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Pflegepersonal ist die wichtigste Ressource in der Pandemie

Pflegepersonal ist die wichtigste Ressource in der Pandemie

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Koblenz
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Das Schicksal von Covid-19-Erkrankten stellt oft eine Belastung für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte dar. Aber auch die Angst vor Personalknappheit und der damit verbundenen Überforderung im Bereich der Pflege treibt sie um. Zwei Oberstärzte aus dem BundeswehrZentralkrankenhaus Koblenz berichten über ihre Erfahrungen in der Pandemie.

Eine Frau im weißen Hemd mit Schulterklappen darauf steht in einem Raum vor einem Weihnachtsbaum.

Oberstarzt Dr. Ulrike Wagner ist Leitende Ärztin der Klinik für Gastroenterologie und Hämato-Onkologie

Bundeswehr/Michael Laymann
Ein Mann im weißen Hemd mit Schulterklappen darauf steht in einem Raum vor einem Weihnachtsbaum.

Oberstarzt Dr. Michael Braun ist stellvertretender Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie

Bundeswehr/Michael Laymann

Wie begegnen Sie der Pandemie im BundeswehrZentralkrankenhaus?

Wagner: Die kostbarste Ressource ist das Pflegepersonal. Man muss dieser Gruppe den Rücken stärken, indem man sie vor Belastungen schützt, die nicht zwingend notwendig sind. Das heißt: Klare Konzepte, ständige Kommunikation und Information im Haus. Die Mitarbeitenden müssen immer wissen: wie ist jetzt aktuell der Stand – auch überregional – damit sie sich darauf einstellen können, was auf sie zukommt. Wir müssen Kräfte bündeln, bevor eventuell eine Unruhe durch einen hohen Patientenzulauf entsteht.

Wie gehen Sie persönlich mit der Pandemie um?

Wagner: Seit Beginn der Pandemie habe ich nicht mehr wirklich abgeschaltet. Das ist eine sehr dynamische Lage. Viele Dinge spielen eine Rolle: Personalstärke, Patientenklientel und dann kam noch die Ahrtal-Katastrophe dazu, die niemand vorhersehen konnte. Die Kräfte sind nicht unendlich vorhanden.

Wie schützen Sie sich selbst vor Überforderung?

Braun: Ich hatte jetzt 18 Monate nur Covid-Patienten auf der Intensivstation. Man ist dann auch als Arzt irgendwann belastet. Es sind aber weniger die Patientinnen und Patienten, denn da hat man schon eine professionelle Herangehensweise. Mich hat die Situation des Pflegepersonals mehr belastet. Ich habe eigentlich jeden Abend die Bedenken, dass das Pflegepersonal überfordert wird. Daher haben wir auch frühzeitig den Rat unserer Abteilung für seelische Gesundheit gesucht, damit das System nicht zusammenbricht. Als Chef muss ich meine Mitarbeitenden selbstbewusst durch die Krise steuern. Das kann ich aber nur dann, wenn ich mich auch als Teil des Teams sehe. Es war für mich deshalb selbstverständlich, dass wir die Hilfe von außen gemeinsam annehmen.

Hatte die erbetene Hilfe den erwünschten Effekt?

Braun: Auf jeden Fall. Wir haben uns als Team beraten lassen und diese Beratung hat das Team weiter zusammengeschweißt. So wie man es aus den Einsätzen der Bundeswehr kennt. Und nur so funktioniert das ganze System auch. Das Problem ist ja: Man sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Kommt noch ein neuer Lockdown? Die Frage belastet das Personal letztlich auch. Die Mitarbeitenden brauchen ja auch einen Ausgleich nach der Arbeit. Wo sollen sie diesen finden, wenn alles geschlossen ist? Das demotiviert natürlich ungemein.

Wie schaffen Sie es, durchhaltefähig zu bleiben?

Wagner: Wir sind ja alle sehr einsatzerfahren und auf Katastrophen geschult. Hier gibt es aber einen Unterschied; das Szenario hört nicht auf. Ich möchte hier auch eine Lanze für unser ganzes Krankenhauspersonal brechen: Wir haben nur deshalb noch die Ressourcen für die Behandlungen, weil sich unser Personal über die letzten beiden Jahre diszipliniert verhalten hat. Wir haben kaum Ausfälle durch Covid-Erkrankungen im Krankenhaus selbst. Das ist sehr wichtig für unsere Leistungsfähigkeit. Ein einzelner Ausfall einer Pflegekraft kann die Funktionalität einer ganzen Klinik gefährden, weil es keine Redundanz gibt. Die Personaldecke ist in allen Krankenhäusern sehr dünn.

Sie leisten noch mehr als die Behandlung von Covid-Patienten…

Braun: Ja, zusätzlich zur Krankenhausroutine koordinieren wir die Transporte von Intensivpatientinnen und -patienten für die Region Mittelrhein und Westerwald. Auch der Kriterienkatalog für die Transportfähigkeit von Schwerkranken kam aus unserer Feder. Hier wurde von uns festgelegt, ob eine Patientin oder ein Patient überhaupt in ein anderes Krankenhaus verlegt werden kann. Die Initiative für ein Handlungskonzept für Intensivtransporte innerhalb Deutschlands kommt letztlich aus dem BundeswehrZentralkrankenhaus.

Man benötigt zur Bewältigung der Pandemie also auch Weitsicht?

Wagner: Das kann man so sagen. Allen Entwicklungen waren wir immer im Voraus, ob bei der Personal- oder Materialplanung. Wir haben uns hier schon zu Besprechungen getroffen, als Corona noch gar nicht das große Thema in Rheinland-Pfalz war. Dazu haben wir die Geschäftsführer aller umliegenden Krankenhäuser zu einer Lagebesprechung eingeladen, um die Situation zu bewerten. So waren alle Kliniken in Koblenz von Anfang an schon sehr gut auf die Pandemie vorbereitet. Wir sind also von Corona nicht wirklich überrascht worden, sondern im Raum Koblenz gemeinsam mit den zivilen Krankenhäusern mit einem klaren Konzept in die Pandemie gegangen.

von Matthias Frank

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