NATO-Operation: Die Taktik des Heeres

NATO-Operation: Die Taktik des Heeres

  • LGAN
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
3 MIN

Wie werden Streitkräfte in der NATO geführt? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National bei einer neunwöchigen Übung. In unserer dreiteiligen Serie schildern Marine-, Heeres- und Luftwaffenoffiziere ihre Erfahrungen. Oberstleutnant Christopher Frank schildert aus der Heeressicht.

Oberstleutnant Christopher Frank blickt in die Kamera

Der Lehrgangsteilnehmer Oberstleutnant Christopher Frank gehört der Teilstreitkraft Heer an. Er berichtet von seiner Übung

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Worum ging es bei der Übung?

Wir Heeresoffiziere erlebten in der Übung zum allerersten Mal hautnah, wie die NATO Prozesse der operativen Führungsebene plant. Das Vorgehen wird als „Comprehensive Operations Planning Directive“ bezeichnet. Als Planungszelle waren wir gefordert, ein fiktives Krisenszenario zu lösen. Wir befanden uns dabei zwischen der operativen und der taktisch-militärischen Führungsebene. Zuerst mussten wir sowohl die Region als auch die Konfliktbeteiligen und die Krisenlage analysieren. Zudem tauschten wir uns mit anderen Akteuren aus. Erst danach konnten wir mögliche Handlungslinien erstellen.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Übung?

In der Übung konnte ich zum ersten Mal den operativen Planungsprozess der NATO anwenden. Ich habe gehofft, die zuvor theoretisch erlernten Ausbildungsinhalte und Verfahrensabläufe zusammen mit meinen Kameraden so realitätsnah wie möglich anzuwenden und dadurch für künftige aufbauende Übungen auf der operativen Führungsebene bestmöglich vorbereitet zu werden. Gleiches gilt für spätere potentielle Verwendungen in diesem Bereich.

Wie sah Ihre Aufgabe aus?

Ich wurde als Planungs- und Einsatzführungsstabsoffizier, als Logistikstabsoffizier und als stellvertretender Leiter der Planungszelle eingesetzt. Meine Aufgabe war es, die Planungsgruppe zu unterstützen: Ich war dafür verantwortlich, die Fähigkeiten auszuloten, die benötigt wurden, um den Konflikt zu lösen. Dazu bezog ich das Wissen, das wir uns zuvor zum Konflikt, Gelände und Gegner angeeignet hatten, mit ein. Natürlich glich ich dieses auch mit den möglichen militärischen Handlungslinien der übergeordneten operativen sowie der unterstellten taktischen Führungsebene ab.

Was war die größte Herausforderung?

Für mich war die größte Herausforderung, sich in den neuen Führungsprozess hineinzudenken, ihn nachhaltig zu vertiefen und dabei stets ein einheitliches Verständnis für die Planungsgruppe zu schaffen. Das bedeutete auch, das was ich zu wissen glaubte zu verwerfen und neu zu beurteilen. Anschließend fiel vieles deutlich leichter.

Was war das Besondere im Vergleich zu anderen Übungen?

Drei Merkmale charakterisierten diese Übung aus meiner Sicht: Zum einen das neue Planungsverfahren, das wir angewendet hatten, die längere Übungsdauer und zu guter Letzt die Durchführung in englischer Sprache.

Uns wurde eine umfangreiche und detailliert aufbereitete Quellenbasis zur Verfügung gestellt. Wir mussten zudem die anspruchsvolle, übergeordnete Befehlsgebung beachten und eigene Produkte und Vorträge in Englisch ausarbeiten. Das war ein ambitioniertes Vorhaben und zugleich ein Balanceakt: Auf der einen Seite hatten wir sehr viel Zeit, das Thema zu bearbeiten und die Krise zu analysieren und auf der anderen Seite mussten wir aufgrund der zeitlichen Vorgaben unsere Informationen und Erkenntnisse für die Ergebnispräsentation entsprechend komprimieren.

Welche wichtigen Erkenntnisse nehmen Sie für sich mit?

Ich habe für mich eine neue Methode kennengelernt, wie ich komplexe Themen gedanklich besser strukturieren kann. Dies war mit einer Vielzahl von „Aha-Effekten“ verbunden. Das sind die besten Momente einer Ausbildung, weil dabei das Meiste im eigenen Langzeitgedächtnis hängen bleibt.

Die Übung hat mir verdeutlicht, wie wichtig effiziente Kommunikation, sprachliche Klarheit und ein einheitliches Verständnis von Begrifflichkeiten für die Arbeit im Team sind - insbesondere wenn es darum geht, komplexe Krisenszenarien zu bewältigen. Meine persönlichen Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Ich hatte eine Menge Spaß und habe viel gelernt.

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