Der kurze Draht zwischen zwei Ländern

Der kurze Draht zwischen zwei Ländern

  • Menschen
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
4 MIN

Vom Bundesheer zur Bundeswehr: Als seine militärische Karriere vor fast 30 Jahren begann, ahnte Oberst des Generalstabsdienstes (dG) Michael Exeli nicht, dass er ein paar Jahre in Deutschland dienen würde. Der gebürtige Österreicher ist einer von vier Austauschoffizieren an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

Oberst des Generalstabsdienstes Michael Exeli blickt in die Kamera

Oberst des Generalstabsdienstes Michael Exeli ist seit Mitte 2017 als Austauschoffizier an der Führungsakademie der Bundeswehr tätig

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Soll ich zum Militär oder doch lieber zur Polizei gehen? Das fragte sich Oberst dG Michael Exeli schon als Kind. In der Oberstufe war er sich dann sicher: Er wechselte auf das Militärrealgymnasium, um unmittelbar nach seinem Abschluss in das österreichische Bundesheer einzutreten. Exeli schlug die Offizierslaufbahn ein.

Nachdem er die Militärakademie absolviert hatte, wurde er in der Aufklärungstruppe eingesetzt. „Mich interessierten vor allem die mechanisierten Truppen. Weit vorne zu sein, Informationen zu beschaffen, das hat etwas Elitäres. Man gehört zu einer Clique, die in der Truppe nicht so groß ist“, sagt Oberst dG Exeli.

Auf einem Truppenübungsplatz, mitten im Wald, steht ein Führungspanzer.

Während eines Kompaniegefechtsschießens im Jahr 2003: Oberleutnant Exeli auf einem Führungspanzer seiner Panzeraufklärungskompanie

Michael Exeli

Vielfältige Verwendungen und Einsätze

Anschließend wurde er zum Generalstabsoffizier ausgebildet und durchlief verschiedene Verwendungen. Er war unter anderem Chef des Stabes beim Kommando Luftunterstützung sowie Chef des Stabes und stellvertretender Kommandant bei der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule.

Auch mehrere Einsätze unter anderem im Kosovo und in Afghanistan sind in seinem Lebenslauf zu finden. Zudem absolvierte er das USUnited States Army War College. Dazu kommen Verwendungen an der Landesverteidigungsakademie und im Bundesministerium für Landesverteidigung.

In voller Schutzausrüstung blickt Oberst dG Exeli in die Kamera

Das Foto zeigt Oberst dG Exeli im Rahmen der NATO Operation Resolute Support in Afghanistan südlich von Mazar-e Sharif im Dezember 2016

Michael Exeli

An die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg verschlug es den gebürtigen Österreicher Mitte 2017. Hier ist er als Austauschoffizier eingesetzt. „Letztendlich geht es bei dieser Funktion auch darum, dass Deutschland und Österreich eng zusammenarbeiten.“

Austausch mit Vorteilen

Oberst dG Exeli ist Dozent der Fakultät Einsatz, Cyber- und Informationsraum, Streitkräftebasis an der Führungsakademie der Bundeswehr. Ein deutscher Offizier ist im Gegenzug an der Landesverteidigungsakademie in Wien eingesetzt und deckt dort im Wesentlichen das Themengebiet Luft- und Weltraumoperationen ab.

Exeli unterrichtet die Lehrgangsteilnehmenden des Generalstabs- und Admiralstabsdienst National (LGAN) und International (LGAI) im Bereich Operationsplanung und Operationsführung mit dem Schwerpunkt Vereinte Nationen (VN) und Europäische Union (EU). Darüber hinaus ist er inhaltlich für das VN In-Mission-Training mitverantwortlich und unterstützt UNUnited Nations-Stabsoffizierslehrgänge in anderen Ländern wie beispielsweise Ghana.

Ein Soldat sitzt am PC, Oberst dG Michael Exeli steht hinter ihm

Als Dozent vermittelt Oberst dG Michael Exeli Wissen zum Thema Operationsplanung und Operationsführung

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

„Wir versuchen, engen Kontakt zu den Institutionen der Vereinten Nationen, speziell zum Hauptquartier, zu halten und arbeiten auch an Richtlinien oder Handbüchern mit. Derzeit überarbeiten wir hier an der Führungsakademie federführend das Übungsszenario „Carana“ der VN.“

Oberst dG Exeli ist zudem für die multinationale Übung Combined Joint European Exercise (CJEX) verantwortlich, in der Teilnehmende des LGAN mit Delegationen aus Spanien, England, Frankreich und Italien gemeinsam eine Operation in Südwestafrika im Rahmen des europäischen Krisenmanagements planen.

Den Austausch von Offizieren aus Wien und Hamburg gibt es seit 2014, sagt Exeli. Er hat seiner Meinung nach mehrere positive Effekte: Die gemeinsame Ausbildung kann schneller koordiniert und die Partnerschaft zwischen Deutschland und Österreich gleichzeitig intensiver gepflegt werden. „Wir haben den riesen Vorteil, dass wir uns mit der Sprache nicht so schwertun und das wir tatsächlich zu 100 Prozent in die Fakultät und Lehre eingebunden sind – sowohl ich als auch mein Pendant in der Landesverteidigungsakademie.“

Oberstleutnant Dirk Heinzmann zeigt auf eine Karte, die vor ihm auf dem Tisch liegt. Lehrgangsteilnehmer hören zu

Oberstleutnant i.G.im Generalstabsdienst Dirk Heinzmann ist im Gegenzug an der Landesverteidigungsakademie in Wien eingesetzt

Bundeswehr/Dirk Heinzmann

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Bundesheer

Unterschiede zum Bundesheer konnte Oberst Exeli auch schon ausmachen. Der Austauschoffizier spricht vom „berühmten Faktor zehn“ – Deutschland ist zehnmal so groß wie Österreich. Auch die Bundeswehr ist um ein Vielfaches größer und damit leistungsfähiger.

„Deshalb sind sie schwer vergleichbar. Ich denke aber mal, dass unsere grundsätzlichen Fähigkeiten dieselben sind. Wir sind auch annährend gleich ausgebildet. Wir haben sicherlich Auffassungsunterschiede in diversen Bereichen. Im Großen und Ganzen sind wir uns aber sehr ähnlich.“

Bezogen auf die ITInformationstechnik-Ausrüstung sei die Landesverteidigungsakademie mit der Führungsakademie vergleichbar. „Aufgrund der Corona-Pandemie wurde im vergangenen Jahr in unglaublicher Geschwindigkeit tonnenweise ITInformationstechnik-Material angeschleppt. Fast jeder von uns ist nun mobil ausgestattet. Wir haben eine tolle Arbeitsumgebung und können jederzeit in die Onlinelehre umschalten.“

Die Lernräume wurden an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Deutschland quasi in den virtuellen Raum verlegt, sagt der Austauschoffizier. „Lerninhalte werden so bereitgestellt, dass sich die Lehrgangsteilnehmenden selbstständig auf gewisse Themen vorbereiten können. Durch vertiefende Diskussionen oder spezifische Fragestellungen wird dieser von einer anderen Perspektive beleuchtet.“

Onlinelehre sei gut, sagt der Dozent, doch wenn es um das Zusammenwirken von verschiedenen Elementen auf der oberen taktischen und operativen Ebene geht, dann sei Präsenz immer noch sehr wichtig.

Oberst dG Exeli hält eine Rede zur Eröffnung der Übung CJEX

Der Austauschoffizier erinnert sich gerne an seine Zeit als Übungsleiter der Combined Joint European Exercise zurück

Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel

Gespräche bleiben in Erinnerung

Mitte dieses Jahres geht es für den Austauschoffizier zurück nach Österreich. „Mir wird auf jeden Fall das Arbeiten mit dem Team in der Fakultät in Erinnerung bleiben und meine Tätigkeit als Übungsdirektor für die CJEX“, sagt Oberst dG Exeli. Er fand es „interessant zu lauschen“, welche Sicht Generale und Admirale im Ruhestand auf die derzeitigen Entwicklungen der Bundeswehr haben. Sie stehen während der CJEX den Lehrgangsteilnehmenden als Mentoren und Force Commander mit Rat und Tat zur Seite.

Beruflich ist Oberst dG Michael Exeli ebenfalls viel gereist: Afrika, Europa und Amerika standen in den vier Jahren auf der Agenda. „Ich war einige Male im VN Hauptquartier. Das hat meinen Horizont erweitert.“ Welche Aufgabe als Nächstes auf den 47-Jährigen wartet, weiß er noch nicht. „Ich schätze mal, dass ich zurück nach Wien gehe. Vermutlich ins Ministerium.“

Unterschiede Verbindungs- und Austauschoffizier

Infobox zeigt gegenüberlegend die Unterschiede

Infografik zum Unterschied Verbindungsoffizier- und Austauschoffizier

Führungsakademie der Bundeswehr/DezInfoA
von Sophie Düsing  E-Mail schreiben

Weitere Themen

  • Ein Soldat sitzt an einer Konsole vor vielen Bildschirmen und übernimmt die Regie
    • Führungsakademie der Bundeswehr

    Mediathek

    Mediathek der Führungsakademie der Bundeswehr