Lebenslanges Lernen auf einem modernen Campus

Lebenslanges Lernen auf einem modernen Campus

  • Digitale Ausbildungsakademie
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
4 MIN

„Einfach mal machen“, „Die Zukunft gehört den Neugierigen“: Dies sind Zitate, die in der zweitägigen Abschlussveranstaltung des Projektes „Digitale Ausbildungsakademie für lebenslanges Lernen“ an der Führungsakademie der Bundeswehr besonders häufig gefallen sind. Starke Worte. Und was sind die Ergebnisse des Projekts?

Graphic Recorder Tom Fiedler zeichnet die wichtigsten Punkte des Implementationslabors auf eine Tafel

Graphic Recorder Tom Fiedler hält die wichtigsten Punkte des Implementationslabors grafisch fest

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Das erste „Innovationslabor für lebenslanges Lernen“ fand vor zwei Jahren statt. Mit Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr und Fachkräften aus Bundeswehr, Wirtschaft, Wissenschaft und dem öffentlichen Dienst wurde erörtert, wie sich die höchste Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr wandeln muss. Das Ziel: weiterhin eine hochwertige Aus- und Weiterbildung anbieten, die die Führungskräfte professionell auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.

In fünf Projektgruppen: Kultur, Organisation, Informationstechnik, Personal und Infrastruktur wurden über 100 formulierte Ideen diskutiert und auf Machbarkeit geprüft, so dass im zweiten Innovationslabor im Oktober 2020 die herausgefilterten Maßnahmen mit Expertinnen und Experten diskutiert und noch einmal verfeinert werden konnten.

Teilnehmende des Implementationslabors testen die Augmented-Reality-Brille Hololens

Hololens-Brillen sind Bestandteil einzelner Lehrgänge der Führungsakademie und konnten während der Veranstaltung getestet werden

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Pandemie als Chance

Zu Beginn stand fest: Die Führungsakademie der Bundeswehr bleibt eine Ausbildungseinrichtung, die ihre Trainings überwiegend in Präsenz durchführen wird. Für den umfassenden Austausch, das Zusammenkommen und ein gemeinsames „über den Tellerrand hinausblicken“ eignet sich der virtuelle Raum nur eingeschränkt. Dann kam Corona und der lebhafte Campus war plötzlich geprägt von leeren Hörsälen und Wegen. Der gelebte Diskurs fand nicht mehr so intensiv statt. Angedachte Lösungen mussten schnell umgesetzt werden. Hier hat die Pandemie Dynamik entwickelt. Mit Unterstützung der Helmut-Schmidt-Universität wurde innerhalb weniger Wochen das Lernmanagementsystem „Ilias“ als Lernplattform an der Akademie eingeführt und ermöglichte die Fortführung der laufenden Lehrgänge.

Brigadegeneral Kohl steht am Rednerpult der Rotunde und begrüßt die Teilnehmenden

Generalmajor Kohl begrüßt die Teilnehmenden des Implementationslabors

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Das Implementationslabor

Die zweitägige Abschlussveranstaltung mit dem Titel „Implementationslabor“ diente dazu, aus den über 30 verbleibenden Maßnahmen, einzelne vorzustellen und mit den Gästen über deren Umsetzung und Einführung, auch außerhalb der Akademie zu diskutieren. Der Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl, sagte entschlossen:

„Wir müssen nun einfach mal machen.“

Dabei wolle er insbesondere weiterhin junge Menschen mit einbinden, beispielweise die Studierenden der Helmut-Schmidt-Universität.

Die Frage, wie wir zukünftig lernen wollen, beantwortete der Direktor Strategie und Fakultäten, Oberst André Abed: „Der Frontalunterricht wird keine Zukunft haben. Neue, auch multimediale Lehr- und Lernformen haben Einzug gehalten. Ob in Präsenz oder online – unsere  Lernbegleiter müssen das technisch und methodisch/didaktisch drauf haben. Dazu braucht es auch angemessene Lehr- und Lerninfrastruktur.“

Ergebnisse

Neben der grundsätzlichen Frage wie zukünftig gelehrt und gelernt wird, beschäftigte sich die Projektgruppe Kultur mit dem Selbstverständnis des Offiziers. Stabsoffiziere sollen eine breite (Weiter-)Bildung, Fachkenntnisse sowie feste und lautere Charaktere aufweisen.

Die Projektgruppe Organisation bringt beispielsweise hervor, dass der Ausbildungsablauf individualisiert und ein flexibles Lernen in der Standardausbildungswoche ermöglicht werden.

Wie sich die Ausbildenden nun weiterentwickeln werden, stellt die Projektgruppe Personal in Kompetenzprofilen für Dozentinnen und Dozenten sowie Tutorinnen und Tutoren dar. Das Seminar „Lernbegleiter im digitalen Raum“ wird aktuell schon angeboten. Weiterhin ist die Gruppe davon überzeugt, dass die Modullandschaft der Führungsakademie Bestandteil einer zielgerichteten Personalentwicklung werden muss.

Die Projektgruppe Informationstechnologie zeigt auf, dass Insellösungen an den Ausbildungseinrichtungen nicht zielführend sind. Es wird vielmehr an einer bundeswehrgemeinsamen Lösung gearbeitet. Des Weiteren wurde bereits ein Team für moderne Ausbildungstechnik an der Akademie gebildet, welches alle Mitarbeitenden und Lehrgangsteilnehmenden bei der Nutzung virtueller Möglichkeiten unterstützt.

Zum Stichwort – der Raum als dritter Pädagoge – stellte die Projektgruppe Infrastruktur das „iLab“ vor. Die Baumaßnahmen zu diesem Raum mit moderner, flexibler Lerninfrastruktur und passendem Mobiliar stehen kurz vor dem Abschluss. Wichtig ist der Projektgruppe vor allem, dass bei Umbaumaßnahmen die Nutzer von Anfang an bei der Konzeptionierung beteiligt werden.

Teilnehmende des Implementationslabors sitzen innerhalb ihrer Projektgruppe zusammen und besprechen die Ergebnisse

Oberstleutnant Dirk Lontke innerhalb einer Projektgruppe des Implementationslabors

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Ausbildungskultur neu denken

Nach der Vorstellung und Diskussion der Maßnahmen und Konzepte an den beiden Tagen des Implementationslabors kommt Oberst Abed zu dem Fazit „die Ausbildungskultur ist möglicherweise die zukunftsträchtigste Disziplin, denn diese hat Konsequenzen für alle anderen Kategorien unserer Untersuchung“

Das Wort „ausgelernt“ hat vollständig seine Bedeutung verloren, gerade für den Soldatenberuf und besonders für die Führungskräfte der Streitkräfte gilt ein lebenslanges Lernen. Doch nehmen wir uns die Zeit dazu? Was denken Vorgesetze darüber, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eine Weiterbildung besuchen möchte? Vielleicht: „Ach Sie gehen zur Weiterbildung? Haben Sie nichts zu tun?“ Oder andersherum, die Soldatin oder der Soldat denkt sich: „Schon wieder eine Ausbildung? Was soll ich noch alles machen?“

Das Selbstverständnis für ein lebenslanges Lernen muss auf allen Ebenen vorhanden und gelebt werden. Es verlangt nach einem Veränderungsmanagement.

Ausblick

Der Abschluss des Projektes der „Digitalen Ausbildungsakademie“ bedeutet nicht, dass sich die Akademie nun auf den Anstrengungen der letzten beiden Jahre ausruht. „Die Weiterentwicklung der Akademie wird nachhaltig fortgeführt“, machte Generalmajor Kohl bereits zu Veranstaltungsbeginn klar. Wie die Lehrgangsteilnehmenden der Akademie, lernt auch die Organisation selbst – die Führungsakademie der Bundeswehr – stets dazu. „Wir schauen, wo wir in fünf oder zehn Jahren stehen wollen und packen das jetzt an!“ 

Das sagen die Teilnehmenden

Ein Portraitfoto von Dorthe Kramer
Regierungsdirektorin Dorthe Kramer, Projektleiterin Digitale Ausbildungsakademie
„Das Implementationslabor stellt einen wichtigen Meilenstein für die "Digitale Ausbildungsakademie für lebenslanges Lernen" dar. Es ist der zentrale Übergangspunkt von einer Projektorganisation hin zu einer stetig weiter lernenden Organisation. Somit sind die Weichen gestellt, die Erkenntnisse und erste eingeleitete Maßnahmen umzusetzen und gemeinsam weiter zu entwickeln.“
Ein Portraitfoto von Brigadegeneral Rainer Simon
Brigadegeneral Rainer Simon, Kommandeur Schule Informationstechnik der Bundeswehr
„Im fachlichen Austausch innerhalb der Projektgruppe Informationstechnik habe ich die Erfahrungen an der ITInformationstechnik-Schule eingebracht. Des Weiteren habe ich auch für mich persönlich und für meine Aufgaben als Kommandeur Inspirationen zum Thema lebenslanges Lernen mitnehmen können. Ich freue mich auf das Kooperationsprojekt - gemeinsam mit der Führungsakademie wollen wir das Thema Ausbildung innovativ weiterentwickeln.“
Ein Portraitfoto von Divisionär Germaine J.F. Seewer
Divisionär Germaine J.F. Seewer, Kommandant Höhere Kaderausbildung der Armee und Stellvertreter Chef Kommando Ausbildung, Schweiz
„Das war eine sehr interessante Veranstaltung. Wir hatten die Möglichkeit, unsere eigene Arbeit zu reflektieren und neue Inputs mitzunehmen. Was mir persönlich sehr gefallen hat, ist der Austausch innerhalb der Projektgruppen.“
Ein Portraitfoto von Dr. Stephan Abel
Dr. Stephan Abel, Director Accelrator Cyber Innovation Hub der Bundeswehr
„Ich wünsche dem Projekt, dass wir einen Teil der vielen Innovationen die hier vorgestellt wurden, auch umsetzen. Mit der Kooperation iSQUARE zwischen dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr und der Führungsakademie haben wir eine Plattform geschaffen, mit der wir die Akademie dabei unterstützen, insbesondere digitale Hilfsmittel in der Lehre auszuprobieren und bei Erfolg, der Bundeswehr zur Beschaffung vorzuschlagen.“
Ein Portraitfoto von Antje Ott
Regierungsdirektorin Antje Ott, Gleichstellungsbeauftragte im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr
„Ich nehme sehr viele Impulse vom Implementationslabor mit. Das Format, bei dem sich Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen der Bundeswehr, Wissenschaft, Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst zu einer Fragestellung austauschen, gefällt mir sehr gut und finde ich nachahmenswert.“
von  Führungsakademie der Bundeswehr  E-Mail schreiben

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