Sanitätsdienst

Vor der Übung erst einmal ins Hotel – was soll das?

Vor der Übung erst einmal ins Hotel – was soll das?

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Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
2 MIN

Die Coronakrise stellt eine in der bundesdeutschen Geschichte einmalige Belastung für die Gesellschaft dar. Auch Soldatinnen und Soldaten erleben einen zurzeit völlig anderen Dienstalltag, der zur Sicherheit aller von Schutzmaßnahmen und Einschränkungen geprägt ist. Besondere Entbehrungen müssen derzeit Soldatinnen und Soldaten tragen, die an einer militärischen Übung teilnehmen. Die von SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2 ausgehende Gefahr macht für sie eine 14-tägige sogenannte qualifizierte Absonderung unumgänglich.

Im Vordergrund liegt die Ausrüstung und Bekleidung eines Soldaten

Kontaktvermeidung zum Schutz der Bevölkerung

Bundeswehr/Michael Laymann

In der Regel tragen an SARSSchweres Akutes Respiratorisches Syndrom-CoV-2 erkrankte Menschen das Virus bereits tagelang in sich, bevor erste Symptome auftreten. Das Risiko, bis dahin bereits weitere Menschen infiziert zu haben, ist sehr hoch. Soldatinnen und Soldaten, die an militärischen Übungen teilnehmen, sind besonders gefährdet, denn Mindestabstände lassen sich während der Übungsszenarien oftmals nur begrenzt einhalten und regelmäßiges Händewaschen ist auch nicht immer möglich. Daher verzichtet die Bundeswehr weitestgehend auf Übungsvorhaben.

Qualifizierte Absonderung unumgänglich

Allerdings gibt es Ausnahmen, etwa bei einsatzvorbereitenden Ausbildungen. Um dort das Risiko einer Infektion über die übende Truppe hinaus zu minimieren, wurde nach Beratung durch das Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr als fachlich vorgesetzte Dienststelle eine 14-tägige qualifizierte Absonderung im Zuge solcher Übungen angewiesen. Gemeint ist damit die Einzelisolierung von Soldatinnen und Soldaten, beispielsweise in Hotels oder Sammelunterkünften, vor Übungsbeginn. Dieser Zeitraum ergibt sich aus der Inkubationszeit des Virus, die im Mittel (Median) bei 5 bis 6 Tagen liegt, aber eine Spannweite 1 bis 14 Tagen aufweist. Im Ausnahmefall ist eine solche Isolation auch in Anschluss an eine Übung möglich. „So gerne wir die Betroffenen auch in ihr häusliches Umfeld entlassen würden, wir können es aus fachlichen Erwägungen nicht“, sagt Oberstarzt Dr. Johannes Backus, Abteilungsleiter A im Kommando Sanitätsdienst. „Die häusliche Absonderung ist mit einer gesichert kontrollierbaren, qualifizierten Absonderung nicht vergleichbar.“ Nur so könne die Kontaktvermeidung von möglichen Virusträgern mit gesunden Menschen sicher und transparent gewährleistet werden. Zum Schutz von Bevölkerung und Soldaten, müssten diese Maßnahmen derart restriktiv gestaltet sein.

Aus einem Hotspot werden viele

Das Besondere an militärischen Übungen ist, dass oftmals mehrere Verbände miteinander üben. „Im schlimmsten Fall infiziert ein Erkrankter unbemerkt andere Übungsteilnehmende aus mehreren Standorten. Diese wiederum verbreiten das Virus in ihren Kasernen Zuhause. Bis dahin ist der Weg für den Erreger nicht weit zur lokalen Bevölkerung“, ergänzt Dr. Backus. „Hinzu kommt die fehlende Kontrolle, falls erst im Nachgang einer Übung auftretende Coronafälle bekannt würden. Eine Rückverfolgung der Infektionskette würde dadurch wesentlich erschwert.“ Ereignisse wie aktuell nach einer Restauranteröffnung im Landkreis Leer oder in einer Kirchengemeinde in Frankfurt mit sehr vielen Infektionen machen deutlich, welche Dimension ein solcher Ausbruch auch in der aktuellen, scheinbar entspannteren Phase der Pandemie durch Unachtsamkeit annehmen kann.

von Andreas  Voßen

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