Im Interview mit Professor Johannes Varwick
Ich glaube schon. Wir befinden uns in einem Zeitalter der Globalisierungsdämmerung. Politiker und Gesellschaften akzeptieren nicht mehr den Grad an Vernetzung und damit Verwundbarkeit, Lieferketten orientieren sich neu, die Globalisierung entwickelt sich zurück. Eigentlich eine schlechte Botschaft, denn: Trotz ihrer Nachteile hat die Globalisierung dazu geführt, dass der Wohlstand für alle gewachsen ist. Die Folge sind härtere Verteilungskonflikte. Zudem wird beispielsweise China ohne das bisherige Maß an Globalisierung sein Wirtschafts- und Sozialmodell nicht halten können. Wo sich aber alles neu schüttelt, wird es im Zweifel instabiler. Kurzum, die Weltpolitik steht vor einer sehr unruhigen Phase mit vielen Verlierern. Der von Ihnen angesprochene Unilateralismus ist nur eine Facette, der hilflose Versuch einzelner Staaten, dagegen anzukämpfen. Zweifellos eine düstere Bestandsaufnahme, aber so stellt sich die Lage nun einmal dar.