Streitkräftebasis

Für eine einsatzbereite Reserve

Für eine einsatzbereite Reserve

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  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Wildflecken
Lesedauer:
6 MIN

Herbstausbildung des Landesregimentes Bayern: Das VN-Ausbildungszentrum entwickelt Übungsszenarien für den Heimatschutz, die dann im Rahmen eines Pilotversuchs am regionalen Ausbildungsstützpunkt der Reserve in Wildflecken beübt werden. Ein wichtiger Schritt zur Standardisierung der Ausbildungsprogramme für die Territoriale Reserve der Streitkräftebasis.

Ein Marsch im Nebel. Richtiges Orientieren im Gelände will gelernt sein.

Patrouille: Soldaten des Landesregimentes Bayern kehren nach einem Marsch zum Lager zurück. Situation aus der Herbstausbildung auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken.

Bundeswehr/Tom Twardy

Eine Luna-Drohne ist in der Nähe eines Dorfes abgestürzt. Auftrag an Leutnant Christian Werner und seine Soldaten vom Landesregiment Bayern: Die Drohne im Gelände zu finden, sie zu bergen und zunächst in eines der Häuser bringen. Das Problem: Die Leute im Dorf sind zwar freundlich, aber auch neugierig. Vor allem aber muss mit feindlichen Kräften gerechnet werden. In mehreren Gruppen nähern sich die Soldaten dem Dorf und der Absturzstelle. Professionell und vorsichtig. Leutnant Werner und seine Gruppe durchqueren ein Waldstück, eine andere Gruppe nimmt den Weg durchs Dorf. Manche Bewohner grüßen, andere arbeiten einfach weiter. So könnte ein Einsatz des Landesregiments Bayern aussehen. Bei der Herbstausbildung auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken übten die Reservisten eine Woche lang verschiedene Aufgaben und Szenarien, etwa Patrouille, Schießen in besonderen Situationen, Fahrzeug- und Personenkontrolle, Erste Hilfe für Kameraden und Zivilpersonen.

Stationsausbildung im Gelände

Ein Soldat spiegelt an einem Checkpoint einen geöffneten Motorraum ab.

Fahrzeugkontrolle: Ein Reservist des Landesregiment Bayern prüft den Motorraum eines Autos. Die Soldaten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSU) sind für Wach- und Sicherungsaufgaben ausgebildet.

Bundeswehr/Tom Twardy

Das Landesregiment ist ein Pilotprojekt von Bundeswehr und Reservistenverband. Es ist ein 2019 neu aufgestellte Verband der Territorialen Reserve der Streitkräftebasis. Darin sind die drei fränkischen Kompanien der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSU) zusammengefasst, neu hinzugekommen sind eine Stabs- und Versorgungskompanie sowie eine Unterstützungskompanie. Hauptauftrag des Landesregiments ist der Objektschutz, aber auch andere Wach- und Sicherungsaufgaben innerhalb Deutschlands. Das Landesregiment dient dem Heimatschutz. Das Projekt verfolgt den Zweck, eine neue Führungsstruktur der Reserve zu erproben und die Ausbildung für die Territoriale Reserve zu professionalisieren. Die Herbstausbildung des Landesregiments in Wildflecken war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Erstmals übten alle Kompanien des Regiments gemeinsam, und erstmals übernahm das Vereinte Nationen (VN)- Ausbildungszentrum aus Hammelburg die Ausbildung der Reservisten. Das VN-Ausbildungszentrum bereitet Soldatinnen und Soldaten für Auslandseinsätze vor und hat nun einige Szenarien für die Heimatschutz-Ausbildung angepasst. Wildflecken ist der erste regionale Ausbildungsstützpunkt der Reserve.

Fordernde Aufgabe für die Ausbilder

Ein Soldat gibt sichtlich angespannt Anweisungen per Funk, im Hintergrund sind Soldaten in Stellung gegangen.

Die Reservisten beherrschen in der Herbstausbildung auch überraschende und unübersichtliche Szenarien. Ein Soldat gibt sichtlich angespannt Anweisungen per Funk, im Hintergrund sind Soldaten in Stellung gegangen.

Bundeswehr/Tom Twardy

Die Drohne ist im Gelände schnell entdeckt. Neugierige sind genauso schnell vor Ort. Höflich, aber bestimmt fordern die Soldaten sie auf, sich von der Absturzstelle zu entfernen. Rollenspieler des VN-Ausbildungszentrums lassen die Situation besonders realistisch erscheinen: Sie spielen manchmal freundliche, oft aber motzende, aufdringliche oder uneinsichtige Zivilisten. Plötzlich fallen Schüsse. Die Menschen laufen schreiend auseinander. Jemand ruft um Hilfe. Leutnant Werner und seine Gruppe suchen Deckung hinter einem Gebäude, ein Schütze postiert sich an einem Fenster. Werner gibt Befehle über Funk. In einiger Entfernung beobachtet Oberst Werner Klaffus, der Kommandeur des VN-Ausbildungszentrums, die Szene. Auch für ihn und seine Soldaten ist diese Herbstausbildung eine Premiere, denn „Reservisten haben wir so noch nie ausgebildet“, erzählt Klaffus: „Für uns ist das eine fordernde Aufgabe. Das wesentliche Element, das wir hier bieten können, ist die Praxis. Die Themen sind etwas anders als für die Einsatzvorbereitung, aber die Ernsthaftigkeit, die Sorgfalt und die Professionalität sind immer gleich.“

Die Reserve trainiert den Objektschutz

Auf Posten am Checkpoint, mit Gefechtshelm, Splitterschutzbrille und Gewehr G36

Checkpoint: Feldwebel Reinhard Tschampel und seine Kameraden sichern die Zufahrt zu einer Liegenschaft. Objektschutz gehört zu den wichtigsten Aufgaben und damit Ausbildungszielen der Territorialen Rese­­­rve.

Bundeswehr/Tom Twardy

Drohne gesichert, Verletzte versorgt – Auftrag abgeschlossen. Die Gruppe um Leutnant Werner marschiert zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Dort steht am Tor Feldwebel Reinhard Tschampel. Die Kameraden auf dem Wachturm haben die zurückkehrende Patrouille bereits gesehen und gemeldet. Tschampel lässt sie passieren. Die Anlage auf dem Truppenübungsplatz ist wie eine Einfahrt zu einem Feldlager gebaut, könnte aber auch eine Einfahrt zu einer Kaserne sein. Diese oder auch kritische Infrastruktur, also etwa den Zugang zu einem Kraftwerk oder auch einer Kläranlage, in einem Krisenfall zu sichern gehört zu den Aufgaben der Territorialen Reserve. Als sich ein Auto der Einfahrt nähert, weist Feldwebel Tschampel den Fahrer mit der Winkerkelle in eine Gasse, in der bereits seine Kameraden warten. Sie lassen den Fahrer aussteigen, ihn Türen und Fächer des Wagens öffnen – Fahrzeugkontrolle. Ist es wirklich ein Handwerker oder hat er in einer seiner Kisten eine Waffe versteckt? Wenig später erscheinen Demonstranten vor dem Tor, schwenken Transparente und skandieren Parolen. Die Ausbildung bringt für die Teilnehmer immer wieder überraschende Situationen. Fest steht nur: Mittags kommt der Spieß und gibt die Geländeverpflegung aus. Der Eintopf dampft verführerisch im Geschirr. Verpflegung und Fahrdienste bei der Herbstübung sind der erste reale Auftrag der neu aufgestellten Stabs- und Versorgungskompanie.

General Weigt: „Es hat sich uneingeschränkt gelohnt“

Ein General im Feldanzug spricht zu seinen Soldaten.

Generalleutnant Jürgen Weigt inspizierte die Herbstausbildung des Landesregimentes Bayern in Wildflecken. General Weigt ist Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten der SKBStreitkräftebasis.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Die Struktur des Landesregimentes, im Laufe des Pilotprojekts angepasst und verbessert, sowie die Ausbildung sollen modellhaft auch auf andere Landesregimenter übertragbar sein. Insbesondere die Ausbildung liegt Generalleutnant Jürgen Weigt, Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten der SKBStreitkräftebasis, am Herzen. Er hat die gesamte Woche in Wildflecken begleitet. „Diese Ausbildung ist deutlich mehr als die Feststellung des Ausbildungsstandes von Reservisten aus dem Landesregiment“, erklärt General Weigt. „Es ist Ziel und Zweck dieser Herbstausbildung, dabei zu helfen, Blaupausen für eine Ausfächerung weiterer Einheiten der territorialen Reserve zu schaffen. Ich sehe hier vor allem die Notwendigkeit zur Schaffung standardisierter Ausbildungsprogramme.“ Die Auswertung der Woche werde sich auf die Ausbildung aller deutschen RSU-Kompanien auswirken. Insgesamt zieht Generalleutnant Weigt ein positives Fazit, von der Motivation der Reservisten über das Engagement der Ausbilder bis hin zu den übergeordneten Aspekten für die Reserve insgesamt: „Es hat sich uneingeschränkt gelohnt, die Herbstausbildung in dieser Form durchzuführen.“

Schießen in besonderen Lagen

Drei Soldaten beim Gefechtsschießen aus einer Stellung auf einem Gebäudedach.

Gefechtsschießen: Stabsgefreiter Gerhard Putz (ganz hinten) und seine Kameraden üben in Wildflecken. Die Ausbildung im scharfen Schuss kam bei den Reservisten besonders gut an.

Bundeswehr/René Teich

An der Gefechtsschießbahn des Truppenübungsplatzes wehen rote Signalfähnchen: Achtung, scharfer Schuss! Eine Gruppe Reservisten macht sich bereit. Sie soll eine Anlage sichern, so der Auftrag. Stabsgefreiter Gerhard Putz und die Kameraden in seiner Gruppe müssen wachsam sein: Manche der Rollenspieler stellen harmlose Passanten dar, unter anderem bewaffnete Jäger, die aus dem Wald zurück ins Dorf kommen. Im Wald aber lauern auch Feinde. Eine Granate explodiert. Die Reservisten verteidigen ihre Stellung. Für den Stabsgefreiten und viele seiner Kameraden ist diese Station ein Highlight der Ausbildung. Stabsgefreiter Putz: „Wir mussten sehr darauf achten, dass kein falscher Schuss fällt und wir keine Zivilisten bekämpfen.“ Unterstützende Feuerkraft durch schwere Waffen kommt vom VN-Ausbildungszentrum. In Zukunft übernehmen dies die Soldatinnen und Soldaten der neuen Unterstützungskompanie.

General Laubenthal: Dank an die Arbeitgeber

Ein General im Feldanzug spricht im Gelände zu angetretenen Soldaten. Im Hintergrund Mittelgebirgspanorama.

Antreten: Generalleutnant Markus Laubenthal, Stellvertreter des Generalinspekteurs, spricht zum Landesregiment Bayern.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Ein Hubschrauberabsturz mit verwundeten Kameraden, ein Feuergefecht mit Feinden, aufgebrachte Demonstranten vor dem Tor, Gespräche mit einem Lokalpolitiker: In der Abschlussübung am letzten Tag der Ausbildungswoche sind die Reservisten nochmals besonders gefordert. Wegen des bedeutenden Modellcharakters der Pilot-Ausbildung sind Generalleutnant Markus Laubenthal, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, und Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, nach Wildflecken gekommen. General Schelleis sagt, er sei „schlicht begeistert“ von den Leistungen: „Die Qualität der Ausbilder des VN-Ausbildungszentrums ist mir bewusst und hat sich heute wieder gezeigt. Die Güte der Führer unter den Reservisten und die Disziplin und Motivation der Truppe der Reservisten haben meine Erwartungen deutlich übertroffen.“ Auch Generalleutnant Laubenthal ist voll des Lobes für die Reserve: „Ich bin tief beeindruckt von der Motivation der Leute und der Leistungsfähigkeit. Von der Art und Weise, wie sie Dinge angehen. Und von ihrer Freiwilligkeit, hier zusätzlich zu ihrem Beruf diese Belastung auf sich zu nehmen. Ich danke dabei gleichzeitig auch den Arbeitgebern, die es möglich machen, die Männer und Frauen abzustellen.“ General Laubenthal betont den Modellcharakter der Ausbildungswoche und erklärt, man werde nach der Auswertung Lehren für die Ausbildung der gesamten Territorialen Reserve in Deutschland ziehen und diese auch möglichst schnell umsetzen. Generalleutnant Laubenthal ist überzeugt: „So schaffen wir eine einsatzbereite Reserve.“

von Dr. Felicia Englmann  E-Mail schreiben

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