Ausbildung trotz Corona

Ausbildung trotz Corona

  • BLS
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
1 MIN

In diesem Jahr war an der Führungsakademie der Bundeswehr vieles anders: Der Basislehrgang Stabsoffizier (BLSBasislehrgangs Stabsoffizier) 1-2020 wurde im März vorzeitig beendet und zwei weitere Durchgänge von zwölf auf acht Wochen verkürzt. Nur durch ein strenges Hygienekonzept war der Präsenzunterricht für die rund 400 angehenden Stabsoffiziere möglich. In der vergangenen Woche wurden die Lehrgangsteilnehmenden verabschiedet. Brigadegeneral Holger Neumann ist als Direktor Ausbildung der Führungsakademie unter anderem für den BLSBasislehrgangs Stabsoffizier verantwortlich. Wie sein Fazit nach dieser herausfordernden Zeit ausfällt, hat er im Interview verraten.

Brigadegeneral Holger Neumann

Im Interview zieht Brigadegeneral Holger Neumann ein Fazit zur Ausbildung an der Führungsakademie während der Corona-Pandemie

Führungsakademie der Bundeswehr/Michael Gundelach

Vier anstrengende Lehrgangsmonate liegen seit Mitte August hinter Lernenden und Lehrenden. Diesem Abschnitt ging seit März eine intensive Planungsphase voraus. Wo lag die größte Herausforderung?

Nach einer kurzen Reaktionszeit mussten wir im März schnell in die Planungsphase übergehen. Denn es musste rasch eine Antwort auf die Frage gefunden werden: Wie kann der Ausbildungsbetrieb an der Führungsakademie weitergehen? Den im Januar begonnenen Lehrgang konnten wir vorzeitig erfolgreich abschließen, da uns genügend Erkenntnisse vorlagen. Der ursprünglich für April vorgesehene BLS 2-2020 konnte nicht wie geplant stattfinden. Im Frühjahr wussten wir deutlich weniger über Covid-19 als heute. Das war die größte Herausforderung für unsere Planungen. Es war der berühmte Blick in die Kristallkugel. Allerdings war uns von vornherein klar, dass wir uns dieser Herausforderung mit allen Konsequenzen stellen müssen, weil der BLS ein laufbahnrelevanter Lehrgang ist. Wegducken war keine Option. So entstand die Idee, die beiden in diesem Jahr verbleibenden Lehrgänge von zwölf auf acht Wochen zu verkürzen, um die angehenden Stabsoffiziere in einer Variante „short and snappy“ noch in 2020 qualifizieren zu können.

Sehen Sie einen Qualitätsverlust aufgrund der verkürzten Lehrgänge?

Wenn man von zwölf auf acht Wochen verkürzen muss, gibt es natürlich Verluste. Ein prominentes Beispiel ist die Berlin-Woche, die einen wichtigen Ausbildungsabschnitt markiert. Dort können wir den angehenden Stabsoffizieren vor Ort zeigen, wie das politische Berlin funktioniert. Sie erhalten Einblicke in die Verteidigungspolitik und können unter anderem Gespräche mit Abgeordneten führen. Dies alles musste leider entfallen.

Sind die Lehrgangsziele dennoch erreicht?

Wir haben zwei Aufträge im BLS: Zum einen bilden wir alle angehenden Stabsoffiziere der Bundeswehr weiter. Zum anderen geben wir ein Votum ab, welches Potenzial die jungen Offiziere aus unserer Sicht für eine weiterführende General-/Admiralstabsdienstausbildung haben. Am Anfang gab es auch Diskussionen, ob acht Wochen hierfür ausreichen würden. Wir haben die Methodik und Didaktik angepasst und ein striktes Hygienekonzept etabliert. So haben wir beispielsweise die Hörsäle aufgeteilt und die Gruppengröße von 18 auf neun Personen reduziert. Mit diesen und weiteren Maßnahmen konnten wir in beiden Durchgängen trotz der Verkürzung ein sehr valides Ergebnis erzielen.

Die Akademieführung hat sich dafür entschieden, die Lehrgänge in Präsenz durchzuführen. Warum wurde sich gegen eine digitale Lösung entschieden?

Bei einer ausschließlich digitalen Durchführung der Lehrgänge hätten wir den Weiterbildungsanteil sicherstellen können. Eine belastbare Potenzialfeststellung wäre nicht möglich gewesen, da für diese eine Präsenz zwingend notwendig ist.

Gab es keine Corona-Fälle unter so vielen Lehrgangsteilnehmenden?

Es gab einzelne Erkrankungen und Verdachtsfälle an der Führungsakademie. Aufgrund der hohen Disziplin aller Beteiligten und der strikten Einhaltung des Hygienekonzepts konnte eine weitere Ausbreitung vermieden werden. Hier geht ein großes Dankeschön an das gesamte Team Führungsakademie. Sowohl die Fakultäten als auch die Lehrgruppen und insbesondere die Tutoren haben vieles getan und Außergewöhnliches geleistet, um die Lehrgänge zu ermöglichen. Ein ebenso großes Kompliment und Dankeschön geht an die Lehrgangsteilnehmenden, denn ohne deren Disziplin und Motivation hätten die Lehrgänge nicht erfolgreich durchgeführt werden können.

Welche Erkenntnisse konnten nun für zukünftige Lehrgänge gezogen werden? Wie sieht der BLSBasislehrgangs Stabsoffizier im Jahr 2021 aus?

Nach den beiden erfolgreichen Durchgängen haben wir in der Lehre die Gewissheit, dass wir auch unter den schwierigen Rahmenbedingungen einer Pandemie ausbilden können. Für 2021 planen wir zum zwölfwöchigen Modell des Lehrgangs zurückzukehren, um den Teilnehmenden wichtige Anteile wie die Berlin-Woche wieder anbieten zu können. Die Pandemie wirkte in Teilen als Katalysator, deckte aber auch vorhandene Defizite insbesondere in der Digitalisierung schonungslos auf. Wir konnten die großen Lücken schließen. Die gemachten Erfahrungen – welche Chancen liegen im Lehren und Lernen auf Distanz, wie beeinflusst Digitalisierung Führung und welche Digitalkompetenz ist notwendig – fließen in die zukünftige Ausbildung an der Führungsakademie ein.

Zur Sache   

Der Basislehrgang Stabsoffizier (BLSBasislehrgangs Stabsoffizier) ist eine laufbahnrelevante Ausbildung und bereitet jährlich rund 600 Offiziere auf ihre ersten Verwendungen als Stabsoffizier der Bundeswehr vor. Ein Stabsoffizier ist vergleichbar mit einem Beamten oder Angestellten im höheren Staatsdienst.

von Eckhard Michel  E-Mail schreiben

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