Neue Lehrgänge für Führungskräfte gestartet

Neue Lehrgänge für Führungskräfte gestartet

  • Ausbildung
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
4 MIN

Lebenslanges Lernen? Herausforderung angenommen! Für Stabsoffiziere ab einem Alter von 30 Jahren gibt es wenige Ausbildungsmöglichkeiten in den Streitkräften. Dabei bilden sie die zweithöchste Dienstgradgruppe. Die Bundeswehr hat den Bedarf erkannt und gleich zwei Lösungen parat.

Die Grafik zeigt einen weiblichen und einen männlichen Offizier auf jeweils einem iPad. Sie sind einander zugewandt

Die Lehrgänge Senior Course und Higher Senior Course sollen lebenslanges Lernen ermöglichen

Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann

Nach dem Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdient folgen für die hochrangigen Stabsoffiziere nur wenige Weiterbildungsangebote. Wir möchten das jetzt ändern, denn der Schlüssel für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr ist die Ausbildung in allen Phasen des Berufslebens. Daher stehen auf unserer Agenda für 2021 sechs Lehrgänge namens Senior Course und Higher Senior Course.

Hinter den Kulissen

Im Herbst 2020 beauftragte der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, die Führungsakademie in Hamburg, das Bildungszentrum der Bundeswehr in Mannheim und das Zentrum Innere Führung in Koblenz damit, einen Lehrgang ins Leben zu rufen, der die Offiziere höherer Dienstgradgruppen weiterbildet. Seither wurden Konzepte und Ideen gesammelt, um dem übergeordneten Ziel des „Lebenslangen Lernens“ ein Stück näher zu kommen.

Heute startete der erste Senior Course an der Führungsakademie der Bundeswehr. Wir haben mit einem Verantwortlichen hinter den Kulissen gesprochen, um Einzelheiten zu erfahren. Oberst Halvor Adrian ist seit mehr als 40 Jahren bei der Bundeswehr und ein alter Hase im Lehrgeschäft. Er war bereits 1991 Lehrgangsteilnehmer und 2008 Leitdozent an der Führungsakademie. Seit Februar dieses Jahres dürfen wir ihn wieder bei uns begrüßen. Dieses Mal jedoch mit einer ganz anderen spannenden Aufgabe.

Fakten: Wer? Führungskräfte zivil und militärisch, Was? Lebenslanges Lernen, Wo? Hamburg, Mannheim Präsenz und Digital

Das ist maßgeschneiderte Weiterbildung auf höchstem Niveau – die neuen Lehrgänge für Führungskräfte der Bundeswehr gehen in die Testphase

Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann

Stiller Beobachter

Er begleitet die neuen Trainings in der Testphase und ist als Projektbeauftragter verantwortlich für die Koordinierung. „Ich werde an allen Trainings in Präsenz und digital teilnehmen. Aber ich nehme keinem Offizier den Platz weg. Meine Aufgabe ist es, zu beobachten“, erklärt der 61-Jährige. Außerdem ist er der Ansprechpartner für die anderen Dienststellen.

Die Senior Courses und Higher Senior Courses haben das Ziel, die individuellen Kompetenzen der Teilnehmer zu verbessern und weiterzuentwickeln. Dazu hat der Generalinspekteur der Bundeswehr vier Themenfelder vorgegeben, die in beiden Lehrgängen behandelt werden sollen. Diese sind Prozessorientierung, Cyber und ITInformationstechnik, Stabsarbeit sowie Informations- und Kommunikationsverhalten.

Oberst Halvor Adrian blickt freundlich in die Kamera

Oberst Halvor Adrian nimmt als Beobachter an den Pilotlehrgängen Senior und Higher Senior Course teil

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Themenvielfalt

An dieser Vorgabe orientieren sich die Wahl- und Pflichtthemen. Von Führung über Sicherheitspolitik und Bundeswehr im Einsatz bis hin zur Bundeswehrentwicklung wird eine Vielfalt von Themen angeboten. „Der Senior Course fokussiert sich dabei vor allem auf die streitkräftegemeinsamen Aufgaben. Mit Streitkräfte sind die militärischen Organisationsbereiche, Heer, Luftwaffe, Marine, Streitkräftebasis, Sanitätsdienst sowie Cyber- und Informationsraum, gemeint“ erklärt Oberst Adrian.

Jeder Lehrgang hat außerdem einen Themenschwerpunkt. „Beim ersten Senior Course geht es um das ‚Digitale Führen‘“, erläutert Oberst Adrian. Diesen Schwerpunkt hat auch der erste Higher Senior Course im Mai. „Da geht es allerdings mehr um die bundeswehrgemeinsamen Themen“, erklärt er. „Das schließt auch Bereiche und Abteilungen ein, die nicht militärisch geführt sind.“

Auch höhere Dienstgradgruppen sollten die Möglichkeit haben, sich weiterbilden zu können. Der Senior Course könnte eine Chance sein, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln
Transkription des Videos

Dabei ist die reine fachliche Wissensvermittlung nachrangig. „Es geht darum, Erfahrungen auszutauschen, neue Methoden kennenzulernen, sich zu vernetzen und zu diskutieren“, erläutert General Zorn. Die Kenntnisse, die in der täglichen Aufgabenbewältigung gefordert sind und das Denken in komplexen Strukturen sollen gestärkt werden.

Bundeswehr-Führungskräfte treffen auf externe Experten

Die ersten 15 Offiziere sind heute an der Führungsakademie angekommen. Am Senior Course nehmen in der Testphase nur militärische Führungskräfte teil. „Es sind Offiziere die entweder kurz vor einer A16 Verwendung stehen oder auf ihrer A16 Verwendung neu sind, ab dem Dienstgrad Fregattenkapitän oder Oberstleutnant“, ergänzt Oberst Adrian. An den Higher Senior Courses werden Führungskräfte der Ebenen B2 und B3 teilnehmen. Diese sind Offiziere im Dienstgrad Kapitän zur See beziehungsweise Oberst oder ziviles Führungspersonal der Bundeswehr. „Ich freue mich auch auf die Dozenten. Es werden Experten aus Politik, Wirtschaft und Militär eingeladen. Wäre ich nicht für die Projektkoordination verantwortlich, hätte ich mich glatt selbst beworben“, bemerkt Oberst Adrian.

Bewerbung und Voraussetzung

Es gibt im Kern nur eine Lehrgangsvoraussetzung. Der Teilnehmende sollte eine sogenannte „Überdurchschnittliche Förderperspektive“ haben. Das wird in der Beurteilung vermerkt und diese hat der Offizier mit der Ebene A16 automatisch erreicht. Auf dieser Grundlage haben das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr und die Abteilung Personal im BMVgBundesministerium der Verteidigung die ersten Teilnehmenden für die Testphase ausgewählt.

„Offiziere, die die Voraussetzung erfüllen, können ihr Schicksal aber auch selbst in die Hand nehmen und sich bewerben. Dazu reicht es, den eigenen Personalbearbeiter anzurufen und das Interesse an den neuen Trainings zu bekunden“, so Oberst Adrian. Eine formelle Bewerbung ist demnach nicht notwendig. „Wir sind allerdings noch in der Erprobung und haben noch nicht für alles Regeln aufgestellt. Daher bitte ich um Nachsicht, sollten Sie nicht direkt ausgewählt werden“, so Oberst Adrian.

So geht es weiter

„Es ist noch nichts entschieden. Ob der Lehrgang verpflichtend wird oder nicht, langfristig in Präsenz, digital oder ob er überhaupt stattfinden wird, wird 2022 entschieden“, so Adrian. Ist die Testphase erfolgreich, wird er gemeinsam mit dem Team empfehlen, diese Trainings in den Lehrgangskatalog der Bundeswehr aufzunehmen. Die Evaluation wird dabei eine große Rolle spielen. Zahlen aus Umfragen, Bewertungen aus Dienstaufsichten, Feedbacks und nicht zuletzt die Teilnehmergespräche fließen in die Entscheidung ein.

„Wenn wir mit diesem zusätzlichen Lehrangebot erfolgreich sein wollen, dann müssen wir einen Mehrwert für Teilnehmende und Dienststellen schaffen. Das wird die größte Herausforderung.“ Oberst Halvor Adrian

Der Generalinspekteur appelliert an die Teilnehmenden: „Reflektieren Sie kritisch und zeigen Sie Mut zum Diskurs hinsichtlich der Weiterentwicklung der Trainings. Damit wirken Sie aktiv an der Gestaltung der Zukunft der Bundeswehr mit.“ Wir sind schon gespannt, was uns die Teilnehmenden Ende April berichten werden.

von Irina Henrich  E-Mail schreiben

Termine Senior Course

Die Senior Courses finden in den folgenden Zeiträumen an der Führungsakademie der Bundeswehr statt:

Termine Higher Senior Course

Die Higher Senior Courses finden in den folgenden Zeiträumen statt:

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