Führung neu denken: Militärakademien kooperieren

Führung neu denken: Militärakademien kooperieren

  • Ausbildung
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
3 MIN

Die Welt wandelt sich. Täglich. Stündlich. Ja sogar minütlich. Auch Führungskräfte müssen sich diesen neuen Situationen anpassen und schnell richtige Entscheidungen treffen. Die Führungsakademie der Bundeswehr und ihr italienisches Pendant, das „Center for High Defence Studies“ in Rom, nehmen sich dieser Thematik an.

Ein deutscher und ein italienischer Soldat halten jeweils ein Puzzleteil in der Hand

Die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg kooperiert mit dem „Center for High Defence Studies“ in Rom

Grafik: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann

Situationen verändern sich rasant. Entscheidungen, die gestern getroffen wurden, können heute schon überholt sein. Denn Ereignisse sind nicht immer vorhersehbar. Das kann verunsichern. Schließlich muss sich die Führungskraft immer wieder neu in komplexe Themen hineindenken. Gleichzeitig können Informationen auf vielfältige Weise interpretiert werden.

„Master in Strategic Leadership and Digital Transformation“

Das „Center for High Defence Studies“ in Rom bietet ein Masterprogramm an, dass sich dieser Herausforderung stellt. Es trägt den Titel: „Executive Master in Strategic Leadership and Digital Transformation“.

Pandemiebedingt wird das erste Modul, das im März gestartet ist und bis Mitte Mai andauert, digital durchgeführt. Mehrmals die Woche stehen Vorträge zu verschiedenen Themen wie beispielsweise strategisches Denken oder Führungsmodelle in englischer Sprache auf der Agenda.

Die Teilnehmenden im Rang Oberst bis hin zum Drei-Sterne-General bekommen Methoden und Konzepte an die Hand, wie Themen schnell durchdrungen und strategische Entscheidungen im Team umgesetzt werden können. Ethische Aspekte werden dabei genauso betrachtet wie Grundsätze des Veränderungsmanagements oder kognitive Führungsmodelle.

Der Wissenschaftliche Direktor des GIDS, Professor Dr. Stefan Bayer, blickt in die Kamera

Professor Dr. Stefan Bayer hielt eine Keynote zum Thema „Strategic Leadership and Social Cost“

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Ökonomische Bildung ist entscheidend

Professor Dr. Stefan Bayer, Leiter Forschung des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), hielt bei der Onlineveranstaltung eine Keynote. Sein Thema: „Strategic Leadership and Social Cost“. Seit 30 Jahren forscht der Wissenschaftler zum Thema „Strategische Entscheidungen und deren Auswirkungen“.

„Zwei Botschaften möchte ich den Teilnehmenden mit auf dem Weg geben: Zum einen mangelt es in Streitkräften weltweit an ökonomischer Bildung. Zum anderen ist aber genau diese ökonomische Sphäre für militärische Entscheidungen äußerst relevant“, sagt Professor Dr. Bayer. Schließlich können Maßnahmen, die unter ökonomischen Gesichtspunkten getroffen werden, auch als ein Mittel zur Kriegsführung interpretiert werden.

GIDS hinterfragt politische Entscheidungen

Jeder Streitkräfteeinsatz hat verschiedene Effekte. Als Beispiel führt Bayer die Rückkehr amerikanischer und deutscher Truppen aus Afghanistan an. „Mit einem Einsatz sind automatisch ökonomische Aspekte verbunden. Denn jede Truppe bezahlt in dem jeweiligen Land viel Geld für Güter und Dienstleistungen. Darauf haben sich die Anbieter eingestellt. Wenn die Truppen abgezogen werden, ergibt sich ein Nachfragedefizit. Dieses kann wiederum dazu führen, dass der ganze sicherheitspolitische Ertrag möglicherweise nicht mehr aufrechterhalten werden kann.“

Und genau darüber diskutieren die Teilnehmenden des Masterprogramms ausführlich. Sie ordnen dieses Phänomen nicht nur sicherheitspolitisch ein, sondern identifizieren auch Handlungsmöglichkeiten. Strategic Leadership zeige sich darin, so Bayer, dass sowohl kurzfristige als auch langfristige Auswirkungen beachtet werden müssen:

„Eine Aufgabe des GIDS besteht genau darin: Mit wissenschaftlichen Methoden praktische politische Entscheidungen aus verschiedensten Perspektiven zu hinterfragen, diese zu diskutieren und darauf basierend Lösungsvorschläge zu unterbreiten.“

Von seinem Arbeitsplatz aus loggt sich Oberstarzt Christian Busch beim Masterprogramm ein

Oberstarzt Christian Busch nimmt am Masterprogramm teil. Er möchte seine Führungskompetenzen ausbauen

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

So sieht es ein Teilnehmer

Oberstarzt Christian Busch nimmt am Masterprogramm teil. Der stellvertretende Leiter der Fakultät Sanitätsdienst und Gesundheitswissenschaften der Führungsakademie der Bundeswehr möchte seine Fähigkeiten im Bereich Führungsstrategien und -kompetenzen erweitern – gerade im Hinblick auf eine zunehmend digitalisierte Umwelt. „Mich interessiert vor allem das Thema strategische Vorausschau. Inwiefern können bestimmte Sachverhalte besser vorbereitet werden, sodass einen die Entwicklungen nicht überraschen.“

Die Diskussionen und Gruppenarbeiten zeigen ihm, dass sich alle Teilnehmenden mit den gleichen Fragen beschäftigen: Wie gehe ich als militärischer Führer mit dieser komplexen Umwelt um? Wie organisiere ich meine Führungsstrukturen? Und wie schaffe ich es gleichzeitig, meine Mitarbeitenden zu motivieren?“

Musterlösung - Fehlanzeige

Mitte Mai startet das zweite Modul des Masterprogramms. Ursprünglich waren hier auch Gruppenübungen auf einem italienischen Segelschulschiff geplant. Diese sollten von Psychologen der italienischen Streitkräfte begleitet, geführt und beobachtet werden.

„Es ist schade, dass das Modul aufgrund von Corona nicht in geplanter Weise durchgeführt werden kann. Nicht nur dass es in Italien stattgefunden hätte, sondern auch wegen der Gruppendynamik. Das wäre sicherlich gewinnbringend gewesen“, sagt der Sanitätsoffizier.

Nichtsdestotrotz freut sich Oberstarzt Busch schon auf den zweiten Teil. Denn: „Inhaltlich ist der Lehrgang super. Es wird keine Musterlösung präsentiert, vielmehr regt der Kurs an, sich mit Themen auseinanderzusetzen und Lösungen für die eigene Situation zu finden.“

von Sophie Düsing  E-Mail schreiben

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