Hier kämpfen Soldaten der Führungsakademie gegen Corona

Hier kämpfen Soldaten der Führungsakademie gegen Corona

  • Coronavirus
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
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Hamburg
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Ihre „helfende Hand“ wird dringend benötigt: Soldaten der Führungsakademie der Bundeswehr unterstützen seit zwei Wochen Mitarbeitende eines Pflegeheims in Schleswig-Holstein. Dort haben sich mehrere Personen mit dem Coronavirus infiziert.

Feldwebel Dennis Lemmen sucht sich aus einem Regal Bettwäsche heraus. Er steht in einer kleinen Kammer.

Feldwebel Dennis Lemmen unterstützt als „helfende Hand“ ein Pflegeheim in Norderstedt

Führungsakademie der Bundeswehr/Dennis Jarzemski

Über seine Uniform zieht Feldwebel Dennis Lemmen einen grünen Schutzmantel. Sein Gesicht ist ebenfalls kaum zu sehen: Denn sein Mund und seine Nase werden von einer Maske verdeckt, darüber kommt noch ein Gesichtsschild. Doppelt hält besser. So auch die Devise bei den Handschuhen. Jetzt fehlt nur noch das Ergebnis des Corona-Schnelltests. In zehn Minuten ist es da: „Negativ – zum Glück“. Für Feldwebel Dennis Lemmen und sechs weitere Soldaten beginnt damit ein neuer Tag im Pflegeheim.

Aufgeteilt in der Früh- und Spätschicht unterstützen sie das Pflegepersonal, wo immer sie können und dürfen. Pflegerische Tätigkeiten sind ausgeschlossen. Gleiches gilt für Gespräche über medizinische Themen. Vielmehr möchten sich die Bewohner über Alltägliches austauschen. Denn die Helfer sind nicht nur Soldaten, sondern auch Menschen. Der 23-Jährige Lemmen verteilt beispielsweise Essen und bereitet die Getränke vor.

Zudem desinfizieren die Soldaten Räume, decken Tische, waschen Wäsche, beziehen Betten – einfach alles, was den Tag über anfällt. „In unseren Augen sind das alles Kleinigkeiten. Doch das Pflegepersonal ist glücklich darüber. Wir merken, dass sie froh sind, dass wir da sind“, sagt Lemmen.

Große Dankbarkeit

Das unterstreicht auch die Leiterin des Pflegeheims Haus Ilse, Julia Garber: „Die Soldaten ermöglichen uns, unsere Bewohnerinnen und Bewohner zu versorgen, zu begleiten und ihnen auch in dieser Quarantänesituation Lebensqualität zu bieten. Durch die Offenheit der Soldaten, sich auf die Anforderungen des Hauses und die speziellen Bedürfnisse unserer Bewohnerinnen und Bewohner einzulassen, konnten sie sich praktisch von Beginn an in die Arbeitsabläufe integrieren und die Entlastung war von da an spürbar.“

Die Mitarbeitenden sind berührt und gleichzeitig erleichtert darüber, dass ihnen in einer Notsituation geholfen wird, so Garber weiter.

Auf dem Porträtfoto trägt Julia Garber einen Mund-Nasen-Schutz
Julia Graber, Heimleiterin "Haus Ilse"
„Wir erleben hier derzeit eine solidarische Unterstützung, die wir sicher noch vor wenigen Wochen nicht mit der Bundeswehr im normalen Lebensalltag in Verbindung gebracht hätten. Für den Einsatz der Soldaten möchten wir jedem Einzelnen persönlich danken.“

Der Chef des Stabes der Führungsakademie der Bundeswehr, Oberst i.G.im Generalstabsdienst Michael Schlechtweg, lobt ebenfalls das Engagement der Soldaten: „Es ist eine sehr fordernde und körperlich anstrengende Arbeit. Ich danke den Soldaten für ihren Einsatz.“ Es sei dabei auch sekundär, dass eine Hamburger Dienststelle in Schleswig-Holstein unterstütze, sagt er. „Wir helfen da, wo wir gebraucht werden. Das Virus macht an Landesgrenzen nicht halt.“

Die drei Personen halten Abstand und unterhalten sich

Oberst i.G.im Generalstabsdienst Michael Schlechtweg (rechts) tauscht sich mit der Heimleiterin Julia Garber und Hauptfeldwebel Daniel William aus

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Privatleben für Einsatz zurückgestellt

Für Feldwebel Dennis Lemmen ist es der erste Einsatz in der Corona-Pandemie. Er bekundete vorab bereits sein Interesse für Unterstützungsleistungen jeglicher Art – ob als „helfende Hand“ in Gesundheitsämtern, in Pflegeeinrichtungen oder beim Impfen. „Ich habe da gar nicht überlegen müssen. Für mich ist es selbstverständlich, als Soldat zu helfen.“

Als das Bundesland Schleswig-Holstein einen Antrag auf Amtshilfe bei der Bundeswehr stellte, wurde Lemmens Einsatzgebiet und Einrichtung konkreter. „Ich habe erfahren, dass in dem Pflegeheim Menschen leben, die dement sind oder andere psychische Erkrankungen haben.“

Sein Privatleben stellte der 23-Jährige für den Einsatz hintenan. Er traf sich weder mit seiner Freundin oder seinen Freunden noch mit Familienangehörigen. Der Grund: Er wollte sie schützen, falls er sich bei der Arbeit infizieren sollte. „Seitdem ich im Pflegeheim eingesetzt bin, habe ich meine Kontakte noch weiter reduziert. Vor und nach der Arbeit war ich die ganze Zeit zu Hause. Eingekauft habe ich bereits im Vorfeld.“

Feldwebel Dennis Lemmen wischt einen runden Tisch ab. Dabei trägt er unter anderem einen Schutzmantel, eine Maske und Handschuhe

Der 23-Jährige wischt Tische ab, desinfiziert Türklinken oder verteilt Essen an die Bewohner

Führungsakademie der Bundeswehr/Dennis Jarzemski

„Es geht mir nahe“

Er macht das gerne, sagt er. Die älteren Menschen und die Mitarbeitenden des Pflegeheims sind ihm schnell ans Herz gewachsen. Eine ältere Dame habe beispielsweise zu ihm gesagt, dass ihm die Farbe des Schutzmantels sehr gut stehe. „Ich habe ihr dann meine Uniformhose gezeigt. Sie meinte dann: ‚Das Grün ist auch schick.‘“

Ein Gespräch stimmte den 23-jährigen Soldaten jedoch nachdenklich. Eine Bewohnerin erzählte ihm von ihrer Familie. Sie habe fünf Kinder. Keines ihrer Kinder komme sie – unabhängig von Corona – besuchen. „Das bleibt natürlich hängen. Es geht mir nahe, zu wissen, dass es alte Menschen gibt, denen es nicht gut geht und die mir dann auch noch ihre Familiengeschichte erzählen.“ Dennoch sei die Frau „gut gelaunt, habe einen lockeren Spruch auf den Lippen und lache auch mal“, so Lemmen weiter.

Die „helfenden Hände“ der Führungsakademie wurden inzwischen von anderen Soldaten abgelöst und die Hilfeleistung bis Ende Januar verlängert. „Ich würde mich immer wieder dafür melden“, sagt Feldwebel Lemmen, der im IT-Bereich an Führungsakademie der Bundeswehr arbeitet.

Sein persönliches Fazit

Die Hilfeleistung habe ihm noch einmal vor Augen geführt, „für wen die ganzen Schutzmaßnahmen überhaupt gemacht werden“, sagt er.

Dennis Lemmen unterhält sich mit einer Person, die jedoch nicht komplett auf dem Bild zu sehen ist
Feldwebel Dennis Lemmen
„Wir tun das nicht für uns, sondern vor allem für die ältere Bevölkerung.“

Durch den Einsatz kam Dennis Lemmen ins Grübeln. Er möchte privat nun auf jeden Fall etwas ändern: „Ich werde jetzt definitiv öfter mal mit meiner Oma telefonieren oder sie nach der Pandemie häufiger besuchen. Das habe ich vorher nicht so wirklich gemacht. Ich habe es eher als selbstverständlich angesehen, dass sie da ist.“

von Sophie Düsing  E-Mail schreiben

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