NATO-Operation: Marine löst fiktive Krise

NATO-Operation: Marine löst fiktive Krise

  • LGAN
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
2 MIN

Wie werden Streitkräfte in der NATO geführt? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National bei einer neunwöchigen Übung. In unserer dreiteiligen Serie schildern Marine-, Heeres- und Luftwaffenoffiziere ihre Erfahrungen. Den Anfang macht Korvettenkapitän Boris Melching.

Korvettenkapitän Boris Melching blickt in die Kamera

Lehrgangsteilnehmer Korvettenkapitän Boris Melching ist seit 2019 an der Führungsakademie. Er berichtet von seiner Übung

Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel

Worum ging es bei der Übung?

Wir waren Teil eines taktischen NATO-Hauptquartiers, wie beispielsweise dem Maritime Command in Northwood, und planten, ein Krisenszenario zu lösen. Dabei wurde ein NATO-Partner durch eine fiktive Nation im Ostseeraum zunehmend bedroht. Im Laufe der Übung verschärfte sich der Konflikt. Innerstaatliche Auseinandersetzungen und subversive Einflussnahmen waren die Folge.

Um das Problem lösen zu können, tauschten wir uns immer wieder mit anderen Hauptquartieren über Zwischenergebnisse aus. Dadurch war die Übung sehr umfassend. Wir mussten dabei den Planungsprozess „Comprehensive Operations Planning Directive“ berücksichtigen. Das war ein fester Ablaufplan, der das kollaborative Vorgehen zwischen verschiedenen Ebenen regelte.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Übung?

Ich wollte einen Einblick in die Abläufe meines möglichen zukünftigen Arbeitsplatzes bekommen. Denn zuvor habe ich noch nicht in einem NATO-Hauptquartier gearbeitet. Deshalb war die Übung auch sehr wichtig für mich. Wir haben ausschließlich auf Englisch kommuniziert. Das hat das multinationale Flair eines echten Hauptquartiers noch einmal unterstrichen.

Wie sah Ihre Aufgabe aus?

Mit meiner Lerngruppe musste ich drei Aufgaben lösen. Zuerst analysierten wir den Konflikt und unseren dazugehörigen militärischen Auftrag. Wir gingen entsprechend des kollaborativen Planungsverfahrens vor. In der Planungsphase bearbeitete ich die logistischen Aspekte. In der anschließenden Durchführungsphase war ich dafür zuständig, die Operation zu leiten.

Was war die größte Herausforderung?

Für mich war es anfangs schwer, mich von offensichtlichen Sachverhalten des Konflikts zu lösen und in wirklich tiefgehende Analysen einzusteigen. Dieses Vorgehen ergab jedoch Sinn, da das Problem von einem großen Stab gemeinsam gelöst wurde. Das wurde mir aber erst im Laufe der umfassenden Planungen klar. Das muss man einfach mal erlebt haben.

Was war das Besondere im Vergleich zu anderen Übungen?

Bei anderen Übungen haben wir häufig durchgängig in einer festen Position gearbeitet. In dieser mussten wir hingegen in jeder Phase die Rolle wechseln. Manchmal konnten wir uns ins gemachte Nest setzen, ein anderes Mal mussten wir jedoch die Fehler von anderen schmerzlich ausbaden.

Welche wichtigen Erkenntnisse nehmen Sie für sich mit?

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich untereinander auszutauschen und andere Meinungen einzuholen. Ansonsten kann es am Ende zu großen Missverständnissen kommen, die im echten Einsatz Menschenleben gefährden. Ich wurde zuvor nie als Logistiker ausgebildet. In dieser Übung musste ich mich jedoch mit diesem Bereich auseinandersetzen. Andere Stabsmitglieder haben mich mit ihren spezifischen Fragen gelöchert. Das hat mir gezeigt, dass in einem großen Stab alle voneinander abhängig sind. Viele Herausforderungen sind eben nur in einem Team zu bewältigen.

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