Soldaten in der Wirtschaft

Soldaten in der Wirtschaft

  • LGAN
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
0 MIN

Mit welchen Herausforderungen setzen sich Führungskräfte in der Wirtschaft, der Industrie, bei Medienunternehmen oder in der öffentlichen Verwaltung tagtäglich auseinander? Das wollten Lehrgangsteilnehmende des Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) bei einem zweiwöchigen Führungspraktikum erfahren. Sie schauten sich bei Logistikunternehmen oder im Stahlwerk um, sahen zu wie Flugzeuge gebaut werden oder erfuhren mehr über die Arbeit in der Politik. Das Ziel dahinter: Die Offiziere sollen ihr eigenes Führungsverhalten reflektieren und ihre Führungskompetenzen ausbauen. Über ihre Erfahrungen berichten Lehrgangsteilnehmende in unserer Serie. Den Anfang macht Major René Kohlert.

Major René Kohlerts Bild ist zweigeteilt: Auf der einen Seite trägt er einen Business-Anzug, auf der anderen Seite Uniform

Zwei Wochen lang sammelte Major René Kohlert Einblicke in den Logistikbereich von Amazon

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann Collage: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann

Herr Major Kohlert, wo haben Sie Ihr Führungspraktikum gemacht und wie sahen dort Ihre Aufgaben aus?

Mein Führungspraktikum absolvierte ich bei dem weltweit agierenden Konzern Amazon im Geschäftsbereich Logistik. Da ich nicht nur Lehrgangsteilnehmer des Generalstabs-/Admiralstabsdienstes National (LGAN) an der Führungsakademie der Bundeswehr bin, sondern zugleich auch Angehöriger der Logistiktruppe, wollte ich bei diesem Erfahrungsaustausch natürlich Einblicke in die strategische Ausrichtung und die logistischen Prozesse des Unternehmens bekommen. In den ersten drei Tagen habe ich mir das Münchener Headquarter angeschaut. Dort wurde mir die Vision des Unternehmens nähergebracht. In den darauffolgenden Tagen lernte ich weitere Geschäftseinheiten in München und Nordrhein-Westfalen kennen. Ich sah, welche Prozesse im Lager ablaufen und wie die Ware verpackt wird. Zusätzlich tauschte ich mich mit Managern aus den Bereichen Personalwesen und Weiterentwicklung zu den Themen Führungskräfteentwicklung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz aus.

Welche Erwartungen hatten Sie an das Praktikum?

Ich wollte einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens werfen, das maßgeblich das Zeitalter des E-Commerce eingeleitet hat. Ich wünschte mir einen offenen und regen Austausch auf Augenhöhe und vor allem Antworten auf die Fragen: Was zeichnet die Führungskräfte und deren Führungsphilosophie aus? Wie gestaltet sich eine hoch optimierte Logistik? Welchen Stellenwert haben Digitalisierung und Künstliche Intelligenz für Amazon? Und wie ist es in einer Organisation zu arbeiten, in der das Veränderungsmanagement Alltag bedeutet?

Welche Erkenntnisse haben Sie aus dem Praktikum für sich mitgenommen?

Im Praktikum habe ich gemerkt, dass sich die Führungskräfte mit ihrer Rolle identifizieren. Sie verfügen über einen tiefgreifenden Gestaltungsspielraum und optimieren Prozesse an Ort und Stelle, wenn es begründet und im Sinne des Unternehmens ist. Zudem wird Wert auf Transparenz gelegt. Verglichen mit den Streitkräften lassen sich viele Gemeinsamkeiten sowohl bei der Führungskräfteentwicklung als auch bei den logistischen Grundsätzen finden. Herausstechend ist jedoch die materielle und kurzfristig abrufbare Schubkraft die Amazon zur Verfügung steht, um Prozesse anzupassen.

Wie profitieren Bundeswehr und Wirtschaft von dieser Kooperation?

Während meines Praktikums hat mich eine Sache besonders beeindruckt: Einige Manager von Amazon waren früher Zeitsoldaten und haben sich danach bei Amazon beworben. Sie haben unter anderem in der Bundeswehr die Offizierlaufbahn als Soldat auf Zeit durchlaufen oder haben bei der Bundeswehr Logistikerfahrungen gesammelt und mir gegenüber betont, dass sie heute noch beruflich von ihren Erfahrungen dort profitieren. Die Bundeswehr bietet Menschen die Möglichkeit, bereits in jungen Jahren Führungsverantwortung wahrnehmen zu dürfen und hierdurch stetig gefordert, aber auch gefördert zu werden. Diese Führungserfahrung ist auch außerhalb der Bundeswehr heiß begehrt und stellt meiner Ansicht nach einen deutlichen Wettbewerbsvorteil ausscheidender Offiziere im Vergleich zu ihren Mitbewerbern dar.

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