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Vergiftung mit Nervenkampfstoff - Bundeswehr forscht

Vergiftung mit Nervenkampfstoff - Bundeswehr forscht

  • Medizin & Gesundheit
  • Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
München
Lesedauer:
2 MIN

Chemische Kampfstoffe sind international geächtet. Trotzdem kam es in der Vergangenheit zum Einsatz von Nerven- und Hautkampfstoffen. Das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr ist in Deutschland die einzige Einrichtung, die mit spezialdiagnostischen Verfahren den Nachweis von Kampfstoffvergiftungen in biologischen Proben führen kann.

Eine Hand hält eine Pipette während die zweite Hand die Teströhrchen hält um die Substanz aufzunehmen

Wissenschaftler des InstPharmToxBwInstitut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr untersuchen mit spezialdiagnostischen Verfahren Ringversuchsproben der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen auf Spuren chemischer Kampfstoffe

Bundeswehr/Simon Hoepfl

Seit mehr als 50 Jahren forscht das InstPharmToxBwInstitut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr im Bereich des medizinischen C-Schutzes vor chemischen Kampfstoffen und vertritt sein Fachgebiet auf universitärem Niveau. Es gehört zu den weltweit führenden Institutionen auf dem Gebiet der Diagnostik, Verifikation und Behandlung von Vergiftungen durch chemische Kampfstoffe.

Nervenkampfstoffe: Die tödliche Gefahr

Nervenkampfstoffe sind Gifte, die die Weiterleitung von Signalen zwischen Nerven und Organen stören. Diese Gifte werden über die Haut und die Atmung aufgenommen. Sie können schwere lebensbedrohliche Verläufen bewirken, die schließlich zum Tod führen. Einige typische Symptome sind Muskelkrämpfe, unkontrollierter Harn- und Stuhlabgang, Pupillenverengung, starkes Schwitzen, Erbrechen und Durchfälle, Zittern, Bewusstlosigkeit und erschwerte Atmung bis hin zur Atemlähmung.

Schnelle Hilfe bei Kontamination

Ein Röhrchen mit einer gelben Substanz darin vor einem Beutel auf dem die Kästchen gelb bis weiß zu sehen sind

Ein Prüfröhrchen zum Auffinden von Nervenkampfstoffen mit einem negativen Testergebnis

Bundeswehr/Simon Hoepfl

Erst wenn eine Kontamination erkannt wird, veranlasst dies die Rettungskräfte ihre persönliche Schutzausrüstung anzulegen. Schnelle Testverfahren zum Nachweis von Nervenkampfstoffen vor Ort sind daher lebenswichtig. Solche Testverfahren werden im InstPharmToxBwInstitut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr erforscht und weiter entwickelt. Ein Detektor zum Nachweis von Nervenkampfstoffen auf der Haut, der einfach zu handhaben und empfindlich genug ist, um geringste, aberf bereits gefährliche Mengen Kampfstoff festzustellen, wurde erfolgreich entwickelt.

Atropin-Therapie rettet

Kunststoffröhrchen gefüllt mit der chemischen Lösung Atropin zur Injektion

Atropin wird bei Kontamination mit Nervenkampfstoffen mit einem Autoinjektor injiziert

Bundeswehr/Simon Hoepfl

Im Falle einer Vergiftung, erfolgt die Therapie von Patienten mit einer Nervenkampfstoff-Vergiftung standardisiert und muss noch vor der genauen Identifizierung des eingesetzten Nervenkampfstoffes begonnen werden. Behandelt wird dabei mit den Antidoten Atropin und Obidoxim. Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr verfügen im Einsatz über Autoinjektoren um sich selbst oder ihren Kameradinnen und Kameraden die lebensrettenden Mittel zu injizieren.  

Forschung und Wissenschaft mit internationalem Know-how

Das InstPharmToxBwInstitut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr erforscht derzeit unter anderem neuen therapeutische Ansätze und neuen Wirkstoffen gegen chemische Kampfstoffe. Neue Therapieoptionen mit sogenannten „Fängermolekülen“ oder der Einsatz von Stammzellen bilden nur einen Teil der komplexen Forschungsarbeiten.

von Priv.-Doz. Dr. Timo Wille, Prof. Dr. Horst Thiermann, Uli Reineke 

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