Sanitätsdienst

Vierfacher Schutz gegen Grippeviren

Vierfacher Schutz gegen Grippeviren

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Datum:
Ort:
Frankreich

Schon seit mehreren Monaten läuft die Produktion der diesjährigen Impfstoffe gegen Influenza, jetzt wurden sie ausgeliefert. Die Bundeswehr setzt in diesem Jahr auf einen Impfstoff, der Angehörige der Streitkräfte gegen vier unterschiedliche Virenstämme schützt. Ab Oktober sollen die Impfungen in den regionalen Sanitätseinrichtungen verfügbar sein.

Eine Person hält eine Impfspritze in der Hand

Bevor ein Impfstoff den Behandlungsraum erreicht, hat er einen langen Weg zurückgelegt.

Bundeswehr/Michael Laymann

Mit dem Kühltransport sind sie nun unterwegs: Die 200.000 Influenzaimpfungen für die Bundeswehr. Verpackt in große weiße Kartons, umhüllt von einer silbernen Folie zum Schutz vor Hitze, hat der Vierfachimpfstoff seine Reise im französischen Val-de-Reuil angetreten. Rund anderthalb Autostunden nordwestlich von Paris entsteht seit Monaten der Impfstoff mit dem Namen Vaxigrip Tetra. Mit diesem können sich ab Oktober alle Soldatinnen und Soldaten, sowie erstmalig in diesem Jahr auch zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundeswehr impfen lassen.

Bereits im Februar gab die Weltgesundheitsorganisation die vier Virenstämme bekannt, die voraussichtlich die größte Bedrohung in der Grippesaison 2020/2021 darstellen werden. Alle Impfhersteller erhielten daraufhin aus speziellen Laboren die Virenstämme, die als sogenannte Saat dann als die Basis für die industrielle Produktion der Impfungen dienen.

Impfstoffproduktion

In einem aufwendigen Verfahren werden die nur 0,5 Milliliter Injektionsflüssigkeit pro Impfampulle gewonnen. Diese beinhalten wiederum nur 60 Mikrogramm Wirkstoff, 15 Mikrogramm gegen jeden der vier Virenstämme. Den gesamten Produktionsprozess erklärt die

Bildergalerie:

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Eine Pertrischale wird in einen Apperat gelegt

Die Virenstämme kommen aus zertifizierten Laboren. Vor Beginn der Produktion werden sie in den Laboren der Hersteller untersucht. Intensive Qualitätskontrollen begleiten den gesamten Produktionsprozess.

Sanofi-Pasteur/Patrick Boulen
Eine Person in Schutzkleidung schiebt eine Reihe von Eiern in ein Regal

Die Virenstämme werden in Hühnereiern gezüchtet. Die Inokulation ist der erste Schritt der Impfstoffproduktion. Dazu werden die Virenstämme in die Eier gespritzt, die als Nährboden dienen. Vier bis sechs Wochen reifen die Viren in Brutkästen.

Sanofi-Pasteur
Eine Person in Schutzkleidung prüft eine Reihe von Eiern

Dann folgt die sogenannte Ernte. Die Viren werden aus den Eiern gewonnen, gereinigt und inaktiviert. Für die spätere Impfung wird nur die Virenhülle verwendet, nicht aber ein funktionierendes Virus. Somit ist eine Ansteckung beim Impfen unmöglich.

Sanofi-Pasteur
Eine Person in Schutzkleidung blick in einen Tank

In großen Tanks lagern die Wirkstoffe, die sogenannten Antigene, bevor sie weiterverarbeitet werden.

Sanofi-Pasteur/Patrick Boulen
Eine Person im Schutzanzug arbeitet an einem

Ab Mitte Juni erfolgt dann die Zusammenstellung der Rezeptur, bei der das genaue Mischungsverhältnis der einzelnen Wirkstoffe in den Impfampullen festgelegt wird.

Sanofi-Pasteur
Eine Maschine befüllt Glasampulen

Danach folgt die Abfüllung der Impfstoffe in die Ampullen. 250 Millionen Impfdosen entstehen alleine am Standort Val-de-Reuil.

Sanofi-Pasteur
Eine Maschine durchleuchtet Impfstoffspritzen

Von Anfang bis Ende begleiten umfangreiche Qualitätskontrollen den gesamten Produktionsprozess. Je nach Wirkstoff sind 70 bis 100 unterschiedliche Kontrollen nötig und zu dokumentieren, um später eine Zulassung des Impfstoffs zu erhalten.

Sanofi-Pasteur
Durch eine Maschine laufen die Impfampulen

Kurz vor dem Verpacken: Der Vierfachimpfstoff Vaxigrip Tetra in den fertigen Ampullen.

Sanofi-Pasteur

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Gerade die Produktion von Influenzaimpfstoffen stellt hohe Anforderungen an den Hersteller. „Während beispielsweise Tabletten einfach zu produzieren sind, erfordert die Arbeit mit biologischem Material wie beispielsweise Virenstämmen viel Erfahrung und Fachexpertise“, erklärt Robert Tensen, Medical Manager bei Sanofi. „Die Hersteller setzen dabei auf permanente prozessbegleitende Kontrollen, um eine gleichbleibende Qualität des Produkts gewährleisten zu können.“

Wirkstoff

Auch wenn Viren die Grundlage für die Impfstoffe sind, besteht keine Gefahr, dass sich jemand durch die Impfung infiziert, denn die Viren werden während der Produktion inaktiviert. In diesem konkreten Fall bedeutet es, dass sie in ihre Bestandteile zerlegt werden. Die Impfungen selbst enthalten dann nur die Hüllenproteine der Viren. Diese genügen, um dem Körper in Kontakt mit dem „Bauplan“ der jeweiligen Influenzaerreger zu bringen und eine Immunantwort hervorzurufen. „Um einen Reifenabdruck auf dem Immunsystem zu erzeugen, braucht es kein ganzes Auto,“ erklärt Oberstabsarzt Constanze Eßer. „Es reicht ein Reifen. Genauso verhält es sich auch mit den Viren.“ Auch die Befürchtung, dass geimpfte Personen allergisch auf Hühnereiweiß reagieren, kann die Präventivmedizinerin am Kommando Sanitätsdienst entkräften: „Der Impfstoff durchläuft umfangreiche Aufbereitungs- und Reinigungsprozesse. Am Ende enthält der Impfstoff somit noch maximal 1µg Hühnereiweiß pro Dosis und ist für die meisten Menschen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß geeignet.“ Bei Fragen sollten sich Soldatinnen und Soldaten aber auch an das zuständige Sanitätsversorgungszentrum wenden, empfiehlt Eßer.

von Claas Gärtner