Führen Morgen Heute Lernen

Führen Morgen Heute Lernen

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Eine Mitarbeiterin läuft hinter ihrem Chef hinterher, sie möchte ihn etwas fragen. Er winkt ab und gibt ihr zu verstehen, ihn nicht zu nerven. Es ist eine Situation, die vielleicht der ein oder andere aus seinem Arbeitsleben kennen mag. Doch was sagt das über die Führungskraft aus? Und wie wird sich das Thema Führung in der nächsten Zeit verändern? Hat dies Auswirkungen auf das Lernen? Und was bedeutet eigentlich Arbeit 4.0? Es sind Fragen, mit denen sich die Teilnehmer des Innovationslabors „Führen Morgen Heute Lernen“ der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) beschäftigen.

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr Generalmajor Oliver Kohl

Bundeswehr/FüAkBw/Lene Bartel

„‘Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich endlich Taten sehen‘“, zitierte der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, in seiner Begrüßungsrede den Dichter Johann Wolfgang von Goethe.

Viele Fragen werden zu Beginn aufgeworfen: Wie soll zukünftig gelernt werden? Wie sollen die Lernräume aussehen? Und was bedeutet das für die Führungsakademie der Bundeswehr? Auch der Direktor Strategie und Fakultäten an der FüAkBw, Brigadegeneral Boris Nannt, gesteht: „Die Lösung haben wir für uns an der Führungsakademie noch nicht gefunden. Genau deswegen haben wir das Innovationslabor ins Leben gerufen.“ Das Labor soll dabei Impulse setzen. Das Bild einer „digitalen Ausbildungsakademie“ dient als Vision.

Arbeit im Wandel

Psychologin am Frauenhofer Institut Roda Müller-Weiland startet mit ihrem ersten Vortrag zum Thema „Arbeit und Führung der Zukunft“. Sie wirft zu Beginn ebenfalls Fragen auf: Was müssen wir heute machen, dass wir in zehn Jahren zukunftsfähig sind? Wollen Sie von Robotern geführt werden? Und was steckt noch hinter dem Begriff Arbeit 4.0?

Ihre Antwort: Die Arbeit ist im Wandel. Das „Wie“ von Führung wird sich grundlegend verändern. Es entstehen neue Rollen und vor allem heterogene Teams. Neue Technologien werden entwickelt und der Arbeitstag somit dynamischer. Der Chef ist keine allein entscheidende Person mehr, vielmehr ist die Führungskraft ein Coach, eine Person die den Rahmen vorgibt.

Psychologin Roda Müller-Wieland spricht beim Innovationslabor Führen Morgen Heute Lernen zu den Teilnehmenden

Psychologin Roda Müller-Wieland stellt in ihrem Vortrag dar, wie sich Arbeit und Führung in der Zukunft verändern.

Bundeswehr/FüAkBw/Lene Bartel

Vier Thesen wie Führungskräfte in dieser neuen Arbeitsumgebung erfolgreich sein können, gibt die Vortragende den Zuhörern mit:

Eine Führungskraft muss:

  • sich auf unterschiedliche Kulturen einstellen,
  • ohne detailliertes Fachwissen führen können,
  • schnelle Veränderungen ermöglichen,
  • Macht abgeben können.

Didaktik der Militärwissenschaft

Einblicke in die Lehre des österreichischen Bundesheeres gibt Brigadier Magister Andreas Rotheneder. Der Leiter des Instituts für höhere militärische Führung der Landesverteidigungsakademie referiert, auf welche Art und Weise sich Offiziere künftig Inhalte militärischer Kernfächer am effektivsten aneignen.

Brigadier Magister Andreas Rotheneder am Pult beim Innovationslabor Führen Morgen Heute Lernen

Der Leiter des Instituts für höhere militärische Führung der Landesverteidigungsakademie in Österreich, Brigadier Magister Andreas Rotheneder, stellt die Entwicklungen in der Offizierausbildung dar.

Bundeswehr/FüAkBw/Lene Bartel

Einen Gewinn in der Ausbildung sieht Rotheneder unter anderem in der Nutzung bereits vorhandener Kompetenzen. Kommen im Bereich der Erwachsenenbildung die Lehrgangsteilnehmende doch bereits mit Erfahrungen in die Akademien. Diese Erfahrungen, gilt es zu teilen und als Wissen zu strukturieren. Die Lernenden müssen bereit sein, sich neuen Lernformen anzunehmen. „Nicht-Formales und informelles Lernen wird an Bedeutung gewinnen“, so Rotheneder.

Er spricht sich für die prinzipienorientierte Lehre aus. Diese setzt sich aus dem Wissen einschlägiger Literatur mit kriegsgeschichtlichen Beispielen sowie den bereits genannten Erfahrungen der Teilnehmenden zusammen. Ebenfalls werden Einsatzfaktoren und aktuelle Methoden berücksichtigt. Auch Rotheneder verfolgt die Trends in der Arbeits- und Ausbildungslandschaft, die sich auf die Führung auswirken werden. Doch er sagt auch ganz klar: Nicht auf jeden Zug muss aufgesprungen werden.

Entwicklungen in den britischen Streitkräften

Chief Executive of the Defence Academy of the United Kingdom, Major General Andrew Roe, gibt Einblicke in den Veränderungsprozess der Ausbildungslandschaft der britischen Streitkräfte.

Major General Andrew Roe beim Innovationslabor Führen Morgen Heute Lernen

Chief Executive of the Defence Academy of the United Kingdom, Major General Andrew Roe, stellt dar, wie sich die britischen Streitkräfte entwickeln.

Bundeswehr/FüAkBw/Lene Bartel

„Die Entwicklungen gehen zu einer flexiblen, anpassbaren und personalisierten Verteidigungs- und Sicherheitserziehung“, so Roe. Die Lernumgebung verändert sich. Lernen ist durch neue Technologien auch über die Distanz hinweg möglich. Somit ist eine Kombination von computergestütztem Lernen und Präsenzphasen, was auch als „blended learning“ bezeichnet wird, eine Option. Damit das gelingt, müssen jedoch die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten von jedem Einzelnen erworben werden.

Veränderungen müssen eng durch ein Team begleitet werden und gehen auch mal schief. Dennoch sollte man stetig daran arbeiten und sich nicht aufhalten lassen.

Gut geführt ist halb gelernt

Menschen suchen in unsicheren und komplexen Situationen noch stärker nach Führung, erklärt Professorin Dr. Stephanie Birkner, Juniorprofessorin Female Entrepreneurship am Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Oldenburg. Unsicherheit ist nicht per se schlecht, denn dieses Gefühl gibt einen Impuls zum Lernen. Schlägt dieser hingegen in Stress um, dann ist die Aufnahme von Informationen eingeschränkt.

Probleme sollten ihrer Meinung nach nicht ausschließlich als negativ wahrgenommen, sondern vielmehr als Chance begriffen werden, die Zukunft zu gestalten. Das Führen ist dabei eng verknüpft mit dem Lernen. Doch wie können Menschen dazu gebracht werden, informell, also selbstständig außerhalb einer Bildungseinrichtung, zu lernen? Die Antwort klingt banal, trifft aber den Kern: Die Leistung sollte anerkannt werden. Denn nur, wenn die Leistung wahrgenommen wird, ist auch die Einsatzbereitschaft vorhanden, sich aus eigenem Interesse immer wieder fortzubilden.

Professorin Dr. Stephanie Birkner steht am Pult und trägt zum Thema "Gut geführt ist halb gelernt" vor

Professorin Dr. Stephanie Birkner erklärt, dass Führen eng mit dem Lernen verknüpft ist

Bundeswehr/FüAkBw/Lene Bartel

Professorin Dr. Birkner stellte den Teilnehmenden die kompetenzorientierte Gestaltung von „Lernräumen“ vor. So steht nicht die Frage „Wer soll was lernen?“ im Mittelpunkt, sondern vor allem die Frage „Wo soll warum wann wie wozu gelernt werden?“ Dieses Vorgehen baut Unsicherheit ab. Gemeinsam mit dem Führungsnachwuchs sollen Antworten auf Fragen gefunden und bestehende Prozesse gemeinsam hinterfragt werden.

Was brauchen Mitarbeiter wirklich?

Das kompetenzorientierte Personalmanagement der Bundesagentur für Arbeit (BABootsmannanwärter) stellte Michael Pirkl vor. Er ist Geschäftsführer der Führungsakademie der BABootsmannanwärter und mit dem Wandel der Arbeitswelt bestens vertraut.

Rund 6.500 Führungskräfte sind auf verschiedenen Ebenen für die BABootsmannanwärter im Einsatz. Mit dem Konzept der mitarbeiterorientierten Führung wird, wie bereits von Müller-Weiland ausgeführt, deutlich, dass Führungskräfte mehr die Rolle eines Coaches einnehmen. Demnach soll die Führungskraft Stärken und Schwächen des Mitarbeiters erkennen und ihn entsprechend einsetzen. Die Stärken gilt es dann zu fördern sowie gegen Schwächen entsprechend anzugehen. 

Michael Pirkl von der Bundesagentur für Arbeit trägt am Pult beim Innovationslabor Führen Morgen Heute Lernen vor

Michael Pirkl von der Bundesagentur für Arbeit erklärt das Modell des kompetenzorientierten Personalmanagements der Bundesagentur für Arbeit

Bundeswehr/FüAkBw/Lene Bartel

Lernen und Arbeiten gehört zusammen. Daher entwickelt die BABootsmannanwärter Modelle, dass Mitarbeiter genau dort lernen, wo sie es auch anwenden: am Arbeitsplatz. Dies gilt auch für Führungskräfte. Diese sollen im kompletten Führungsteam geschult und nicht mehr einzeln auf Lehrgängen gefördert werden.


Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen im Gespräch

Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen besuchte bei ihrer Sommerreise die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

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von Sophie Stange und Ines Blandau  E-Mail schreiben