Henning von Tresckow: Mahnung und Verpflichtung

Henning von Tresckow: Mahnung und Verpflichtung

  • Einsatzführungskommando
  • Henning von Tresckow
Datum:
Ort:
Schwielowsee
Lesedauer:
4 MIN

Henning von Tresckow war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalmajor der Wehrmacht. Er war eines der entschlossensten Mitglieder und neben Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg die zentrale Figur des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. 77 Jahre nach seinem Tod fand heute in Geltow, zu seinen Ehren, in der Kaserne die seinen Namen trägt, eine Gedenkfeier statt.

Mehrere Menschen stehen im Kreis im Gespräch

Hoher Besuch: Ministerpräsident Brandenburgs, Dietmar Woidke, und Präsidentin des brandenburgischen Landtages, Ulrike Liedtke

Bundeswehr/Florian Sorge

Neben von Tresckows Tochter Dr. Uta Freifrau von Aretin und anderen Familienangehörigen, begrüßte Generalleutnant Erich Pfeffer, Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, unter anderen auch die Präsidentin des Landtages Brandenburg Frau Prof. Dr. Ulrike Liedtke, den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Herr Dr. Dietmar Woidke, die Bürgermeisterin der Gemeinde Schwielowsee Frau Kerstin Hoppe sowie den Bürgermeister von Potsdam Herrn Burkhard Exner. Unter der Leitung von Stabsfeldwebel Lackert eröffnete das Holzbläserquintett des Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg, mit einer Komposition von Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge in g-Moll, die Veranstaltung.

Herzensangelegenheit

Ein General und eine ältere Dame im Gespräch

Generalleutnant Pfeffer war es eine besondere Freude, die Tochter und Familie Henning von Treschkows im Kommando zu begrüßen

Bundeswehr/Florian Sorge

„Der Henning von Tresckow Tag hat nicht nur für die Angehörigen des Einsatzführungskommandos eine große Bedeutung sondern liegt mir auch persönlich am Herzen.“, begrüßte Generalleutnant Erich Pfeffer die Gäste. „Wir gedenken heute aber nicht nur dem Widerstandskämpfer, sondern auch den Opfern der verheerenden Unwetterkatastrophe. Ihnen und ihren Angehörigen gehört unser tiefes Mitgefühl.“
Für Generalleutnant Erich Pfeffer war dieser 77. Gedenktag ein besonderer, da es der letzte sein wird, den der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr vor seiner Pensionierung durchführt. Er betonte jedoch ausdrücklich: „Es ist zwar meine, aber nicht die letzte Veranstaltung. Ganz im Gegenteil, der Tag ist bereits für 2022 terminiert.“ Besonders dankte General Pfeffer der Familie: „Die langjährige Verbundenheit mit unserem Kommando ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit. […]Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, Ihr Interesse und Ihre Wertschätzung.“

Essentielle Frage des Soldatenberufes  

Soldatin steht am Rednerpult. Im Hintergrund beleuchtete Bilderrahmen

Oberstleutnant Sandra Pillath ging in ihrer Rede sowohl auf den Menschen Henning von Tresckow, als auch auf sein Erbe ein

Bundeswehr/Florian Sorge

„Dieser Tag ist nicht nur ob unserer historischen Verantwortung etwas Besonderes. Er ist auch etwas Besonderes, weil die Auseinandersetzung mit dem militärischen Widerstand eine essentielle Frage des Soldatenberufes aufwirft: Wie schwer oder leicht wiegt das Gewissen des Einzelnen in einer Organisation, die nach dem Grundprinzip von Befehl und Gehorsam funktioniert und die ihren Auftrag im Zweifel mit Waffengewalt durchsetzt?“ beginnt Oberstleutnant Sandra Pillath, Referentin für Parlamentarische Angelegenheiten und Strategische Kommunikation Einsatzführungskommando der Bundeswehr, ihr Eingangsgedenken. Sie ist überzeugt, dass diese Auseinandersetzung heute wichtiger denn je sei und dass ein ethisch fundiertes Gewissen eine Grundvoraussetzung für den verantwortungsvollen Dienst an der Waffe ist.

Vom Enthusiasmus zum Zweifel

Büste eines Soldaten in Uniform, daneben stehen Soldaten des Wachbataillons

Büste Generalmajor Henning von Treschkow vor dem Kommandogebäude des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr

Bundeswehr/Florian Sorge

Kaum jemand hat größeren Einfluss auf die Entwicklung des militärischen Widerstands genommen als Henning von Tresckow, oft als „Preuße mit Weltoffenheit“ beschrieben. Seine Wurzeln lagen in seiner protestantischen Erziehung, dem christlichen Glauben und wohl auch in der innigen Beziehung zu seiner Familie. Seine Kriegserfahrungen, das Jurastudium und die Arbeit als Bankkaufmann sowie die Eindrücke seiner Weltreise ließen ihn wachsen. Dabei war er nicht skrupel- und rücksichtlos, wie der Großteil des deutschen Militärs jener Zeit sondern bei von Tresckow verlief der Prozess gewissermaßen umgekehrt: Anfänglich zustimmend und enthusiastisch, ließen ihn die Taten Hitlers alsbald zweifeln. Durch kritische Augen glich er die Realität mit seinen Überzeugungen ab. Er reflektierte also, was um ihn herum geschah. Im Krieg wurde er dann zu einem der führenden Köpfe des Widerstands um den 20. Juli 1944. Diese Wandlung war vor allem von Tresckows Gewissen geschuldet, das sich nach anfänglicher Begeisterung rasch zu melden begann, als ihm der verbrecherische Charakter des NSNationalsozialismus-Regimes vor Augen geführt wurde.

Wer Menschen führen will, muss Menschen mögen

Mehrere Personen sitzen auf Stühlen in einem Saal

Die Anwesenden hörten aufmerksam den Vortragenden zu

Bundeswehr/Florian Sorge

Oberstleutnant Pillath ließ es sich nicht nehmen, Worte aus den Erinnerungen Erika von Tresckows zu rezitieren, die ihren Ehemann als ausgesprochenen Optimisten, mit schier uferlosem Idealismus beschrieb. Dieser wiederum befähigte ihn zu einem besonders glücklichen Umgang mit Menschen, denn „Henning von Tresckow sah und erwartete zunächst immer das Gute und erweckte dadurch im Anderen oft den Impuls, auch das Beste zu geben“.
Heutzutage sind Motivation und Führungsstil präsenter denn je. Die Dienstvorschrift zur Inneren Führung fasst das Selbstverständnis und die Führungskultur der Bundeswehr recht schnörkellos zusammen: „Grundvoraussetzung für verantwortungsbewusste und aufgeschlossene Vorgesetzte ist deren positive Einstellung zu ihren Mitmenschen. Wer Menschen führen will, muss Menschen mögen.“ Dieser Satz ist so schlicht, so einfach und beinhaltet doch die größte Verantwortung, die es im Soldatenberuf zu schultern gibt: Die Verantwortung für die anvertrauten Soldatinnen und Soldaten.

Bereit für seine Überzeugung sein Leben zu geben

Henning von Tresckow sagte einst: „Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben zu geben.“ Sein Leben, seine Taten und die Taten derjenigen, die im Glauben an eine bessere und gerechtere Welt, ohne die Tyrannei Hitlers und des Dritten Reiches, ihr Leben riskiert und gegeben haben, sind Mahnung und Verpflichtung zugleich. Sie sind Mahnung, so etwas nie wieder geschehen zu lassen; sie sind Mahnung, nicht zu vergessen. Vor allem aber sind sie Verpflichtung, sich der Verantwortung bewusst zu werden, die mit dem Tragen dieser Uniform einhergeht.

Andacht und Kranzzeremonie

Drei Personen stehen nebeneinander vor Blumenkränzen, der Soldat in der Mitte grüßt militärisch

Vor den gestifteten Blumenkränzen drücken die Anwesenden ihre Verbundenheit und Wertschätzung aus

Bundeswehr/Florian Sorge

Nach einer Andacht durch den katholischen Militärpfarrer Stephan Frank, in der er betonte: „Wir bleiben mit unseren Liebsten auch über den Tod hinaus verbunden.“ und einer Lesung durch Generalleutnant Erich Pfeffer, gedachten die Anwesenden im Anschluss vor den gestifteten Blumenkränzen. Zum Ausklang der Kranzzeremonie spielte Hauptfeldwebel Eric Butzkamm vom Musikkorps der Bundeswehr Siegburg das Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden.“



von Redaktion Einsatz 

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