„Die Stützräder sind nun ab“

„Die Stützräder sind nun ab“

  • LGAN
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
3 MIN

Abschluss einer wegweisenden Ausbildung, Startschuss für den nächsten Karriereschritt: Die Führungsakademie der Bundeswehr hat jetzt den 15. streitkräftegemeinsamen Lehrgang General- und Admiralstabsdienst National verabschiedet. Die feierliche Übergabe der Teilnahmeurkunden nahm der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, persönlich vor.

Links steht der beste nationale Lehrgangsteilnehmer, Korvettenkapitän Mark Baumert, rechts davon General Eberhard Zorn.

Der beste nationale Lehrgangsteilnehmer: Korvettenkapitän Mark Baumert (l.). Ihm überreichte der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, den General-Heusinger-Preis

Führungsakademie der Bundeswehr/Michael Gundelach

Hochrangige Gäste, darunter der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, wohnten dem Festakt in der Clausewitz-Kaserne in Hamburg bei – und konnten sich gleich ein Bild von ihren künftigen Mitarbeitern machen. Denn die Absolventinnen und Absolventen wechseln nun in das Bundesministerium der Verteidigung, in Ämter, Stäbe oder internationale Verwendungen.

Dass er von den angehenden Spitzenführungskräften Haltung und Kante erwartet, daran ließ General Zorn keinen Zweifel: „Schreiben Sie nicht, dass Dinge beherrschbar sind, auf der Zeitachse lösbar oder alternativlos. Schreiben Sie auf, was ist. Mit Schönfärberei helfen Sie niemandem weiter. Seien Sie wahrhaftig, mit klarer Diktion und Sprache!“ Bei aller gebotenen Kompromissbereitschaft dürfe das Ziel nie aus den Augen geraten, forderte der ranghöchste Soldat der Bundeswehr. Mit Blick auf den zweijährigen Lehrgang General- und Admiralstabsdienst National 2018 (LGAN) bescheinigte er der Führungsakademie „ausgezeichnete Arbeit“. Was ihn geprägt hat, als er vor knapp 30 Jahren selbst den Generalstabslehrgang besuchte, führte General Zorn im Kurzinterview mit unserer Redaktion aus (siehe unten).

Rechts steht der beste internationale Absolvent, Korvettenkapitän David Stephen Roberts, links Generalmajor Oliver Kohl.

Erhielt als bester internationaler Lehrgangsteilnehmer den Dr.-Manfred-Wörner-Preis: Korvettenkapitän David Stephen Roberts aus Großbritannien (r.). Die Übergabe nahm Generalmajor Oliver Kohl vor

Führungsakademie der Bundeswehr/Michael Gundelach

„Auch wenn der Wind von vorne bläst“

„Tun Sie das, was Ihnen geboten erscheint, auch wenn das nicht allen gefällt, auch wenn der Wind von vorne bläst. Halten Sie das durch. Bleiben Sie Ihrer Überzeugung treu“, gab Generalmajor Oliver Kohl den Frauen und Männern des LGAN 2018 mit auf den Weg. General- und Admiralstabsoffiziere müssten als Berater und Entscheider Kritik aushalten können. „Lassen Sie sich also nicht davon abbringen, Ihre Meinung zu sagen“, betonte der Kommandeur der Führungsakademie. Zugleich stellte er fest, dass das Lehrgangsmotto „Zusammen – voran!“ großartig gelebt worden sei, indem etwa konsequent Verantwortung übernommen und entschlossen, zupackend gehandelt wurde.

Wehmut ob des nahen Abschieds einerseits, Vorfreude auf das Kommende andererseits – dies spiegelte sich wider in dem eingangs abgespielten Lied „St. Pauli“, gesungen vom Hamburger Jan Delay: „Wir nähern uns dem Sendeschluss. Die Lichter gehen aus, die Träume an. Doch wer sagt, dass es hier enden muss.“ Und so blickte Major Hannes Petzold, Vertrauensperson des LGAN 2018, nach vorn: „Die Stützräder sind nun ab. Jetzt heißt es, dass wir zu Gestaltern werden.“ Für die internationalen Lehrgangsteilnehmer sprach Oberst im Generalstab Niklaus Jäger von der Schweizer Armee: „An der Führungsakademie wurden wir in die Familie der Bundeswehr aufgenommen. Vielen Dank dafür! Sie können sicher sein, dass Sie mit uns Botschafter Deutschlands gewonnen haben.“

In dem Saal, in dem der Festakt stattfand, sitzen hochrangige Offiziere. Coronabedingt sind etliche Plätze frei.

An der Veranstaltung im Gneisenau-Saal nahmen hochrangige Gäste teil. Coronabedingt mussten etliche Plätze frei bleiben. Dafür wurde der Festakt in mehrere Räume übertragen

Führungsakademie der Bundeswehr/Michael Gundelach

Haltung und Leistung

Beifall bekamen die Preisträger des LGAN 2018. Den General-Heusinger-Preis für den besten nationalen Lehrgangsteilnehmer verlieh General Zorn an Korvettenkapitän Mark Baumert; den Dr.-Manfred-Wörner-Preis für den besten internationalen Lehrgangsteilnehmer überreichte General Kohl an Korvettenkapitän David Stephen Roberts aus Großbritannien. Beide Auszeichnungen wurden „in Würdigung von Haltung und Leistung“ vergeben.

Der Zukunftspreis der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWTDeutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V.), ausgehändigt durch DWTDeutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V.-Präsident General a.D. Rainer Schuwirth, ging ebenfalls an einen Marineoffizier: Korvettenkapitän a.D. Klemens Raphael Ehret, der mit seiner Lehrgangsarbeit zur Marinerüstung überzeugt hatte. Die Clausewitz-Gesellschaft, vertreten durch ihren Präsidenten, Generalleutnant a.D. Carsten Jacobson, ehrte für ihre jeweilige Lehrgangsarbeit Oberstleutnant Jochen-Andreas Moos mit der Ehrenmedaille General von Clausewitz 2020 sowie Major Walter Haynes aus den USAUnited States of America mit der Ehrenurkunde Carl von Clausewitz 2020.

Den LGAN 2018 haben 105 Berufsoffiziere aus 16 Nationen und drei zivile Führungskräfte absolviert. An dem anspruchsvollsten Lehrgang der Führungsakademie nehmen die Besten eines Jahrgangs teil, die Auswahl erfolgt nach Eignung, Leistung und Befähigung. Fertig ausgebildet, sind sie vorbereitet auf Verwendungen als militärische Führer oder Berater – auf taktischer, operativer und strategischer Ebene sowie im politischen Umfeld, ob nun in den Streitkräften, in der EUEuropäische Union, NATONorth Atlantic Treaty Organization oder den Vereinten Nationen. So können die Absolventinnen und Absolventen – auf Basis wissenschaftlicher Methoden – in Frieden, Krise oder auch Krieg zweckmäßige und ethisch begründete Entscheidungen treffen.

3 Fragen an General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr

Generalinspekteur Eberhard Zorn

Sie selbst haben die Generalstabsausbildung von 1991 bis 1993 absolviert. Was hat Sie besonders geprägt?

Drei Punkte: mein Tutor, der spätere Generalleutnant Günter Weiler, die vermittelten Methoden und das soziale Miteinander. Das damals entstandene Netzwerk trägt bis heute.

Generalinspekteur Eberhard Zorn

Wenn Sie die Anforderungen an den General- und Admiralstabsoffizier der 1990er-Jahre einerseits und der 2020er-Jahre andererseits vergleichen: Worin bestehen die größten Unterschiede?

Mein damaliger Lehrgang war noch als klassischer Heereslehrgang angelegt. Den Schwerpunkt bildete die Bündnis- und Landesverteidigung, der eurozentrierte Ansatz dominierte. Unser bis dahin umfangreichster Auslandseinsatz, UNOSOM II in Somalia, lief ja gerade erst an. Heute legen wir im Lehrplan viel mehr Wert auf Krisenmanagement und Internationalität, gewichten Planungsprozesse und deren Einordnung in den politisch-strategischen Rahmen wesentlich stärker. Hinzu kommt die zunehmende Akademisierung, etwa mit dem Masterstudiengang „Militärische Führung und Internationale Sicherheit“. Wie sich dies auswirkt, ist noch unklar. Fest steht aber: Die akademische Qualität unserer Absolventinnen und Absolventen ist außerordentlich hoch.

Generalinspekteur Eberhard Zorn

Und welche Konstanten sehen Sie? Gibt es einen roten Faden, der die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Ausbildung zum General- und Admiralstabsoffizier verbindet?

Mit dem Lehrgang bilden wir nach wie vor die Führungskräfte von morgen aus – und die künftigen Kommandeure, das muss man ganz klar sagen. Beibehalten werden wir auch, taktisch-operative Fragen im strategischen Kontext und unter Berücksichtigung der politischen Ebene zu bearbeiten. Erweitert hat sich der Punkt Multinationalität, das zeigt sich etwa am internationalen Campus-Charakter der Führungsakademie. Der globale Ansatz bringt uns nach vorn.

Generalinspekteur Eberhard Zorn


von Mario Assmann  E-Mail schreiben