neuen Rekrutinnen und Rekruten elektronisch; „Distance Learning“ nennt sich das. Die Kompaniechefs haben Lernunterlagen für ein Selbststudium zusammengestellt. So wird Basiswissen wie Dienstgrade und bestimmte Vorschriften, die auch öffentlich zugänglich sind, erlernt. Bestimmte Ausbildungsinhalte werden sicherlich auch durch den Stammtruppenteil nachgeholt werden müssen.

Wir hoffen, dass die Truppenübungsplätze und Schießbahnen ab Ende April wieder zugänglich sind. Das ist eine große Baustelle. Ferner ist der Lehrgangsbetrieb im Ausbildungs- und Simulationszentrum in Berlin auch reduziert worden. Dennoch wird die Einsatzvorbereitende Ausbildung weitergeführt, sodass alle, die für einen Einsatz geplant sind, auch ausgebildet werden können. Zusätzlich sind wir noch der Leitverband Afrika. Die Auslandseinsätze gehen weiter. Die Kontingentphasenwechsel verschieben sich derzeit erheblich beziehungsweise verzögern sich. Dort haben wir viel zu tun, um alles zu organisieren.

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Welche Fähigkeiten werden abgerufen?

Materialpakete werden abgerufen, wie zum Beispiel Geräte zur Langzeitbeatmung und zur Kurzzeitbeatmung sowie Personal. Ein Sanitätsregiment hat nur Personal zum Betrieb einer Sanitätseinrichtung. Im Falle eines Einsatzes wird das Personal ergänzt mit Personal aus den Bundeswehrkrankenhäusern. Es gibt daher bei uns nur sehr wenige Intensivfachpfleger und diese unterstützen derzeit in den Bundeswehrkrankenhäusern. Unser Material wird einsatzbereit gehalten. Trotz des reduzierten Präsenzbetriebes ist das Leben in der Kaserne deutlich lebendiger als außerhalb der Kaserne. Es gibt viele Bereiche im Regiment, wo die Soldatinnen und Soldaten anpacken. Wir müssen die Krankentransportkapazität bereithalten. Das bedeutet, das Fahrzeug muss bewegt und gewartet werden, damit es jederzeit einsatzbereit ist. Deswegen ist hier in der Kaserne verhältnismäßig viel los.

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Was ist die größte Herausforderung, die Sie gerade zu bewältigen haben?

Meine Soldatinnen und Soldaten sind auch alle Menschen; sie sind natürlich auch verunsichert. Sie haben die gleichen Ängste wie die Zivilbevölkerung: Sie sorgen sich um ihre Familien, die Versorgung und Betreuung ihrer Kinder. Trotz des Soldatenberufs waren wir alle noch nie in einer derartigen Lage. Die meisten meiner einsatzerfahrenen Soldaten sagen „Das kriegen wir alles hin“. Aber man merkt eine gewisse Verunsicherung. Wie lange geht das so weiter? Was kommt noch auf uns zu? Wenn Artikel 35 GG gezogen wird, dann kann die Soldatin beziehungsweise der Soldat auch im Inland eingesetzt werden, dann spielt das Thema Gleitzeit, Telearbeit keine Rolle mehr. Ich bin sehr stolz, dass alle hochmotiviert und willens sind, ihre persönlichen Bedürfnisse stark zurückzustellen. Viele wollen vor Ort sein. Das ist das, was Soldaten ausmacht. Sie sind da!

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Was wünschen Sie sich für die nächsten Monate?

Ich wünsche mir, dass sich die Abläufe schnell einspielen und wir dadurch mehr Normalität zurückgewinnen.

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

Was wird sich Ihrer Meinung nach zukünftig ändern?

Die Einstellung zur Telearbeit wird sich ändern. Ich denke, zukünftig lassen sich viele kleinere Besprechungen per Videokonferenz durchführen, anstatt lange Wege quer durch die Republik zurücklegen zu müssen. Mobiles Arbeiten und elektronische Kommunikation werden mehr Raum einnehmen. Das finde ich sehr erfreulich. Auch die Weisung, dass eigene Geräte genutzt werden dürfen im Sinne von „bring your own device“, begrüße ich sehr.

Portraitaufnahme Oberstarzt Dr. Stephanie Krause

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