Sanitätsdienst

Stalingradmadonna – Ein Zeichen der Hoffnung zu Weihnachten

Stalingradmadonna – Ein Zeichen der Hoffnung zu Weihnachten

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Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
2 MIN

Zweiter Weltkrieg – Um Weihnachten vor 79 Jahren war die Lage im erbittert umkämpften Stalingrad für die deutschen Truppen aussichtlos. Um den Soldaten Hoffnung zu spenden, malte der evangelische Pastor und Lazarettarzt Kurt Reuber (1906-1944) die berühmte Stalingradmadonna.

Ein Gemälde der Madonna

Originale Zeichnung der Madonna

photo by JoJan, Public domain, via Wikimedia Commons

Reubers Bild zeigt die Mutter Gottes, die schützend ihren Mantel um ihr Kind schlägt. Am Rand stehen die Worte ‚Weihnachten im Kessel 1942‘, ‚Festung Stalingrad‘ und ‚Licht-Leben-Liebe‘. Der Pastor malte das Bild in den Tagen vor Heiligabend auf die Rückseite einer russischen Landkarte. In Anbetracht der durch Leid, Tod und Kälte geprägten Situation, spiegelt die Zeichnung die tiefe Sehnsucht des Arztes nach Frieden und Geborgenheit wider.

Kurt Reuber

Kurt Reuber wurde im Mai 1906 in Kassel geboren und war nicht nur Arzt und Pfarrer, sondern auch Künstler. Mit 36 Jahren musste er seine Kirchengemeinde verlassen und war seit November 1942 in Stalingrad eingesetzt. Die Wehrmacht bestrafte ihn damit für antifaschistische Predigten, die er zuvor in der Öffentlichkeit hielt. Er kam zwei Tage bevor der Kessel geschlossen wurde vom Heimaturlaub zurück. 

Weihnachten im Kessel

Ein Gemälde von einer Schlacht.

Gemälde der Schlacht um Stalingrad

Pixabay/ licence free

Die Rote Armee hatte Stalingrad bereits einen Monat vor Weihnachten 1942 eingekesselt. Die Temperaturen fielen bis auf -40°C und es fehlte den Soldaten der 6. Armee der Wehrmacht an fast allem. Für Besinnlichkeit gab es kaum Zeit oder Ressourcen. Bomben schlugen ein und hinterließen tiefe Krater, Soldaten erlitten Verwundungen oder starben noch auf dem Schlachtfeld. Dennoch entschied der Kommandant an Heiligabend, eine kleine Feier abzuhalten. Neben Weihnachtsliedern und Ansprachen enthüllte Reuber dort seine hoffnungsstiftende Madonna.

Ein Zeichen der Hoffnung verließ den Kessel

Die Lage spitzte sich immer weiter zu und ein katastrophales Ende zeichnete sich ab. Anfang 1943 gab der Lazarettarzt einem schwer verwundeten Offizier Briefe und Zeichnungen an seine Familie mit, worunter sich das berühmte Bildnis der Madonna befand. Es war einer der letzten Transportflüge, die es aus Stalingrad schafften. Kurz darauf brach der Wiederstand der Wehrmacht zusammen und Reuber geriet, wie weitere 90.000 deutsche Soldaten, in Kriegsgefangenschaft. Der evangelische Pfarrer sollte diese nicht überleben, er starb 1944 an Flecktyphus.

Die Madonna in der Gegenwart

Ein Bundeswehr Patch auf einer Uniform.

Das Verbandswappen des Sanitätsregiment 2 mit Stalingradmadonna

Bundeswehr/Marcel Bockisch-Ernst

Die Stalingradmadonna ist ein Bild der Hoffnung in aussichtsloser Lage, welches noch bis in die Gegenwart strahlt. Im Jahr 1983 entschieden sich Reubers Hinterbliebene, das Bild der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Zum Gedenken an die Gefallenen der Schlacht und zur Mahnung zum Frieden befindet sich das Bild seit 1983 in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Als Zeichen der Versöhnung hängt seit 1995 ein weiteres Exemplar in der Kathedrale von Wolgograd, dem damaligen Stalingrad. Zudem ist die Stalingradmadonna ein immer wieder verwendetes Symbol in der Wappentradition des Sanitätsdienstes. Zu finden ist sie aktuell auf dem Verbandswappen des Sanitätsregiments 2.

von Marcel Bokisch-Ernst