Reservist packt an der Führungsakademie bei Projekten mit an

Reservist packt an der Führungsakademie bei Projekten mit an

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  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
5 MIN

Sie kann als Stützpfeiler der Bundeswehr angesehen werden – die Reserve. Denn sie hilft der aktiven Truppe, ihre Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehören die Landes- und Bündnisverteidigung, der Heimatschutz und das internationale Krisenmanagement. Auch bei der Führungsakademie der Bundeswehr sind Reservistinnen und Reservisten eingesetzt. In welchen Bereichen die Reservistendienst Leistenden an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Deutschland arbeiten, mit welchen Herausforderungen sie sich tagtäglich auseinandersetzen und wie ihr ziviles Leben aussieht, darüber berichten sie in unserer Serie: So auch Hauptmann Simon Thürnagel aus dem Bereich Projektmanagement.

Hauptmann Simon Thürnagel unterhält sich mit Oberst i.G. Michael Strunk und Oberstleutnant Stefan Fritzsche

Hauptmann Simon Thürnagel (Mitte) unterstützt als Reservist den Bereich Projektmanagement an der Führungsakademie der Bundeswehr

Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann

Projekte zum Erfolg führen und Weiterentwicklungen vorantreiben: Das ist es, was Hauptmann Simon Thürnagel Spaß macht. Warum also nicht den Dienst bei der Bundeswehr mit seinen Interessen verknüpfen, dachte er sich. Im Jahr 2010 ist der gebürtige Hamburger als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eingetreten. Erst einmal wollte er nur herausfinden, ob das etwas für ihn ist. Sein Vater ist Reserveoffizier und legte ihm nahe, sich vor Dienstantritt für zwei Jahre zu verpflichten.

Vater und Sohn Thürnagel blicken in die Kamera

2016 wurde Simon Thürnagel zum Oberleutnant befördert. Auf dem Foto ist er mit seinem Vater zu sehen

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Doch Thürnagel blieb sich treu und wollte die dreimonatige Grundausbildung erst einmal abwarten. Er kam zu den Fernmeldern ins niedersächsische Rotenburg (Wümme). Bereits nach kurzer Zeit merkte er, dass ihm die Aufgaben Spaß machen und verlängerte seine Dienstzeit auf zwei Jahre. „Ich sammelte in meiner Grundausbildungseinheit Erfahrungen vom Hilfsausbilder bis zum Gruppenführer“, sagt der heute 29-Jährige. Zudem war er sich noch unschlüssig, was er später einmal studieren möchte und konnte dadurch praktische Erfahrung vor Studienbeginn sammeln.

Reservistendienst Leistungen haben ihm viel gebracht

Die Entscheidung ist im Laufe der zwei Jahre gefallen und so tauschte er die Kaserne gegen den Hörsaal. „Ich habe mich für den Studiengang Betriebswirtschaft/Internationales Management in Bremen und London entschieden. Während dieser Zeit konnte ich mich bei der Bundeswehr immer wieder als Reservistendienst Leistender einbringen“, sagt Thürnagel und erzählt, warum ihm diese Reservistendienst Leistungen besonders viel gebracht haben: „Ich habe in der Kompanie, in der ich sozusagen großgeworden bin, als Leutnant und Zugführer dienen können. Es war eine interessante Führungserfahrung im Alter von 20 Jahren. Insbesondere deshalb, weil ich meinen ehemaligen Ausbildern vorgesetzt und für die Ausbildung des Soldatennachwuchses verantwortlich war.“

Eine Sache konnte ihm die Bundeswehr nicht bieten

Ein Studium bei der Bundeswehr in Hamburg oder München kam für Hauptmann Thürnagel damals jedoch nicht in Frage: „Der Hauptgrund, warum ich mich für das zivile Studium in Bremen entschieden habe, war die sprachliche Komponente. Wirtschaftsenglisch und Wirtschaftsfranzösisch waren dort ein fester Bestandteil. Das konnte mir die Bundeswehr in dieser Form nicht bieten.“ Zudem gehörte ein zweijähriger Auslandsaufenthalt in London zum Studium dazu. „Meine Mutter stammt aus Großbritannien. Ich bin aber in Deutschland geboren und aufgewachsen, fühle mich auch deutsch. Mich hat es immer gereizt, mal eine Zeit in Großbritannien zu leben.“ Denn Thürnagel besitzt nicht nur den deutschen Pass, sondern auch den britischen. Eine Sache ließ ihn aber auch während seiner Zeit in England nicht los – das Militär. Er wurde als Mitglied in den ‚Naval and Military Club In and Out‘ aufgenommen, der neben zahlreichen Veranstaltungen einen Austausch zwischen Offizieren und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik mit Bezug zum Militär bietet.

Simon Thürnagel steht vor dem Eingang des ‚Naval and#en Military Club In and#en Out‘ in London

Simon Thürnagel steht vor dem Eingang des ‚Naval and Military Club In and Out‘ in London

Privat

„Einen Fuß in der Tür gehabt“

Als das Fernmelderegiment 1 aufgelöst wurde, kam er durch Oberst Bjarne Krause im Jahr 2014 an die höchste militärische Ausbildungsstätte der Bundeswehr in Deutschland. Thürnagel übte mehrfach für drei Monate im ehemaligen Fachbereich Führung und Management, der heutigen Fakultät Management. Auch in den Folgejahren zog es ihn dorthin zurück. „So hatte ich schon einen Fuß in der Führungsakademie. Der Vorteil war, dass mein betriebswirtschaftliches Wissen und die militärische Lehre eine große Schnittmenge hatten. Durch diese Zeit haben sich über die Jahre Freundschaften gebildet und auch gemeinsame Aktivitäten entwickelt, wie beispielsweise die jährliche Teilnahme am Haspa Marathon“.

Auf dem Foto ist Simon Thürnagel mit vier weiteren Männern abgebildet. Sie haben am Haspa-Marathon teilgenommen

Hauptmann Simon Thürnagel (links) beim Haspa-Marathon mit Oberst Bjarne Krause, Oberstleutnant Kai Prüter und Oberstleutnant Jörn Dethmann

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Als er seinen Bachelor in der Tasche hatte, wollte er zwei Jahre lang weitere Berufserfahrung sammeln. „Ich war zuletzt in einer Unternehmensberatung tätig. Ich habe dann aber im Sommer 2018 zunächst entschieden, mich beruflich zu verändern. Um diese Zeit zu überbrücken, wollte ich vier Monate als Reservist dienen“, sagt Thürnagel. Zeitgleich wurde Oberst i.G.im Generalstabsdienst Michael Strunk vom Kommandeur der Führungsakademie damit beauftragt, die Struktur der Akademie zu evaluieren. Der Bereich Projektmanagement wurde ins Leben gerufen und damit viele Projekte wie beispielsweise die Neuausrichtung der Führungsakademie zur digitalen Ausbildungsakademie. Als Reservist unterstützt Thürnagel seit August 2018 unmittelbar Oberst Strunk als Leiter der Abteilung Projektmanagement. „Ich bin sozusagen seine rechte Hand“, sagt der 29-Jährige. Er hilft bei der Bearbeitung ministerieller Anfragen, bereitet Präsentationen vor, holt Informationen aus anderen Dienststellen ein und berät in Angelegenheiten des Projektmanagements. Entgegen seiner Absicht, einen neuen Job anzutreten, entschloss sich Hauptmann Thürnagel parallel zu seiner Reservedienstleistung einen Master im Bereich Wirtschaftswissenschaften zu absolvieren. „Es geht um Projektmanagement und Organisationsentwicklung. Von großem Vorteil sind die vielen Parallelen zu den Aktivitäten hier an der Führungsakademie. Durch die Kombination aus Theorie und Praxis fällt mir das Lernen leichter, wodurch es sich wie ein duales Studium anfühlt.“

Unterschied zum zivilen Arbeitsleben

Im zivilen Leben arbeitete Thürnagel zudem eine Zeit lang als Projektleiter. Seine dort gesammelten Erfahrungen helfen ihm nun bei seiner täglichen Arbeit an der Führungsakademie. Dabei hat er auch schon Unterschiede zum zivilen Berufsleben ausmachen können: „Projektmanager in einem Unternehmen zu sein bedeutet, wie ein eigener Antriebsmotor zu funktionieren. Das jedem Militär bekannte ‚Melden macht frei und belastet den Vorgesetzten‘ wird nicht derart konsequent gelebt. Man wartet nicht darauf, von einer höherrangigen Stelle regelmäßig neue Befehle oder Anweisungen für das weitere Vorgehen zu erhalten. Bei der Stabsarbeit zum Beispiel wird anhand eines stringent gegliederten Befehls definiert, was zu tun oder zu lassen ist.“ Das Arbeiten als Projektleiter im zivilen Umfeld sei daher anders ausgerichtet. Man habe nicht unbedingt eine permanent begleitende Kontrollinstanz, die einen leitet, so Thürnagel weiter. Vielmehr gäbe es zwar auch einen Auftrag, aber vorgegebene quantitative Ziele. „Man ist etwas freier und trifft daher selber mehr Entscheidungen, die nicht regelmäßig durch eine Rücksprache mit seinem Vorgesetzten abzustimmen sind. Gemessen werden die Ergebnisse an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, sogenannten Key-Performance-Indikatoren. Diese geben Auskunft über Fortschritt und Erfüllungsgrad der Zielsetzungen. In vielen Organisationen werden diese verwendet, um die Qualität der Arbeit zu bewerten und die Höhe der Gewinnbeteiligung zu ermitteln.“ In den derzeitigen Projekten an der Führungsakademie wird sich deutlich mehr abgestimmt und damit sind die Zeithorizonte länger angelegt. „Es liegt an uns darzulegen, welchen Bedarf wir haben, und diesen müssen wir gegenüber anderen Dienststellen, wie dem Bundesministerium der Verteidigung oder dem Kommando Streitkräftebasis, aufzeigen und einfordern. Das erfordert ein enges Arbeitsverhältnis und es gilt, permanent am Ball zu bleiben, damit unsere Anforderungen eingeleitet und umgesetzt werden“, sagt Thürnagel, bevor er sich wieder an seinen Computer setzt. Schließlich gibt es an der Führungsakademie der Bundeswehr viele Projekte, die es umzusetzen gilt.

von Sophie Düsing  E-Mail schreiben

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