Zwischen Datenbanken und Wissen – Sie weiß, wo es steht

Zwischen Datenbanken und Wissen – Sie weiß, wo es steht

  • Menschen
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
1 MIN

Bücher gehören zu ihrem Leben dazu, doch würde sie sich selbst nicht als die typische Leseratte beschreiben. Verena Schrader leitet die Fachinformationsstelle an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Wie sie zur Bundeswehr gekommen ist und wie ihre Aufgaben aussehen, hat sie im Gespräch verraten.

7 Fragen an Verena Schrader

Verena Schrader steht vor einem Bücherregal und schaut in die Kamera

Wie lange sind Sie schon in Hamburg und wie gefällt es Ihnen?

Ich bin seit Mitte August dieses Jahres an der Führungsakademie der Bundeswehr. Ich freue mich, jetzt in Hamburg zu arbeiten, denn ich hatte schon immer eine Affinität zum Norden. Die frische Luft erinnert mich an die Sommerferien aus meiner Kindheit. Außerdem weiß ich die Nähe zum Meer besonders wegen meiner Lieblings-Freizeitbeschäftigung, dem Tauchen, sehr zu schätzen. Zuvor habe ich in Bochum, Berlin und Bonn gelebt und gearbeitet. Auch in diese Reihe fügt sich Blankenese ausgezeichnet ein.

Verena Schrader steht vor einem Bücherregal und schaut in die Kamera

Was zeichnet Sie als typische Bibliothekarin aus?

Die Vorstellung, dass Bibliothekare nur Bücher lieben, ist ein überholter Mythos. Was wir wirklich lieben, ist die Verfügbarkeit von Wissen und Informationen, unabhängig vom Trägermedium. Das trifft auch den eigentlichen Kern eines Bibliothekars. Wir mögen Systematiken. Wir mögen Pläne. Wir mögen eine klare Zielvorgabe. Wir mögen das Wiederauffinden von Informationen. Wir lieben Datenbanken. Wir lieben Metadaten. Das ist unsere Welt. Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht. Bibliothekare lieben es, Informationen aufzubereiten. Wichtig ist, die Information darf nicht verloren gehen und wenn sie benötigt wird, muss sie schnell auffindbar sein. Dafür brennen wir.

Verena Schrader steht vor einem Bücherregal und schaut in die Kamera

Wie sind Sie zum Militär gekommen?

Wie nehmen Sie die Unterschiede zwischen der Wirtschaft und der Bundeswehr wahr?

Die Bundeswehr und die freie Wirtschaft sind gerade im Bereich des Bibliothekwesens überhaupt nicht zu vergleichen. Meine Vorgesetzten waren in der freien Wirtschaft überwiegend Betriebswirtschafter. Jedes Konzept wurde stark auf Wirtschaftlichkeit hin geprüft und jede Idee wurde daran gemessen. Als ich mit meinen Ideen in die Bundeswehr kam, wurde ich erstmal gnadenlos gestoppt mit dem Hinweis auf die IT-Sicherheit. Wir könnten so viel mehr im Bereich der digitalen Lehre machen, sind allerdings begrenzt durch das Sicherheitssystem hier vor Ort. Es hat natürlich ganz klar seine Berechtigung. Man sieht allerdings auch im Vergleich zum wirtschaftlichen Bereich, was alles möglich wäre. Die IT-Sicherheit, die Wirtschaftlichkeit und das Bedürfnis nach einem Wandel in der Digitalisierung harmonisch zusammenzufügen, wird eine Herausforderung.

Verena Schrader steht vor einem Bücherregal und schaut in die Kamera

Wo kann sich die Bundeswehr noch was von der Wirtschaft abgucken?

Beide Strukturen haben Vor- und Nachteile. Vorteil ist hier, man kann vieles umsetzen. Aber der Nachteil ist der Zeitfaktor. Es dauert hier einfach wahnsinnig lange. In der Wirtschaft geht vieles schneller. Dafür verbringt man dort viel Zeit mit der Suche nach Geldgebern, Investoren und mit Projektanträgen. Das ist hier wiederum anders. Wenn sich einmal eine Idee wie die digitale Ausbildungsakademie in den Köpfen festgesetzt hat, dann wird das auch bis zum Ende durchgezogen. Davon kann sich die Wirtschaft wiederum etwas abgucken.

Verena Schrader steht vor einem Bücherregal und schaut in die Kamera

Wie können die Mitarbeiter und Lehrgangsteilnehmer der Führungsakademie von Ihnen und der Fachinformationsstelle profitieren?

Unsere tägliche Arbeit ist die Recherche für Forscher und Lehrgangsteilnehmende. Wir grenzen das Thema ein und filtern den Zweck der Arbeit heraus. Denn je nach Art und Umfang der Arbeit ist ein anderer Einstieg in die Recherche notwendig. In einem Fall benötigt man einen Gesamtüberblick der Publikationen zu einem Bereich, in einem anderen Fall benötigt man 20 prägnante Überblicksartikel. Je nach Thema kommt es auch auf die Aktualität an. Auch in der lehrgangsfreien Zeit sind die Lehrgangsteilnehmenden bei uns sehr willkommen. Wir verfügen neben einigen Zeitschriften auch über einen kleinen Bestand an Krimis, leichter Sachliteratur, Thrillern und Hörbüchern. Bibliothek soll Spaß machen.

Verena Schrader steht vor einem Bücherregal und schaut in die Kamera

Welche Themen sind bei den Nutzern aktuell besonders beliebt?

Digitalisierung ist hier an der Führungsakademie das ganz große Thema. Bundeswehrweit sind die Top-Themen das neue Cyberkommando und das Cyberspace.

Verena Schrader steht vor einem Bücherregal und schaut in die Kamera

Wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Persönlicher Kontakt ist durch Corona zwar leider etwas schwierig geworden: Unsere eingeschränkten Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 9 bis 11 Uhr und 13 bis 15 Uhr sowie freitags 9 bis 11 Uhr. Doch ansonsten sind wir für per E-Mail oder per Telefon erreichbar. Wir freuen uns, wenn Interessierte auf uns zu kommen. Durch jedes Gespräch bekommen wir neue Inspirationen und Ideen, was man noch machen könnte.

Verena Schrader steht vor einem Bücherregal und schaut in die Kamera

Zur Person:

Verena Schrader hat in den 1990er Jahren den Diplomstudiengang Wissenschaftliches Bibliothekswesen mit Schwerpunkt Dokumentationswesen absolviert. Nach ihrem ersten Studium ist sie in die Schweiz gegangen. In Ascona am Lago Maggiore hat sie für das deutsche Literaturarchiv in Kooperation mit der Universität Pécs gearbeitet. 1999 beschloss sie dann bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik) in Berlin zu beginnen. Währenddessen schloss sie auch ein Magisterstudium in Geschichte und Politik mit dem Schwerpunkt Internationale Politik ab. Sie arbeitete in der öffentlichen Bibliothek der DGAP Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, die im Schwerpunkt auf internationale Beziehungen ausgerichtet und stark an die Bedürfnisse der Forscher vor Ort angepasst ist. Zurzeit absolviert sie den berufsbegleitenden Master in Library and Information Science an der Technischen Universität Köln. Sie steht kurz vor dem Abschluss.
 


von Valerie  Fabrice  E-Mail schreiben