Schifffahrt verbindet, Marine vereinigt

Schifffahrt verbindet, Marine vereinigt

  • LGAI
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
3 MIN

Als Fregattenkapitän Hans-Joachim Kuhfahl von seinem Dienst in zwei Marinen berichtet, hört Korvettenkapitän Hanny Chandra Sukmana gebannt zu. Auch weil sie beide auf U-Boot-Jagdschiffen der Parchim-Klasse gefahren sind. Der eine in der DDRDeutsche Demokratische Republik, der andere in Indonesien. Ausgetauscht haben sie sich an der Führungsakademie der Bundeswehr.

Stefan Berger, Hans-Joachim Kuhfahl und Kapitän Hanny Chandra Sukmana sprechen miteinander

Deutsch-indonesischer Austausch (von links): Fregattenkapitän Stefan Berger, Fregattenkapitän Hans-Joachim Kuhfahl und Korvettenkapitän Hanny Chandra Sukmana

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Anlass des Zusammentreffens von Fregattenkapitän Kuhfahl und Korvettenkapitän Sukmana war eine Veranstaltung im Lehrgang Generalstabs- und Admiralstabsdienst International, kurz LGAI. „Eine Armee auf dem Weg in die Einheit“ lautete das Thema, das drei Zeitzeugen mit Leben füllten: Oberstleutnant a.D. Norbert Stanko, zuletzt Zentrum Innere Führung in Strausberg, Oberstabsfeldwebel Steffen Salomo von der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen und Fregattenkapitän Kuhfahl von der Marineoperationsschule in Bremerhaven. Während des Zusammenbruchs der DDRDeutsche Demokratische Republik dienten sie als Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVANationale Volksarmee). Und wechselten dann in die Bundeswehr, in die Streitkräfte ihres vormaligen Klassenfeinds. An der Führungsakademie erzählten sie jetzt von einstigen Zweifeln und schlaflosen Nächten. Aber auch vom heutigen Stolz auf das in Ost und West Erreichte.

Den 3. Oktober 1990 erlebte Kuhfahl als Kapitänleutnant und Kommandant der „Grevesmühlen“. Das Küstenschutzschiff der Parchim-Klasse kam auf eine Länge von rund 75 Metern, zählte knapp 60 Mann Besatzung und war für die Bekämpfung von U-Booten in der Ostsee ausgelegt. Zur Wiedervereinigung erfolgte der Flaggenwechsel auf der Werft in Wolgast. Hinter Kuhfahl: „der anstrengendste Abschnitt meines Lebens“. Die Sorgen, dass die Volksmarine gegen die Bevölkerung eingesetzt wird, die Verantwortung für Männer, Schiff und Munition in einem „relativ rechtsfreien Umfeld“, die ungewisse eigene Zukunft – all das hatte nicht nur zu den ersten grauen Haaren des damals 29-Jährigen geführt, sondern auch zu seiner Absicht, den Dienst zu quittieren.

Fregattenkapitän Hans-Joachim Kuhfahl berichtete von seinem Dienst in zwei Marinen

Kommandant in zwei Marinen: Fregattenkapitän Hans-Joachim Kuhfahl

Bundeswehr/Katharina Roggmann

Dass Kuhfahl sich doch noch als Zeitsoldat bewarb, ging auf „ein Gespräch mit meiner Mutter und die Liebe zu meinem Beruf“ zurück. 1992 folgte die Ernennung zum Berufssoldaten, „bei einer Quote von ehemals 3.000 Offizieren der Volksmarine zu 67 Übernahmen in die Bundeswehr ein großes Glück für mich“. 2005 fuhr der gebürtige Sachse wieder als Kommandant, kurzzeitig auf der Fregatte „Brandenburg“, anschließend für vier Jahre auf der Fregatte „Karlsruhe“. Kurios: Sowohl die „Karlsruhe“ als auch die „Grevesmühlen“ hatten am Rumpf die Kennnummer 212. „Dieselbe Hullnumber, und das als Kommandant von zwei Schiffen zweier Marinen. Dafür finden Sie in den Geschichtsbüchern wohl kein zweites Beispiel“, sagt Kuhfahl lächelnd.

In sechs Monaten geht der stellvertretende Leiter des Taktikzentrums der Marine in den Ruhestand, im 42. Dienstjahr. Die Parchim-Klasse fährt indessen weiter. Alle 16 Schiffe der Volksmarine wurden Anfang der 1990er-Jahre an Indonesien verkauft, also auch die „Grevesmühlen“ und die „Prenzlau“, auf die Kuhfahl als Leutnant zur See ging, direkt nach Ende seines Studiums. Korvettenkapitän Sukmana zufolge operieren noch 14 Schiffe in Diensten der indonesischen Streitkräfte. „Wir nutzen sie als leichte Korvette. Sie haben sich bewährt, sie können an unseren Inseln gut manövrieren“, berichtet der Teilnehmer des LGAI. Sukmana selbst hat auf der „KRI Sultan Nuku“ (ex Waren) und „KRI Lambung Mangkurat“ (ex Angermünde) gedient.

Nimmt an der Führungsakademie an einem Lehrgang teil: Korvettenkapitän Hanny Chandra Sukmana aus Indonesien

Teilnehmer des Lehrgangs General- und Admiralstabsdienst International: Korvettenkapitän Hanny Chandra Sukmana aus Indonesien

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

Dass er den einjährigen LGAI besuchen kann, ist eine Auszeichnung. „Von 300 Marineoffizieren durften nur 14 eine Admiralstabsausbildung im Ausland antreten“, sagt Sukmana mit Blick auf das Auswahlverfahren der indonesischen Streitkräfte. Geholfen habe ihm vermutlich seine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. So war er als Stabsoffizier zuständig für gemeinsame Marineübungen, etwa mit Australien, Malaysia, Pakistan und den Philippinen. In Deutschland, insbesondere an der Führungsakademie in Hamburg, fühlt er sich „sehr wohl“. Für ihn und die mitgereiste Familie – seine Ehefrau und ihre drei gemeinsamen Kinder im Alter von zwei, sechs und elf Jahren – sei die Zeit in der Hansestadt „eine wunderbare Erfahrung.“

Der LGAI wird ihn prägen, sagt Korvettenkapitän Sukmana. Tatsächlich besteht ein Ziel des Lehrgangs darin, dass sich dessen Teilnehmer mit Deutschland verbunden fühlen. Dies geschehe unter anderem durch „die umfassende Vorstellung unseres Landes“, sagt Fregattenkapitän Stefan Berger, Tutor des Marinehörsaals im LGAI. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Wiedervereinigung samt der friedlichen Auflösung einer Armee durch die andere, samt der Übernahme von Angehörigen der NVANationale Volksarmee in die Bundeswehr. Wie dies gelingen konnte, auch dank des Konzepts der Inneren Führung - „das haben unsere Zeitzeugen verdeutlicht“, sagt Berger als Organisator des Informationstags „Eine Armee auf dem Weg zur Einheit“.

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Oberstabsfeldwebel Steffen Salomo (links) blickte auf sein Berufsleben als Unteroffizier in zwei Armeen zurück

Portepeeunteroffizier in der Nationalen Volksarmee, dann in der Bundeswehr (links): Oberstabsfeldwebel Steffen Salomo

Führunrgsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann
Oberstleutnant a.D. Norbert Stanko steht am Rednerpult an der Führungsakademie

Pilot in zwei Luftwaffen: Oberstleutnant a.D. Norbert Stanko

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

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von Mario Assmann  E-Mail schreiben

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