Sanitätsdienst

Sanitätsdienst entwickelt Expertise für das Gebirge

Sanitätsdienst entwickelt Expertise für das Gebirge

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Füssen
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Im April 2020 startet das Ausbildung- und Simulationszentrum des Sanitätsregiments 3 den Pilotlehrgang zur Gebirgsbefähigung von rund 400 Sanitätssoldatinnen und -soldaten. Im Vorfeld trafen sich die künftigen Ausbilder vom 18. bis 29. November, um das Ausbildungskonzept mit Leben zu füllen.


Ein Sanitätstrupp bewegt sich in Schneetarnanzügen entlang eines verschneiten Bergrückens.

Hauptfeldwebel Christian Müller führt einen Sanitätstrupp zu einem verletzten Soldaten. Der gebürtige Allgäuer liebt die Berge und schätzt die Herausforderungen im alpinen Gelände.

Bundeswehr/Michael Laymann

Hoch in den Allgäuer Bergen bewegen sich zehn Sanitätsfeldwebel durch die frisch verschneite Landschaft. Der Neuschnee knirscht unter den Stiefeln von Hauptfeldwebel Christian Müller. Der 35-jährige Notfallsanitäter ist der jüngste von insgesamt neun Heeresbergführern im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Müller brennt für die Berge. Aber er weiß auch um die derzeitig fehlenden alpinen Fähigkeiten im Sanitätsdienst.

Schließlich verfügt die Gebirgsjägertruppe über Fähigkeiten und Fertigkeiten für den Kampf im schwierigen bis extremen Gelände sowie unter extremen Umweltbedingungen. Dies erfordert von den Sanitätskräften ebenfalls Handlungskompetenz in den Bereichen „Bewegen und Überleben im Gebirge“. Hinzu kommen die spezifischen Erkrankungs- und Verletzungsmuster, wie die Höhenkrankheit oder Sturzverletzungen, im alpinen Gelände. 

Problem erkannt

Zwei Soldaten lassen im Schnee eine spezielle Trage mit Kufen den Hang herunter.

Auch der Umgang mit der Universaltrage 2000 muss geübt sein. Zwei Heeresbergführer des Sanitätsdienstes zeigen wie es gehen kann.

Bundeswehr/Michael Laymann

Doch die Fähigkeitslücke soll nun so schnell wie möglich geschlossen werden. Als  leidenschaftlicher Ausbilder freut sich Müller, dass er seine Expertise in das neue Ausbildungskonzept einbringen kann. Gemeinsam mit sechs weiteren Heeresbergführern im Sanitätsdienst, welche allesamt Rettungsassistenten, Notfallsanitäter sind, werden die Details für den neuen Pilotlehrgang geplant. Dabei diskutieren sie unter anderem über die Ausbildungsdetails und in welchem Umfang diese in den Lehrgang eingebracht werden müssen. Hierbei wurden medizinische Inhalte mit einem hochgebirgserfahrenen Arzt, welcher ebenfalls Heeresbergführer ist, besprochen.

Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Hauptmann Matthias Querbach vom Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr arbeitet schon seit Monaten an dem Konzept. „Unsere Sanitätskräfte müssen sich alpin bewegen, überleben und unter schwierigsten Umweltbedingungen sanitätsdienstliche Hilfe leisten können. Wenn unsere Frauen und Männer die Gebirgstruppe bei Ausbildungs- und Übungsvorhaben begleiten, ist das für die eingesetzten Sanitätskräfte ein „scharfer“ Einsatz. Eine Ausbildung oder Übung ist ein fiktives Szenario.

Ein Mann in Schnee-Tarnfleck erklärt einem weitern Soldaten das Ausbildungskonzept.
Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, Matthias Querbach
„Für diese sanitätsdienstliche Versorgung im alpinen Gelände müssen wir unsere Kräfte im Vorfeld befähigen. “

Expertise für das alpine Gelände aufbauen

Ein Mann in Schnee-Tarnfleck erklärt einem weitern Soldaten das Ausbildungskonzept.

Hauptmann Matthias Querbach will die Gebirgsbefähigung des Sanitätsdienstes forcieren.

Bundeswehr/Michael Laymann

Querbach ist Heeresbergführer. Man spürt bei dem gebürtigen Allgäuer die Begeisterung für die Berge. Aus Sicht des 40-Jährigen ist in der Vergangenheit insbesondere durch die Stabilisierungsoperationen der letzten Jahre alpine Erfahrung verloren gegangen. Jetzt gilt es für ihn, insbesondere im Hinblick auf die Landes-und Bündnisverteidigung, das Ruder herumzureißen. 

Im Falle der sanitätsdienstlichen Gebirgsbefähigung, werden die Soldatinnen und Soldaten mit modularen, aufeinander aufbauenden Lehrgängen, je nach Tätigkeit, für die Herausforderungen des Gebirges befähigt. Die Sanitätssoldatinnen und Sanitätssoldaten der Sanitätsstaffel Einsatz in Bischofswiesen sowie der zwei Kompanien des Sanitätsregiments 3 aus Dornstadt lernen alpine Fähigkeiten und Sicherungstechniken, das Überwinden leichter Kletterstellen und das taktische Bewegen im hochalpinen Gelände unter Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse.

„Wir sind ein reaktionsstarker Organisationsbereich. Dies kann man an verschiedensten neuen Ausbildungen, unter anderem im Bereich der präklinischen Versorgung, erkennen.“

Nur ein erster Schritt

Neben einer anspruchsvollen Ausbildung im alpinen Gelände wurden im Ausbildungszentrum der Bergwacht Bayern in einer simulationsgestützten Ausbildung vor allem die Verfahren in der Zusammenarbeit mit Drehflüglern sowie der Patientenversorgung in einer Kältekammer vermittelt. Die Voraussetzungen für eine komprimierte und fordernde Ausbildung sind laut Querbach gelegt. Für den Bergführer ist es nur ein erster Schritt. Aber dieser muss erst einmal zurückgelegt werden, um weitere Schritte folgen zu lassen.

von Uwe Henning

Video: Gebirgsbefähigung im Sanitätsdienst

Es ist die wahrscheinlich anspruchsvollste Art der sanitätsdienstlichen Versorgung – die im alpinen Gelände. Die Heeresbergführer des Sanitätsdienstes zeigen in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung ihre beeindruckenden Fähigkeiten.
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Bildergalerie: Rettung im schweren Gelände

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